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Tagblatt Online, 30. Juni 2012 01:36:00

Walze, Traktor, Fussgänger: Unfreiwillig auf der Stadtautobahn

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Die Walze wurde bei der Ausfahrt St. Fiden von der Polizei angehalten. (Bild: Kapo SG)

ST.GALLEN. Eine Walze rollte am Mittwoch mit Tempo 15 durch den Schorentunnel. Ein Traktor tuckerte vor kurzem übers Sitterviadukt. Weit häufiger verirren sich aber Fussgänger auf die Stadtautobahn.

CHRISTINA WEDER

Es war eine Fahrt in gemütlichem Tempo, die aber für den 56jährigen portugiesischen Fahrer alles andere als gemütlich endete: Am vergangenen Mittwoch geriet er mit einer Walze auf die Stadtautobahn, rollte mit Tempo 15 auf der rechten Fahrspur durch den Schorentunnel in Richtung St. Margrethen und legte den Verkehr lahm (Ausgabe von gestern).

«Kopf nicht bei der Sache»

Das hatte es auf der Stadtautobahn noch nie gegeben. Seit ihrem Bau vor 26 Jahren war laut Benjamin Lütolf, Mediensprecher der Stadtpolizei, keine Walze mehr darauf unterwegs. Vor rund zwei Monaten sei ein Traktor stadtauswärts übers A1-Sitterviadukt getuckert. Er brachte es auf immerhin 40 Kilometer pro Stunde. Der Lenker hatte sich verfahren; er wurde schliesslich mit Warnsignalen von der Polizei zur nächsten Ausfahrt begleitet.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei, sieht vor allem einen Grund für solche unfreiwilligen Ausfahrten: «Die Lenker sind mit den Gedanken nicht bei der Sache.»

Dennoch sind solche «exotischen Gefährte» auf der Stadtautobahn selten anzutreffen. Weit häufiger kommt laut Krüsi vor, dass sich Fussgänger oder Velofahrer auf die Autobahn verirren – durchschnittlich einmal im Monat im ganzen Kanton. Ein bis zwei Fälle pro Jahr betreffen die Stadtautobahn. Eine Statistik wird nicht geführt.

Geht bei der Polizei eine Meldung ein, dass sich ein Fussgänger auf der Fahrbahn befindet, rückt sie mit Blaulicht aus. Laut Krüsi kann es sich um jemanden handeln, dem das Benzin ausgegangen ist. Aber auch um lebensmüde oder demente Personen. Er erinnert sich an eine ältere Frau, die mehrfach aus dem Altersheim nach Hause wollte und dabei die Autobahn nahm – zu Fuss. Sie sei jeweils schön entlang der Leitplanke gegangen.

Immer wieder Alkoholisierte

Weit gefährlicher sei es, wenn Alkohol im Spiel ist. Beim St. Galler Unterhaltsdienst für Nationalstrassen hält sich das Gerücht, dass sich die Fälle von Fussgängern auf der Autobahn um die Olma-Zeit herum häufen.

Hin und wieder verirren sich laut Krüsi auch Ausländer, die sich nicht auskennen, zu Fuss auf die Autobahn. Vor einiger Zeit begab sich etwa ein tschechischer Tourist direkt auf die Stadtautobahn, um Autostopp zu machen.

Wer jemals in eine ähnliche Situation wie der Walzenfahrer geraten sollte, dem rät Krüsi, bei erster Gelegenheit anzuhalten und die Polizei zu verständigen.




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