Tagblatt Online, 21. September 2011 01:06:00
Unterstützung für Quartiere
Quartiervereine haben sich um viele Fragen zu kümmern. Der Verkehr – im Bild auf der Rorschacher Strasse im Neudorf – ist nur eine davon. (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen erhält einen Quartierentwickler. Er soll Quartiervereine unterstützen und helfen, ein Konzept für die Quartierarbeit zu definieren. Das Stadtparlament sagte gestern Ja zur neuen Stelle.
reto voneschen
Im Parlament war die stadträtliche Idee, eine auf drei Jahre befristete 80-Prozent-Stelle eines Quartierentwicklers zu schaffen, heftig umstritten. SVP und FDP wehrten sich geschlossen dagegen. Votantinnen und Votanten der CVP sowie der SP/Juso/PFG-Fraktion und des grünen Blocks brachen im Gegenzug eine Lanze für die Quartierarbeit und die neue Stelle.
Eigeninitiative statt mehr Staat
In den Quartieren brauche es nicht mehr Staat, es brauche mehr privates Engagement, kritisierte FDP-Sprecher Roger Dornier die Pläne des Stadtrates. Es brauche also keinen städtischen Quartierbeauftragten, sondern Massnahmen zur Stärkung der Eigenverantwortung. Probleme müsste durch Eigeninitiative angegangen und gelöst werden. Von oben verordnete Lösungen würden sowieso nicht akzeptiert.
Ins gleiche Horn stiess Michael Keller für die SVP-Fraktion. Die Schaffung ständig neuer Verwaltungsstellen stehe angesichts drohender Löcher in der Stadtkasse quer in der Landschaft. Die Stadt engagiere sich schon in vielfältiger Art und Weise in und für die Quartiere. Der Kontakt zwischen den Quartieren und der Stadt funktioniere direkt und effizient. Es sei unnötig, da zusätzliche Bürokratie einzubauen. Der Quartierentwickler sei nichts anderes als der Versuch des Stadtrates, «die Menschheit wenigstens lokal besser zu machen», höhnte Keller.
Nicht nur einkaufen in der Stadt
Neben der Alt- und der Innenstadt müssten auch jene Quartiere gefördert werden, in denen die Bevölkerung lebe, forderte Bettina Surber für die Fraktion von SP, Juso und Politischer Frauengruppe. Schicke Einkaufsstrassen reichten nicht aus. Damit die Stadt gedeihen könne, brauche es auch ein gutes Lebensumfeld für ihre Bevölkerung.
Surber kritisierte zudem, dass im stadträtlichen Bericht zur Quartierarbeit Migrationsfragen als Wurzel von Quartierproblemen zu stark in den Vordergrund gestellt würden. An solchen Problemen seien häufig soziale Fragen schuld: Wer Geld habe, könne sich nämlich sein Wohnquartier aussuchen. Wer kein Geld habe, müsse dort leben, wo er sich eine Wohnung leisten könne.
Wichtige Aufgabe erkannt
Grüne, Grünliberale und junge Grüne seien für das stadträtliche Konzept der Quartierentwicklung, liess Fraktionssprecher Lukas Gunzenreiner wissen. Es mache nämlich Sinn, die Quartiere als wichtige Zellen des städtischen Lebens zu stärken. Für Martin Boesch, auf dessen Postulat der Bericht des Stadtrates zurückging, ist der wichtigste Punkt darin, dass der Stadtrat die Quartierarbeit als Aufgabe erkenne und akzeptiere.
Quartiere unterstützen
Das Votum von Boris Tschirky für die CVP/EVP-Fraktion machte die Mehrheitsverhältnisse klar: Es sei richtig, dass die Quartiere selber entscheiden müssten, was sie wollten. Genau das sehe das Konzept des Stadtrates ja vor. Daher sage seine Fraktion Ja dazu. Der Quartierentwickler sei da, um Quartiere zu unterstützen und Amtsstellen zu entlasten. Nach dem Versuch müssten klare Resultate auf den Tisch, bevor man entscheide, wie es weitergehe.
Nach fast einstündiger Debatte hiess das Stadtparlament den Vorschlag des Stadtrates zur Schaffung der 80-Prozent-Stelle eines Quartierentwicklers gut. Die Mittel dafür werden erstmals ins Budget 2012 eingesetzt. Womit bei dessen Beratung im Dezember das Thema nochmals auf den Tisch kommen könnte.
- Artikel empfehlen:










Kommentar lesen
gallenblog.wordpress.com (21. September 2011, 21:02)
Föderalismus im Stadtparlament
Besser wäre eine adäquate Vertretung der einzelnen Quartiere im Stadtparlament, die nur von den jeweiligen Quartierbewohnern gewählt wird.
Beitrag kommentierenDies führt auch zu mehr Identifikation und Interesse der Bewohner für ihr Quartier.
Und wäre erst noch kostenlos.
Kommentar schreiben