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Tagblatt Online, 16. Juni 2010 01:01:34

Stabwechsel beim HEV

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Christoph Solenthaler: «Wir sind in der Minderheit.» (Bild: Bild: Urs Bucher)

Christoph Solenthaler ersetzt im städtischen Hauseigentümer-Verband den Präsidenten Adolf P. Haller. Dieser blickt nicht nur zurück, sondern übt auch heftige Kritik an den Behörden.

Fredi Kurth

Ländliche Hackbrett-Klänge vermischten sich mit rockigen Piano-Klängen. Womit die geladenen Musiker an der HEV-Mitgliederversammlung in der Universität St. Gallen bewiesen, dass sich zwei ganz unterschiedliche Stilrichtungen zu harmonischem Vortrag verbinden lassen. Fraglich ist indessen, ob der Hauseigentümer-Verband und die Baudirektion der Stadt je einmal in Eintracht gemeinsamen Zielen zusteuern werden.

«Unsorgsam mit Steuergeldern»

Denn zumindest auf einer Seite scheint grosse Unzufriedenheit zu herrschen. So bedauert der abtretende Präsident Adolf P. Haller nochmals die deutliche Abstimmungsniederlage zur Änderung der Bauordnung. Die Vorlage sei nicht nur von links-grüner Seite, sondern auch vom Stadtrat, massiv unterstützt durch das St. Galler Tagblatt, bekämpft worden.

Leider missachte die Stadt auch die Forderung, sorgsam mit Steuergeldern umzugehen. Haller erwähnte als Beispiel die Sanierung der Schulanlage Feldli, die als erhaltens-, aber nicht als schützenswert bezeichnet werde. In der Ausschreibung werde das Objekt dann plötzlich in der Kategorie «unter Denkmalschutz» aufgeführt. «Da wird die Öffentlichkeit hinters Licht geführt», sagt Haller, «es geht nicht, dass Bauten beliebig hochgestuft werden. Es stelle sich da die Frage, wer im Hochbauamt führt – wenn überhaupt.

Gegen den Strich ging dem Verband im vergangenen Jahr auch, dass an die Bevölkerung «medienwirksam» Einkaufsgutscheine von 50 Franken verschenkt wurden, «auch wenn viele der Empfänger überhaupt keine Steuern bezahlen». Immerhin gab es aus HEV-Optik auch eine positive Nachricht zu vermelden: Die Grundsteuer muss die Stadt aufgrund einer kantonalen Änderung «endlich» um 20 Prozent auf 0,8 Promille ändern.

Finanziell gut eingebettet

Obwohl sich der HEV mit der Stadt auf Kriegsfuss befindet, stellte Haller fest: «Uns geht es prächtig.» Das bezog er auf die finanzielle Situation. 2009 wurde trotz grösserer Rückstellungen ein Gewinn von 13 000 Franken verzeichnet, bei Ausgaben von 388 000 und Einnahmen von 401 000 Franken. Das Eigenkapital beträgt 410 000 Franken. Der Abstimmungskampf zugunsten der neuen Bauordnung kostete 50 000 Franken.

Christoph Solenthaler, einstimmig zu Hallers Nachfolger gewählt, gab keine «Regierungserklärung» ab, sagte aber: «Die Anstrengungen des Verbandes werden in bisherigem Rahmen weiterlaufen. Als Hauseigentümer sind wir in der Minderheit. Wir müssen immer wieder Überzeugungsarbeit leisten.»

«Haller hat viel erreicht»

Solenthaler würdigte die Verdienste seines Vorgängers, der 1992 in den Vorstand und 1995 ins Präsidium gewählt worden war. In Hallers Amtszeit erhöhte sich der Mitgliederbestand um 20 Prozent auf nunmehr 3453. Auch der finanzielle Grundstock sei wesentlich verbessert worden. Nicht zuletzt habe Haller auf politischer Ebene trotz Widerständen manche Änderung durchgesetzt, namentlich in der Bauordnung und im Zonenplan. Wenn auch nicht immer im ersten Anlauf. Adolf P. Haller wird nach seinem Rücktritt vom Präsidentenamt weiter im Verbandsvorstand tätig sein.




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