Tagblatt Online, 28. April 2010 01:04:33
Steinach soll sauber werden
Den Schaum auf der Steinach will die Stadt St. Gallen mit einem grossen Bauprojekt zum Verschwinden bringen. (Bild: Archivbild: Hannes Thalmann)
ST.GALLEN. Die Stadt will ein Ärgernis aus der Welt schaffen: Eine Leitung zwischen den Kläranlagen Hofen bei Wittenbach und Morgental am Bodensee soll helfen, die Wasserqualität der Steinach zu verbessern. Das Projekt kostet über 23,5 Millionen.
reto voneschen
Die Wasserqualität der Steinach unterhalb von Wittenbach ist schlecht. Das ist im Sommer auch für Laien feststellbar. Indizien sind Schaumbildung auf dem Wasser und üble Gerüche. Badeverbote entlang des Flüsschens, aber auch bei seiner Einmündung in den Bodensee bestätigen den ersten Eindruck. Ursache für den schlechten Zustand ist gereinigtes Stadtsanktgaller Abwasser. Es wird unterhalb der Kläranlage Hofen bei Wittenbach ins Flüsschen abgeleitet.
Dieses führt aber häufig zu wenig Wasser, um mit der reduzierten, aber immer noch vorhandenen Schmutzfracht aus der Kläranlage fertig zu werden.
Einhellige Zustimmung
Das Problem ist seit Jahren bekannt. Jetzt soll es gelöst werden. Gestern hat das Projekt dafür eine wichtige politische Hürde genommen: Das Stadtparlament hat dafür einstimmig einen Kredit von knapp 21 Millionen Franken gesprochen.
Die Delegierten des mitbeteiligten Abwasserverbandes Morgental hatten das Vorhaben bereits früher und ebenfalls einstimmig gutgeheissen.
Vorgesehen ist, das gereinigte Abwasser aus der Kläranlage Hofen in einer Druckleitung zur Kläranlage Morgental zu führen. Dort produziert es in einem Kleinkraftwerk zuerst Strom für etwa 900 bis 1000 Haushalte.
Ein separates Projekt des Abwasserverbandes Morgental sieht vor, dann auch noch die Abwärme aus diesem Wasser zu nutzen, bevor es in den Bodensee geleitet wird.
Vom Vorhaben versprechen sich die Verantwortlichen eine Entlastung der Steinach, wie auch der Arboner und der Steinacher Bucht. Zudem werden auf diese Weise die Voraussetzungen geschaffen, um in Zukunft Abwässer gemeinsam auch noch von Mikroverunreinigungen zu befreien.
Teuer, aber notwendig
Im Stadtparlament wurde das Projekt gestern überaus freundlich aufgenommen. Wie schon in der Werkkommission herrschte von rechts bis links Einigkeit darüber, dass die Massnahmen für die Steinach zwar teuer, aber notwendig seien. Das Ganze sei ein Zukunftsprojekt, das erst noch mit Hilfe der damit gewonnen Energie finanziert werden könne, brachte SVP-Sprecherin Eveline Nef die positive Stimmung auf den Punkt. Die Vorlage löse ein altes Problem, doppelte FDP-Sprecher Roman Bühler nach.
Eine Differenz gab es in der Diskussion über die Frage, wie die Steinach in trockenen Monaten zu mehr Wasser kommen könnte. CVP-Sprecher Guido Keller merkte an, dass es seitens der Stadt sicher keine Millioneninvestition brauche, um aus der Steinach «einen Fluss für die Fischaufzucht» zu machen. Die Steinach dürfe aufgrund des Projektes mit der Abwasserleitung keinesfalls trocken fallen, sonst versickere die ökologische Wirkung im Sand, hielt Claudia Buess für die Fraktion von Grünen, Grünliberalen und Jungen Grünen dagegen.
Angesprochen wurde in dem Zusammenhang auch ein anderes Problem: Es seien Massnahmen dagegen nötig, dass die Steinach jedesmal nach heftigen Regenfällen durch das Überlaufen der städtischen Kanalisation einen «Schmutzstoss» aus der Stadt erhalte, wurde gefordert.
Eine moralische Pflicht
Mit Vorbehalt stimmte die SP/Juso/PFG-Fraktion der Vorlage zu. Das Problem mit dem überlaufenden Schmutzwasser nach Regenfällen müsse gelöst werden.
Und die Stadt müsse alles daran setzen, ihre Abwässer noch besser zu reinigen, forderte Fraktionssprecher Beat Weber. Das sei eine moralische Pflicht gegenüber dem Bodensee. Man dürfe nicht warten, bis einen der Bund zum Handeln zwinge. Durch das Ableitungsprojekt werde nämlich die Schmutzfracht, die den See erreiche, noch nicht reduziert.
Stadtrat Fredy Brunner reagiert mit Verweis auf die Vorlage. Aus ihr sei ersichtlich, dass der Stadtrat bereit sei, etwas für die Wasserqualität und insbesondere gegen Mikroverunreinigungen zu tun. Wenn das entsprechende Verfahren einsatzbereit sei, werde man es zuerst aber prüfen. Man wolle nämlich nur ein Verfahren einführen, das tatsächlich etwas bringe. Es sei klar, dass die aktuelle Vorlage nicht alle Probleme löse. Sie schaffe aber gute Voraussetzungen für die weitere Arbeit, sagte Fredy Brunner.
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