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Tagblatt Online
2. März 2016, 08:16 Uhr

«Wir mussten ihn erlösen»

Der legendäre Fuchs von der Kesselhaldenstrasse: Auch er war berühmt-berüchtigt für seine Diebestouren durch die Gärten im Osten der Stadt. Zoom

Der legendäre Fuchs von der Kesselhaldenstrasse: Auch er war berühmt-berüchtigt für seine Diebestouren durch die Gärten im Osten der Stadt. (Bild: Archiv/Ralph Ribi)

Der Fuchs aus dem Lachenquartier ist tot. Ein Stadtpolizist hat ihn vor rund zwei Wochen erlegt. Anwohner hatten sich über das zudringliche Wildtier beschwert. Der Schuss des Polizisten war aber ein Gnadenakt.

Elisabeth Reisp

ST.GALLEN. Der Quartierfuchs streunte zuletzt in der Lachen sogar am helllichten Tag durch Strassen und Gärten. Sehr zur Freude vieler Anwohnerinnen und Anwohner. Willkommen war das Tier aber nicht überall: Etliche Bewohner der Lachen haben sich am rasch immer zudringlicher und frecher werdenden Verhalten des Tiers gestört.

Besorgte Eltern

Da der Fuchs auch tagsüber auf dem Pausenplatz des Schulhauses Schönau streunte, wandten sich besorgte Eltern an den Tierschutzbeauftragten der Stadtpolizei. Peter Baumann, der in der Stadt der Stellvertreter des Wildhüters ist, rückte dann mehrfach aus, um sich den Fuchs anzusehen. Meistens war das Tier bei seinem Eintreffen schon wieder verschwunden. Beim letztenmal allerdings nicht.

«Der Fuchs liess sich nicht verscheuchen, was für sich schon ein schlechtes Zeichen ist. Und da ist mir dann auch der kahle Fleck über seiner Hüfte aufgefallen.» Für den ausgebildeten Jäger war klar: Das Tier hatte sich mit Räude angesteckt. Baumann trieb den Fuchs aus der Wohnzone und an einem Wiesenbord schoss er das Tier dann. «Wir mussten ihn erlösen. Räude führt zu einem qualvollen Tod.» Der Gnadenschuss blieb für den Polizisten aber nicht ohne Folgen. «Daraufhin habe ich ein paar Anrufe von sehr wütenden Anwohnerinnen und Anwohnern erhalten. Eine Frau betitelte mich sogar als Mörder.»

Haustiere stecken sich an

Wildhüter für die Stadt St. Gallen ist Mirko Calderara. Vom Fuchs in der Lachen hatte er schon seit längerem Kenntnis. Dessen auffälliges Verhalten wurde dem Wildhüter gemeldet. «Wir vermuten, er wurde gefüttert. Vermutlich auch von den Bewohnern des Altersheims Sömmerli.» Auch habe der Fuchs am Isenringweg schon Hühner und andernorts im Sömmerli ein Kaninchen geschnappt. Für den Wildhüter wäre das allein aber noch kein Grund, ein Tier zu erlegen. Räude-Befall hingegen schon.

«Man kann sich nicht vorstellen, wie elendiglich von Räude befallene Tiere eingehen», sagt Mirko Calderara. Vor allem aber ist Räude eine hochansteckende Krankheit, die sich schnell ausbreitet und auch Haustiere wie Katzen und Hunde befallen kann. Man kann die Tiere zwar behandeln und impfen lassen. Bei Wildtieren sehe man davon aber ab. «Wir hatten die letzte Impfaktion bei Wildtieren in den 1980er-Jahren, als die Tollwut wütete.» Das sei aber eine Ausnahmesituation gewesen, da sich diese Krankheit auch auf Menschen übertragen könne.

Freies Revier wird rasch besetzt

Mit dem Tod des Fuchses ist in der Lachen nun sein Revier frei geworden. Das heisst, ein neuer Fuchs wird dieses übernehmen. «Ein Nachfolger ist vermutlich schon da», sagt Mirko Calderara. Sucht sich der neue Fuchs den Bau seines Vorgängers als Zuflucht aus, ist es allerdings wahrscheinlich, dass auch er sich mit Räude anstecken wird. «Gibt es im Frühling Jungtiere in diesem Bau, würden die sehr schnell an der Räude eingehen.»

Falls dies nicht geschieht, müssten sich der Wildhüter und der Verantwortliche des Tierschutzes der Stadtpolizei dennoch Gedanken machen, was sie mit dem neuen Fuchs tun, sollte dieser wieder so zutraulich werden. «Auch einen gesunden Fuchs müsste man erlegen, wenn er jegliche Scheu vor Menschen, insbesondere vor Kindern, verliert», sagt Stadtpolizist Baumann. Ein Fuchs trage immer allerhand Erreger in sich, die bei einem Biss in eine Kinderhand üble Infektionen auslösen könnten.

Fuchs niemals füttern

Mirko Calderara und Peter Baumann appellieren nun an die Bevölkerung in der Lachen, den neuen Fuchs keinesfalls zu füttern. Auch eigene Katzen oder Hunde sollten nicht im Freien, etwa auf einer von aussen her zugänglichen Terrasse, gefüttert werden.



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alphacentauri (02. März 2016, 20:51)
Füchse keinesfalls füttern...

diese Aufforderung wird an der Dummheit vieler Leute scheitern, so wie die Aufforderung die Spatzen im Sommer nicht zu fütter. Beide werden zur Plage, aber sie sind doch "jöö so herzig".

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strawi (02. März 2016, 09:04)
.... und auf gar keinen Fall .....

mit Kecksen füttern, das geht den Füchsen auf den Weker.

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Henoch53 (02. März 2016, 08:47)
..seufz...

...oh mann, diese tierschutz-Romantiker gehen einem echt auf den kecks....

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