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Tagblatt Online, 27. Januar 2009 01:03:35

Skateboards made in Nepal

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Jean-Pierre Carene, Marius und Fabian Arter (v. l.) – drei von zwölf Arniko-Mitarbeitern mit ihren Boards über den Dächern von St. Gallen.

Skateboards Junge St. Galler produzieren in Nepal unter fairen Bedingungen mit lokalen Unternehmen Skateboards, die sich sehen und fahren lassen können.

Katja Fischer

Arniko, so heisst in Nepal ein Highway und ein berühmter Architekt. Arniko ist aber auch Marius Arters zweiter Vorname. Eine Erinnerung an sein Geburtsland in dem sein Vater als Ingenieur Wasserkraftwerke baute. Familie Arter lebte einige Jahre in der Himalaja-Republik, alle drei Arter-Kinder wurden dort geboren, bevor es wieder zurück in die Schweiz, nach St. Gallen, ging.

Die Verbindung nach Nepal riss jedoch nie ganz ab. Marius Arter produziert heute zusammen mit Freunden unter dem Namen Arniko Skateboards. Nicht irgendwelche Bretter, sondern mit traditionellen Schnitzereien verzierte, fair produzierte Unikate, made in Nepal.

Kleine Stückzahl: Handmade

Ein grosses Haus am Rosenberg, auf dem obersten Klingelknopf steht «Arniko Skateboards». Eigentlich ist es die Wohnung der Geschwister Marius, Fabian und Annina Arter. Ein langer Tisch im Entrée, ein Schrank, ein Regal mit schlanken, aus dunklem Holz gefertigten Skateboards – das ist das Hauptquartier von Arniko in St. Gallen. «Und auch unser ganzes Lager», sagt der 24jährige Marius Arter und er meint es ernst. Bei Arniko wird nicht auf Halde produziert. Die Skateboards werden in kleiner Stückzahl hergestellt und über den Web-Shop verkauft.

Zweimal im Jahr fliegt Marius Arter für einige Wochen nach Nepal. Dort presst er in einer kleinen Werkstatt eigenhändig Holzschicht auf Holzschicht. Beauftragt eine einheimische Werkstatt mit den Schnitzereien, lackiert die fertigen Boards und transportiert sie in die Schweiz. Jedes Skateboard geht mindestens dreimal durch seine Hände, «handmade» eben. Der gelernte Schreiner weiss mit Holz und mit der lokalen Bevölkerung umzugehen. Obwohl er den Nepali helfen möchte, ihre Handwerkskunst erhalten will, beschönigt er nichts: «Nepali arbeiten anders als Schweizer, wenn ich nicht vor Ort bin, läuft gar nichts.» Manchmal werde selbst sein sehr langer Geduldsfaden arg strapaziert.

Die Produktion deswegen in die Schweiz verlegen? «Niemals», schaltet sich Marius zwei Jahre älterer Bruder Fabian ein. «Wir machen das nicht, weil wir unbedingt Skateboards produzieren möchten – das ginge auch einfacher – wir wollen in Nepal etwas aufbauen, das uns Spass macht und der lokalen Bevölkerung hilft.»

Tradition und Innovation

Nach seiner Lehre als Schreiner reiste Marius Arter durch Nepal. War fasziniert von der Schönheit des Landes und zugleich schockiert über die Armut der Bevölkerung. «Nepal hat eine Arbeitslosenquote von fast 40 Prozent.» Und noch etwas störte ihn. Im ganzen Land gab es keine guten Skateboards zu kaufen, dafür sah er an jeder Ecke traditionelle Holzschnitzer.

«Alleine wäre ich mit meiner Vision nicht weit gekommen», sagt Marius. Freunde und Familie liessen sich aber von seiner Idee überzeugen. Grafiker, Informatiker, Marketingexperten und BWL-Studenten gehören heute zum Team von Arniko. Zusätzlich zu den Skateboards bringt Arniko auch eine Kleiderkollektion heraus, produziert in einer kleinen Schneiderei in Nepal und bald auch in Bio-Baumwolle.

Noch arbeiten bei Arniko alle nebenbei und ohne Lohn. «Einfach weil es Spass macht, gemeinsam mit Freunden etwas aufzubauen», sagt Jean-Pierre Carene. Der 24jährige sitzt an diesem Abend mit am Tisch, weil er gerade auf «Shop-Tour» ist. Ausgerüstet mit Arniko-Skateboards und Arniko-T-Shirts klappert er Verkaufsläden ab. «Die Resonanz ist super», schwärmt er. «Den meisten gefallen die Boards sofort, und wenn sie die Geschichte dazu hören sind sie erst recht hin und weg.» Faire-Trade Skateboards aus nachhaltiger Holzproduktion, produziert in Nepal – so etwas habe es noch nie gegeben.

Ziel: Eigene Schreinerei in Nepal

Der Start ist Arniko letzten Sommer gut gelungen. Die erste Kollektion, sowohl von den Skateboards wie auch den Kleidern, hat sich gut verkauft, bereits liegen Bestellungen für den nächsten Produktionsschub vor.

Doch wo steht Arniko in vier Jahren? «Wir wollen damit nicht reich werden», sagt Fabian Arter. «Wenn wir Marius einen rechten Lohn für seine Arbeitszeit in Nepal ausbezahlen können, sind wir zufrieden.» Ein möglicher Gewinn werde sofort investiert, erklärt der Volkswirtschaftstudent. Man wisse auch schon wo und wie. «Wir wollen in Nepal eine eigene Schreinerei aufbauen und vielleicht dereinst sogar Einheimischen eine Schreiner-Ausbildung ermöglichen.» Der nächste Schritt? Noch viele Shop-Touren für Jean-Pierre und eine Reise nach Nepal in zwei Wochen für Marius.





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