Wilder Tanz ums Römpelfeuer

In der Nacht vor Silvester treibt der schwarze Rappensteiner im Westen der Stadt sein Unwesen. Die Römpler vertreiben den Unruhestifter Jahr für Jahr. Mit Masken, Feuer, wilden Tänzen und lautem Gesang gelingt ihnen das.

29. Dezember 2015, 17:00
RUTH FRISCHKNECHT

Am Ende des Jahres gibt es zahlreiche Bräuche, in denen dunkle Gestalten zum Leben erwachen. Auch in St. Gallen sind furchteinflössende Geschöpfe auf dem Gebiet der früheren Gemeinde Straubenzell unterwegs. Sie tragen rote, mit Kuhhörnern bestückte Masken und Jutesäcke. Mit ihren Schellen und Glocken machen sie Lärm: die Römpler.

Wilder Tanz und lauter Gesang

Immer am 30. Dezember und damit auch am Mittwoch, um 19.15 Uhr, entfachen die Römpler das grosse Römpelfeuer auf dem Schulhausplatz Bruggen. Sie zeigen wilde Tänze und singen laute Lieder, damit der unruhestiftende schwarze Rappensteiner für ein weiteres Jahr aus Straubenzell ferngehalten werden kann. Bei sich tragen die Römpler den Römpel, eine Figur, die ebenfalls dazu dient, den Rappensteiner zu vertreiben.

Der Anlass ist öffentlich. «Zwischen 100 und 150 Zuschauer verfolgen jeweils den Brauch», sagt Stephan Solenthaler, Präsident des Römpelvereins. Sobald der unheilbringende schwarze Rappensteiner für ein weiteres Jahr vertrieben ist, beginnt bei Tee, Glühwein und Wurst für Römpler und Gäste der gemütlichere Teil des Abends.

Ein verfluchter Ritter

Ausserdem wird morgen die Sage, auf die der Römpel-Brauch zurückgeht, vorgelesen. Sie erzählt die Geschichte eines Ritters, der einst auf der Burg Rappenstein im Osten der Stadt lebte. In der Nacht vor Silvester verweigerte der Ritter einem Pilger das Gastrecht. Der Pilger verfluchte daraufhin den Rappensteiner Ritter. Als seine Gäste am Silvesterabend den Fluch bemerkten, liess der Gastgeber seine Bluthunde von der Leine. Wegen seiner Greueltat wurde er in eine Felswand im Goldachtobel eingeschlossen. Seither kommt er nur in der Nacht vor Silvester frei. Dann reitet er mit seinem feurigen Ross übers Land und verbreitet Angst und Schrecken. Die Straubenzeller Römpler verteidigen sich in ihrem Brauch gegen den schrecklichen Ritter aus dem Osten der Stadt. «Deshalb der Lärm, die Verkleidung und das Feuer», sagt Solenthaler.

Römpler gesucht

Bis 2010 zogen die Römpler auch nachmittags durch die Quartiere Lachen und Bruggen. Seit 2011 findet der Brauch in reduzierter Form auf dem Schulhausplatz in Bruggen statt. «Weil wir wegen des fehlenden Nachwuchses zu wenige geworden sind.» Die morgige Römpelgruppe umfasst 15 Personen. «Das sind zwar genug, um den Brauch aufrechtzuerhalten. Dennoch würden wir uns über Zuwachs freuen.» Um am letzten St. Galler Silvesterbrauch mitzuwirken, müsse man über keine besonderen Talente verfügen: «Wichtig ist, dass man gut zu Fuss ist und man keine Hemmungen hat, vor anderen Leuten zu singen.» Der Aufwand fürs Römpeln hält sich ebenfalls in Grenzen. Der Verein führt zwei bis drei Anlässe pro Jahr durch.


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