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Tagblatt Online, 10. Dezember 2011, 09:24 Uhr

Schikanen im Internet

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Den Mitschüler im Internet blossstellen: Cybermobbing ist auch an den städtischen Oberstufenschulen ein Thema. (Bild: fotolia)

ST.GALLEN. Wenn Facebook zur Hölle wird: Jugendliche werden von Mitschülern vermehrt im Internet gemobbt. Die städtischen Schulen begegnen dem Cybermobbing mit Prävention und Aufklärung.

TOBIAS HÄNNI

fotolia

Hänseleien, Ausgrenzungen und Bedrohungen von Schülern spielen sich heute längst nicht mehr nur auf dem Pausenplatz ab. Immer mehr werden Jugendliche und Kinder im Internet von Gleichaltrigen terrorisiert (Ausgabe vom 7. Dezember). Auch an den städtischen Schulen ist das sogenannte Cybermobbing ein Problem.

Im Netz weniger Hemmungen

«Wir haben immer wieder Jugendliche, die von ihren Mitschülern im Internet gemobbt werden», sagt Andy Prinzing, Leiter der Realschulen Bruggen und Engelwies. Im Gegensatz zu Schikanen in der realen Welt bleibe Cybermobbing oft lange unbemerkt. «Die Betroffenen suchen nicht so schnell Hilfe», sagt Prinzing. Bekämen die Lehrer oder die Schulleitung einen Vorfall mit, werde er in der Regel an die Schulsozialarbeit weitergeleitet. «Im Durchschnitt behandle ich zwei bis vier Fälle von Cybermobbing pro Monat», sagt Barbara Deér von der Schulsozialarbeit Oberstufe Ost. Meist handle es sich um Beschimpfungen und Beleidigungen in sozialen Netzwerken und Chats. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass ein Foto einer Schülerin auf eine Erotikseite hochgeladen worden sei. Im Internet ist die Hemmschwelle laut Deér einiges tiefer als in der realen Welt. «Die Schüler schreiben Dinge, die sie sich nie direkt sagen würden.»

Fahrlässiger Umgang mit Daten

Um Cybermobbing zu unterbinden, gehen die städtischen Oberstufenschulen verschiedene Wege. An den Realschulen Bruggen und Engelwies werden etwa mit allen ersten Klassen Halbtageskurse über Internetsicherheit durchgeführt. «Dabei sprechen wir neben Cybermobbing etwa auch über den Schutz der Privatsphäre», sagt Prinzing. Denn im Internet gingen die Jugendlichen teils äusserst fahrlässig mit ihren Daten um.

Am Oberstufenzentrum Schönau ist die digitale Welt ebenfalls Teil des Lehrplans. Allerdings ist es hier Sache der Lehrpersonen, wie sie das Thema in ihren Unterricht einfliessen lassen. «Die Lehrer machen in diesem Bereich sehr viel», sagt Schulleiter Rolf Breu. Neben Cybermobbing käme etwa auch die Strafbarkeit von Internetinhalten im Bereich von Pornographie oder Gewaltdarstellungen zur Sprache. Mehr als die Schüler aufklären und warnen können die Lehrer aber nicht. «Was sie in ihrer Freizeit im Internet anstellen, können wir nicht kontrollieren», sagt Reto Sprenger, Reallehrer an der Schönau.

Lehrer sensibilisieren

Bis jetzt gibt es für die städtischen Schulen kein einheitliches Konzept, wie sie den Schülern den richtigen Umgang mit dem Internet vermitteln sollen. Christian Crottogini, Leiter des Schulamts, möchte dies ändern: «Für das nächste Jahr ist geplant, dass an jeder Schule ein bis zwei Lehrpersonen fit gemacht werden für die digitale Welt.» Diese sollen den anderen Lehrerinnen und Lehrern als Ansprechpersonen dienen und kompetent Auskunft über die Gefahren im Internet geben. «Die Lehrer sollen noch stärker sensibilisiert werden für die Welten, in denen sich ihre Schüler im Internet bewegen», sagt Crottogini.



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