Tagblatt Online, 10. Dezember 2008 01:01:17
Solidarität für indische Familie
Die Briefe an Nishi sollen das Mädchen in Indien aufmuntern. (Bild: Bild: Hannes Thalmann)
Die sechsköpfige Familie Gujar wurde nach Indien ausgewiesen, weil sie illegal in St. Gallen lebte. Vater und Sohn sind untergetaucht – die Frauen mussten alleine nach Indien reisen.
Mirjam Bächtold
«Liebe Nishi, Ich vermisse dich. Ich hoffe, dass du zurück kommst», schreibt eine Fünftklässlerin aus dem Schulhaus Heimat. Die ganze Klasse verfasst Briefe an die 12jährige Nishi Gujar, deren Familie Ende November die Schweiz verlassen und wieder nach Indien zurück musste. «Nishi war immer so lustig. Wir haben für sie eine Abschiedsparty gemacht», sagt eine ehemalige Mitschülerin. Neben den Briefen will man auch Geld nach Indien schicken, um die Familie zu unterstützen. Dafür sammelt das Solidaritätsnetz Ostschweiz in einer Weihnachtsaktion Spenden, wie Andreas Nufer gestern an einer Pressekonferenz mitteilte.
In der Schweiz bewährt
Die sechsköpfige Familie ist im Jahr 2003 in die Schweiz geflüchtet. Da auf ihr Asylgesuch der Nichteintretensentscheid (NEE) folgte, lebten sie von der Nothilfe.
«Die Mädchen Shelly, Nishi und Pooja waren gut in ihren Klassen integriert und zeichneten sich als fleissige Schülerinnen aus», sagte Hanspeter Krüsi, Schulleiter der Schulhäuser Heimat und Buchwald. Dem ältesten Sohn, Hani, war es nach der Schule nicht erlaubt, eine Lehre zu beginnen. Ein freiwilliges Praktikum im Pflegeheim Heiligkreuz musste er wegen einer Anzeige beenden. Während vier Jahren hielt sich die Familie illegal in St. Gallen auf. Aus Angst davor, ins Gefängnis zu müssen, tauchte der Vater im Frühling 2008 unter. Die Gujars reichten nach dem NEE ein Härtefallgesuch ein. «Obwohl dieses noch hängig ist, wurde die Familie ausgewiesen», sagte Nufer.
16 Stunden festgehalten
Kerstin Stahlberger, Diakonin der Kirchgemeinde Tablat, hat die Familie während der letzten vier Jahre unterstützt und sie am 28. November zum Flughafen gebracht. «Nur die Mutter und die drei Mädchen sind gekommen», sagte sie. Der 18jährige Hani habe entschieden, hier zu bleiben, und sei ebenfalls verschwunden. Am Montag sprach Stahlberger mit Shelly. Das Mädchen habe ihr von den Schikanen am Flughafen in Delhi erzählt. Sie seien 16 Stunden lang festgehalten und wie Kriminelle behandelt worden.
Mit der Spendenaktion möchte das Solidaritätsnetz den Gujars den Start in Indien erleichtern.
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