St.Galler Tagblatt Online, 08. Mai 2012 01:07:00
SBB lehren Anstand im Zug
«Sicher fair:» Die fremdsprachige Anschrift verrät die nationale Ausrichtung des Schulzugs. Vorne Gallus Heuberger von Thurbo. (Bild: Luca Linder)
Die Präventionskampagne «Sicher fair!» im Schulzug der SBB macht zurzeit auf einem Abstellgleis beim Hauptbahnhof halt. Ein spezieller Beitrag betrifft den FC St. Gallen.
FREDI KURTH
Benimmregeln werden rund um die Eisenbahn auf verschiedene Arten missachtet. «Man lässt Bierbecher liegen, geht über Gleise oder klettert auf Bahnwagen», sagt Gallus Heuberger, Leiter Unternehmenskommunikation der Thurbo AG, die die Präventionskampagne «Sicher fair!» unterstützt.
«Auf dem Weg zum Stadion»
Diese soll nun aber junge Menschen zu anständigem Verhalten im öffentlichen Verkehr erziehen und damit helfen, aktuelle Probleme wie Vandalismus, Gewalt, Schwarzfahren oder Littering zu lösen. Der Schulzug der SBB ist noch bis 16. Mai auf einem Abstellgleis neben dem Gaiser Bahnhof stationiert. Ein Wagen ist speziell dem Thema «Auf dem Weg zum Stadion gewidmet». Die Fanarbeit des FC St. Gallen zeigt auf, was Matchbesucher mit korrektem Verhalten zu einem schönen Fussballerlebnis beitragen können. «Prävention gehört zu unserem Auftrag», sagt Thomas Walser von der FC-Fanarbeit. «Das hier ist das erste grosse Projekt.» Ziel sei es, die Zahl der negativen Ereignisse Schritt für Schritt zu vermindern.
Der Wagen ist mit Souvenirartikeln und FCSG-Schaufensterpuppen schmuck ausgestattet. Videobeiträge auf Bildschirmen lassen Anhänger zu Wort kommen. «Ich habe das FC-Logo auf der Brust und im Herzen», meinte einer. «Man sollte nach dem Match mit gegnerischen Fans eins saufen gehen», ein anderer. SBB-Instruktoren fordern im Zug die Jugendlichen aus Schulklassen der Ostschweizer Kantone ebenfalls zu Stellungnahmen auf. An Bedarf im Fanbereich fehlt es nicht, wie Felix Gemperle, regionaler Leiter SBB-Personenverkehr, gestern im Schulzug feststellte: «Die Rückkehr des Fanzugs von Chiasso war am Samstag mit allerhöchsten Schwierigkeiten verbunden.»
Mehr als ein Randthema
Der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth betonte, dass es sich mehr als um ein Randthema handelt und nicht nur auf den Fussball bezogen werden kann: «Fünf Millionen Franken werden aufgrund von Schäden an Rollmaterial und Anlagen der Bahn jährlich ausgegeben. Das ist Geld, das uns an andern Orten fehlt.»
So ist im Schulzug in einem Video-Intro zu sehen, was die Bahnbenützer allgemein bewegt, und wie sich ein von Randalierern malträtiertes Abteil darstellt. Weiter, dass eine Bahnleitung eine Spannung von 15 000 Volt aufweist und schon die Annäherung auf einen Meter tödlich sein kann. Im Multiple-Choice-Verfahren à la Millionen-Spiel können die Schüler zudem ihr Wissen zu den Themen testen.
Der Schulzug ist bereits seit 2003 in der Schweiz unterwegs, besucht von 7000 Schulklassen. Die aktuelle Kampagne in St. Gallen ist bis auf Führungen zu Randstunden ausgebucht. Zusammen mit weitern Massnahmen sei die Zahl der Zwischenfälle in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen, heisst es bei der SBB.
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