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Tagblatt Online, 07. August 2012 01:34:00

Warten auf Street View

Zoom

Fachhochschule und AFG Arena sind seit einigen Wochen in der neuen 45-Grad-Ansicht von Google Maps zu sehen. (Bild: Bilder: Google/al)

St. Gallen hätte schon längst in Street View begehbar sein sollen. Ein Rechtsstreit verhinderte die Aufschaltung der Bilder. Ob und wann die Aufnahmen online gestellt werden, ist noch unklar.

DAVID GADZE

Kaum war Google Street View in der Schweiz lanciert, entbrannte ein Rechtsstreit zwischen dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten Hanspeter Thür und dem Suchriesen. Dabei ging es um die Anonymisierung von Aufnahmen und um allgemeine rechtliche Richtlinien. Street View erlaubt den Nutzern, Städte aus der Fussgängerperspektive virtuell zu begehen und zeigt somit auch Nahaufnahmen von Personen und Fahrzeugen, gibt aber auch Einsicht in Gärten oder Wohnungen.

Keine restlose Anonymisierung

Im Juni hatte das Bundesgericht entschieden, Google müsse bei Street View keine hundertprozentige Anonymisierung garantieren. Wie es in seinem Urteil festhielt, dürfe die Fehlerquote maximal ein Prozent betragen – jedoch nur, wenn Google die Software laufend verbessere und dabei das Ziel verfolge, diese Fehlerquote weiter zu reduzieren. Ausgenommen von dieser Regel sind laut Urteil «Aufnahmen von sensiblen Einrichtungen, insbesondere Frauenhäusern, Altersheimen, Gefängnissen, Schulen, Gerichten und Spitälern», wo die vollständige Anonymisierung der auf dem Bild sichtbaren Personen vor der Aufschaltung im Internet gewährleistet sein müsse.

Eine ähnliche Regelung gilt für private Bereiche. «Abbildungen von Privatbereichen, die von einer Kamerahöhe von über zwei Metern aufgenommen wurden und dem Einblick eines gewöhnlichen Passanten verschlossen bleiben, dürfen nicht in Street View veröffentlicht werden», heisst es im Urteil.

Folgen für St. Gallen unklar

Doch was bedeutet das Bundesgerichtsurteil nun für St. Gallen, wo Google bereits im Oktober 2009 Aufnahmen für den Street-View-Dienst gemacht, diese wegen den Rechtsstreitigkeiten jedoch nie online gestellt hatte? «Wir sind zurzeit im Gesprächen mit dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten und prüfen unsere Möglichkeiten», sagt Lena Wagner von der Google-Medienstelle.

In den Diskussionen gehe es vor allem darum, wie die Vorgaben aus dem Urteil des Bundesgerichts umgesetzt werden müssten. «Damals haben wir mit einer Kamerahöhe von mehr als zwei Metern aufgenommen», sagt Wagner. Deshalb könne das Bildmaterial nicht einfach verpixelt werden. Ob die Stadt nun von einer geringeren Höhe aus neu bebildert werden müsse und wann, wenn überhaupt, mit der Aufschaltung der St. Galler Street-View-Aufnahmen gerechnet werden könne, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar. Bei den Verhandlungen gebe es «kein Zeitfenster».

Ein weiterer Punkt des Bundesgerichtsurteils besagt, dass die Bevölkerung jeweils eine Woche im voraus informiert werden muss, bevor die Aufnahmen getätigt und bevor sie online gestellt werden. «Das müsste auch im Fall von St. Gallen geschehen.»

Neue 45-Grad-Aufnahmen

Neu fotografiert wurde St. Gallen – wie auch andere Schweizer Städte – vor wenigen Wochen aus der Luft. Die neuen Bilder zeigen die Gallusstadt in Google Maps aus einer neuen Perspektive: Zoomt man näher hinein, wechselt der Blickwinkel ab einer bestimmten Höhe von der Satelliten- zur 45-Grad-Ansicht. Dort tauchen dann unter anderem die AFG Arena oder der Neubau der Fachhochschule auf, die auf dem Satellitenbild noch nicht sichtbar, weil noch gar nicht gebaut sind.

Die Satellitenaufnahmen, die Google von Partnerfirmen erhält, würden im Rhythmus von etwa drei bis vier Jahren durch neues Bildmaterial ersetzt, sagt Lena Wagner. Da beispielsweise die 2008 eröffnete AFG Arena nur als Baustelle zu erkennen ist, kann man also davon ausgehen, dass auch aus grosser Höhe in absehbarer Zeit eine aktualisierte Luftansicht von St. Gallen verfügbar sein wird.




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