Tagblatt Online, 04. Juni 2010 01:03:43
VCS gegen Strassentunnel-Petition
Die Idee eines Autotunnels im Riethüsli ist gemäss VCS «unsinnig und unbezahlbar». Mit seiner geplanten Petition bringe der Quartierverein den Bahntunnel endgültig zum Scheitern.
Der Quartierverein Riethüsli unterstützt die Idee eines Autotunnels von der Liebegg bis zur Stadtautobahn beim Anschluss Kreuzbleiche. An der letzten Hauptversammlung beschlossen die Mitglieder eine entsprechende Petition zu lancieren.
Nun meldet sich der Verkehrsclub St. Gallen-Appenzell (VCS) zu Wort und kritisiert den Quartierverein scharf.
Statt sich konsequent für Verbesserungen beim Projekt des Ruckhalde-Tunnels der Appenzeller Bahnen einzusetzen, wolle man das Projekt nun «mit einer aussichtslosen Petition zum Scheitern bringen», schreibt der VCS in einer Medienmitteilung. Der Quartierverein sei «einem selbsternannten Verkehrsexperten aufgesessen, der den Quartierverein für sein persönliches Ziel instrumentalisiert, mit seinem Wagen möglichst ungehindert in die Stadt zu fahren».
VCS: Individualverkehr steigt
In der Stadt gebe es mehr als 20 Verkehrsmessstellen an Strassen, die mit über 10 000 Fahrzeugen pro Tag ähnlich hoch belastet seien wie die Teufener Strasse. Wolle man jede dieser Strassen mit Tunnels entlasten, so müsse der Bund seine gesamten Mittel für den Agglomerationsverkehr in St. Gallen «verlochen».
Die Kosten für den Vorschlag seien viel zu optimistisch geschätzt und einige Elemente seien technisch nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand umsetzbar. Aber auch wenn das Projekt möglich wäre, sind die Folgen für den VCS klar: «Wohnen im steuergünstigen Teufen – Arbeiten, Einkauf und Ausgang in der Stadt.» Die Reise mit dem öV werde unattraktiver, die Fahrt mit dem Auto dafür schneller und bequemer. Der Individualverkehr würde zunehmen und die angrenzenden Quartiere noch mehr belastet.
«Weltfremde Wunschträume»
Die Aussage des Quartiervereinspräsidenten, dass die Petition nicht gegen das Bahnprojekt gerichtet sei, lässt der VCS nicht gelten. Ein Strassentunnel lasse sich technisch nur umsetzen, wenn der Bahnbetrieb zwischen St. Gallen und Lustmühle eingestellt werde. «Entweder hat man den Vorschlag gar nicht gelesen oder man verfolgt ein doppeltes Spiel.»
Mit der Petition riskiere der Vorstand, «das Kind mit dem Bade» auszuschütten. Man hänge «unrealistischen und weltfremden Wunschträumen» nach und gefährde damit das einzige Projekt, welches gute Chancen auf eine Realisierung habe. Die Tunnelumfahrung sei «unsinnig und unbezahlbar» und die Förderung des motorisierten Verkehrs aus dem Appenzellerland «grundfalsch». (pd/km)
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