Tagblatt Online, 31. Mai 2012 20:05:00
Wieder ein Tram für St. Gallen?
Die Trogenerbahn (im Bild ein Zug auf dem Bohl) soll in vielen technischen Fragen Vorbild für das neue St. Galler Tram sein. Es könnte frühestens zwischen 2020 und 2030 realisiert werden. (Bild: Ralph Ribi)
Die Stadt muss in den nächsten Jahrzehnten viele Verkehrsprobleme lösen. Eine Alternative für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist der Neubau eines Trams auf der Längsachse der Stadt. Das Grossprojekt, das technisch machbar ist, würde schätzungsweise knapp 600 Millionen Franken kosten.
RETO VONESCHEN
ST. GALLEN. Von 1897 bis 1957 war in der Kantonshauptstadt bereits einmal eine Trambahn unterwegs. In den 1950er-Jahren wurde sie durch den damals in Mode kommenden Trolleybus verdrängt. Jetzt denkt die Stadtverwaltung laut über die Wiedereinführung des Trams nach. Am Donnerstag wurde eine Machbarkeitsstudie vorgestellt.
Technische Probleme lösbar
Trotz der Dimensionen des Vorhabens und vieler ungelöster Detailprobleme bleibt der Neubau eines Trams zwischen Winkeln und Stephanshorn/Heiligkreuz für den Stadtrat eine Option. Die Machbarkeitsstudie der Direktion Bau und Planung kommt nämlich zum Schluss, dass alle technischen Fragen lösbar sind und die Investition finanzierbar ist, sofern Bund und Kanton mitziehen.
Umsetzbar wäre das Tramprojekt voraussichtlich nach 2020 bis 2030. Angesichts langer Planungs- und Vorbereitungszeiten müsste der grundsätzliche Beschluss für oder gegen ein neues St. Galler Tram allerdings schon ums Jahr 2015 fallen. In den nächsten zweieinhalb Jahren will die Stadt daher die Entscheidgrundlagen zusammentragen.
Trogenerbahn als Vorbild
Klar ist gemäss Machbarkeitsstudie, dass sich das neue St. Galler Tram technisch eng an die von den Appenzeller Bahnen (AB) betriebene Trogenerbahn anlehnen soll. Dies nur schon, weil man vom Brühltor bis zum Hauptbahnhof die gleichen Schienen und Oberleitungen nutzen will. Es mache keinen Sinn, dafür neben Bus und Trogenerbahn ein drittes System einzubauen, hiess es am Donnerstag vor den Medien.
Die Spurbreite der Tramgleise würde einen Meter betragen. Die Fahrzeuge dürften höchstens 2,4 Meter breit und 45 Meter lang sein. Sie sollen von beiden Seiten her zugänglich sein, damit die Perrons an den Haltestellen flexibel plaziert werden können. Und sie sollen hinten und vorne einen Führerstand haben, damit an den Endstationen nicht gewendet werden muss.
Hohe Investitionskosten
Das neue St. Galler Tram ist nicht gratis zu haben. Gemäss Schätzungen in der Machbarkeitsstudie könnte es zwischen 530 und 580 Millionen Franken kosten. Die Umstellung auf ein Tram sei ein «Generationenprojekt». Gleisanlagen und Oberleitungen würden zwar nicht für die Ewigkeit, aber für 40 bis 50 Jahre gebaut. Entsprechend fielen relativ hohe Investitionskosten an, sagte Stadträtin Elisabeth Beéry vor den Medien.
Der Betrieb des neuen St. Galler Trams mit 20 Zügen auf zwei Linien käme jährlich auf etwa 14,7 Millionen Franken zu stehen. Das sei etwas teurer als der heutige Busbetrieb, dafür verfüge man mit dem Tram aber auch über erheblich mehr Transportkapazitäten, hiess es gestern.
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