Alle müssen Land hergeben

WATTWIL ⋅ Der Beginn der Thursanierung in Wattwil ist nicht vor 2021 zu erwarten. Die Wege an den beiden Ufern der Thur sollen verbreitert werden. Das war am zweiten Treffen des Beirats zu erfahren.
24. Februar 2017, 07:31
Martin Knoepfel

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

Rund 130 Personen, 50 mehr als beim ersten Mal, kamen am Mittwochabend zum zweiten Workshop (Beirat) über die Thursanierung in Wattwil in den Thurpark. Vertreter des Kantons stellten das seit Ende November weiter bearbeitete Projekt vor. Das Ziel sei, dass alle Betroffenen hinter dem Vorhaben stehen könnten, sagte Heinz Meier, Leiter der Sektion Wasserbau im kantonalen Tiefbauamt. Im März und April wollen laut Projektleiter Philipp Gyr Vertreter des Kantons mit Plänen im Entwurfsstadium alle betroffenen Grundeigentümer auf­suchen, wobei es dann noch nicht um den Landerwerb geht.

Alle Anrainer der Thur, mit wenigen Ausnahmen müssen für das Sanierungsprojekts Land abtreten. Das sagte Ueli Schälchli. Zwischen der Einmündung des Rickenbachs und dem Schomattensteg solle die Flusssohle auf 30 Meter verbreitert werden. Das entspreche etwa der Breite bei der Postbrücke. Das breitere Flussbett senke den Hochwasserspiegel um rund 80 Zentimeter, sagte Schälchli. Oberhalb der Markthalle und unterhalb der Einmündung des Schmidenbachs werde das Flussbett stärker ausgeweitet. Unter anderem würden Buhnen erstellt, damit sich Kiesinseln bildeten, sagte Schälchli. Oberhalb der Waisenhausbrücke erfolgt die Ausweitung auf der linken, zwischen der Brücke und der Markthalle auf der rechten Uferseite. Im Zentrum von Wattwil müsse man aus Platzgründen Längsverbauungen erstellen. Neu gegenüber früheren Planungen ist, dass der Kanton den Rickenbachs auf einer Länge von 150 Metern ab der Mündung renaturieren will.

Zahlreiche Bäume sollen gefällt werden

Von der Volkshausbrücke flussabwärts muss der Thur-Uferweg bis zu 40 Zentimeter gehoben werden. Die Einmündungen der Seitenbäche, die Fischgewässer sind, werden so gestaltet, dass die Fische zum Laichen aufsteigen können. Die Thur-Uferwege werden verbreitert, damit Lastwagen und Baumaschinen sie befahren können. Dem fallen die Alleen auf beiden Seiten zum Opfer. Unterhalb des Bleichesteges müssen die Bäume nicht gefällt werden, weil dort das Flussbett auf der linken Seite erweitert wird. Rund 25000 Kubikmeter Ober- und 55000 Kubikmeter Unterboden fallen als Aushub an. Drei Hektaren Fruchtfolgeflächen gehen verloren und müssen kompensiert werden. Unterhalb der Schomatten dürften in der Thur Kiesinseln mit permanenter Vegetation entstehen.

Der Kanton hat Ideen für die Gestaltung der Alleen und des Flussbetts entwickelt und die Besucher des Workshops nach ihren Präferenzen befragt. Bei der Neupflanzung der Alleen ist eine klare Mehrheit für einheimische Bäume, wobei sie die Tulpenbäume nicht missen will. Unbestritten sind die Aufwertung der Seitenbäche und die Forderung, bei den Bauarbeiten auf die Biber Rücksicht zu nehmen. Die Mehrheit der Workshopteilnehmer möchte im Siedlungsgebiet einen freien Blick auf die Thur haben. Eine Freizeitnutzung der neuen Flachwasserbereiche kommt für die Mehrheit nicht oder nur an wenigen Stellen in Frage. Bei Fragen zur «Möblierung» der Thur fielen der Aussichtsturm und die Balkone durch. Rampen und Sitzstufen am Ufer schnitten besser ab.

Informationen zum Projekt www.thursanierung-wattwil.ch


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