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Tagblatt Online
5. Februar 2016, 07:17 Uhr

Warten auf den Lärmschutz

Feuern zwischen schallschluckenden Hügeln: Im Breitfeld wurden in der Vergangenheit bereits Lärmschutzmassnahmen getroffen. Zoom

Feuern zwischen schallschluckenden Hügeln: Im Breitfeld wurden in der Vergangenheit bereits Lärmschutzmassnahmen getroffen. (Bild: Archivbild: Ennio Leanza)

Die Übungsplätze der Armee im Breitfeld sind saniert worden, doch der Schiesslärm war dabei kein Thema. Allfällige Massnahmen gegen den Lärm folgen erst später.

ROGER BERHALTER

ST.GALLEN. Der Waffenplatz Herisau-Gossau präsentiert sich im Breitfeld moderner denn je. Weil die Schiessanlagen immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen gestossen waren, sind sie ausgebaut worden (siehe Zweittext). Im Breitfeld kann nun also mehr geschossen werden. Dennoch soll der Lärm nicht zunehmen, dies hält das Waffenplatz-Kommando auf seiner Webseite fest: «Durch die Anpassungen entstehen auf den Plätzen keine Mehrbelastungen oder zusätzliche Schiesstage.» Gemäss dem Bundesamt für Rüstung (Armasuisse), das für das Bauprojekt zuständig ist, ist der Schiessplatz sogar leiser geworden: «Laute Waffensysteme wurden teilweise umplaziert, um die Lärmbelastung zu vermindern», sagt Mediensprecherin Jacqueline Stampfli-Bieri.

Nachtschiessen im Advent

Doch noch immer sind die Schüsse gut zu hören. «Manchmal ist es wie im Krieg hier», sagt ein Anwohner aus dem Westen von Abtwil, der sich diese Woche in einem Mail an die Redaktion gewandt hat. Früher habe er die Schüsse jeweils nur am Abend gehört, seit seiner Pensionierung vor einem halben Jahr höre er sie nun auch tagsüber. Er erinnert sich an nächtliche Schüsse im Advent; über solch mangelnden Respekt könne er nur den Kopf schütteln.

Täglich feuern ist erlaubt

Der Waffenplatz Herisau-Gossau gehört dem Bund, und die Armee hat auf diesem Gebiet viele Freiheiten. «Wir sind keiner Gemeinde unterstellt», sagt Waffenplatz-Kommandant Adrian Purtschert. Bei anderen Truppenübungsplätzen – beispielsweise in Bernhardzell – gibt es Kontingente: Sie begrenzen die Zahl der Schiesstage sowie die Anzahl Schuss pro Jahr. In den Anlagen des Bundes im Breitfeld hingegen können die Truppen täglich feuern, nur das Nachtschiessen zwischen 18 und 22 Uhr (beziehungsweise bis 23 Uhr im Sommer) ist begrenzt.

Das Waffenplatz-Kommando publiziert die Schiesszeiten jeweils einen Monat im voraus online. Ein Blick auf den Februar-Plan zeigt: Fast täglich wird geschossen, vormittags und nachmittags, dazu kommen vier Nachtschiessübungen ab 18 Uhr.

Kritische Fragen im Parlament

Widerstand gegen den Lärm im Breitfeld gibt es seit Jahrzehnten. Von einer «unendlichen Geschichte» spricht Monika Gähwiler-Brändle von der SP Gossau-Arnegg. In mehreren Vorstössen im Gossauer Stadtparlament hat sie kritische Fragen zum Schiessbetrieb gestellt. Sie ärgert sich insbesondere über die langen Fristen: «Es dauert lange, bis etwas passiert. Die Anwohner leiden aber schon jetzt und wollen nicht jahrelang warten.»

Bei der jüngsten Sanierung des Waffenplatzes ging es um den Schiessbetrieb, nicht um den Lärmschutz. «Dieser war nicht der Hauptfokus dieses Projekts», stellt Jacqueline Stampfli-Bieri von Armasuisse klar. «Unabhängig davon wird die Lärmsituation auf dem Waffenplatz in nächster Zeit überprüft werden.»

Zeit bis 2025

Auf diesen «Lichtblick» hofft auch Monika Gähwiler-Brändle. Sie wartet auf die neusten Lärmschutzbestimmungen des Bundes, die demnächst vorliegen sollen, und die auch für den Schiessplatz Breitfeld gelten. Falls dort Lärmgrenzwerte überschritten werden, hat der Bund bis Ende Juli 2025 Zeit, Massnahmen zu treffen. Eine weitere dieser langen Fristen, die Gähwiler-Brändle kritisiert: «Ich wünschte mir, wir könnten schneller Fortschritte erzielen.»



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