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Tagblatt Online, 09. Juli 2008 01:09:38

Wo Frauen gerne parkieren

Die Architektin Doris Wälchli zeigt auf, wie gute Architektur ein Parkhaus in Lausanne aufwertet

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Das preisgekrönte Parkhaus in Lausanne der Architekten Brauen & Wälchli. (Bild: Bild: B+W Architekten/Jean-Philippe Daulte)

In der Reihe der «Sie & Er»-Vorträge im Architektur Forum stellte sich am Montag das Büro Ueli Brauen und Doris Wälchli vor. Von ihrem preisgekrönten Parkhaus in Lausanne lässt sich auch für hiesige Projekte lernen.

Andreas stock

In St. Gallen werden derzeit nicht nur ältere Parkgaragen saniert, es sind auch neue geplant. Unter dem neuen Zentrum für die Fachhochschule hinter dem Hauptbahnhof und unter dem Union-Gebäude am Schibenertor. Die monatliche Vortragsreihe «Sie & Er» im Architektur Forum Ostschweiz im Lagerhaus bietet da idealen Anschauungsunterricht. Denn gute Architektur ist inspirierend. Auch wenn jedes Projekt einen Prototyp darstellt, wie die Architektin Doris Wälchli in ihrem Werkstattbericht am Montagabend erläutert. Aus ihren Überlegungen und der konkreten Umsetzung lässt sich aber durchaus für ähnliche Projekte lernen.

Aus wenig viel erreicht

Seit 18 Jahren sind Doris Wälchli und Ueli Brauen ein Architektenpaar und leiten ein Büro in Lausanne. Seither sind einige vielbeachtete Bauten, vor allem in der Westschweiz, entstanden. Darunter auch das Parking du Centre in Lausanne, das mit dem europäischen Parking Award ausgezeichnet wurde.

«Eine Parkgarage braucht keine Architekten», habe der französische Parking-Spezialist zunächst entgegnet, als die Bauherrin das Büro Brauen & Wälchli für ihr Lausanner Parkhaus beigezogen habe. Und tatsächlich sind die gestalterischen Möglichkeiten für einen Autoabstellplatz unter der Erde eingeschränkt. «Doch wir haben aus dem wenigen möglichst viel machen wollen», sagt Doris Wälchli. Dass das im Jahr 2002 eröffnete Parkhaus im Quartier du flon das beliebteste der Stadt ist, bereits nach zwei Jahren ausgebaut und vor allem von Frauen sehr gerne genutzt wird, beweist sehr wohl, das gute Architektur ebenso für Parkhäuser ihren Sinn und Zweck hat.

Keine dunklen Ecken

Das 910 Plätze bietende Parkhaus bietet keine extra Frauenparkplätze, weil sich hier alle Benutzer sicher fühlen können. Es gibt keine dunklen Ecken, hinter denen sich jemand verstecken könnte. «Die Durchsicht war ein zentrales Thema. Es war uns wichtig, dass es überall Durchblicke und Transparenz gibt», sagt die Architektin. Mit dem gleichen Energieaufwand, der für ein übliches Parkhaus nötig ist, wurde ein hellerer Eindruck angestrebt. Dies erreichte man mit viel indirekter Beleuchtung und hellen Farben. Auch die Stützsäulen und die Lüftungsschächte des verborgenen Belüftungssystems werden indirekt beleuchtet.

Gestalterische Details

Die Tragstruktur des fünfgeschossigen Parkhauses konnte auf eine Säulenreihe pro Geschoss beschränkt werden; das vereinfacht das Parkieren. Die sich nach unten verengenden Säulen sowie die Zu- und Ausfahrtsrampen sind zwei architektonisch beispielhafte Details. Sie machen augenscheinlich, wie zwei an und für sich funktionale und statisch notwendige Elemente ob einer gestalterischen Umsetzung neben ihrem blossen Zweck zum ästhetischen Mehrwert beitragen.

«Wir haben die Innengestaltung des Parkhauses wie die Aussengestaltung eines Hauses betrachtet», sagt Doris Wälchli. In schöner Konsequenz zeigt sich dies nun beim Laden- und Bürogebäude, das sie im Zusammenhang mit dem Ausbau des Parkhauses auf die Garage gesetzt haben. Der in der Nacht wie eine Laterne leuchtende Kubus setzt die gestalterischen Überlegungen aus dem Parkhaus in seiner Tragstruktur fort. Mit seiner thermischen Luftkissen-Fassade ist das vergangenen November fertiggestellte «Miroiterie» nicht nur technisch innovativ, es stösst laut Wälchli auch bei der Bevölkerung auf positives Echo.





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