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Tagblatt Online, 20. Juli 2012 11:23:00

Rotmonten kämpft gegen Neubau

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Die «Sonne» in Rotmonten soll einer neuen Überbauung weichen. Im Quartier regt sich dagegen Widerstand. Der Quartierverein sieht dadurch das Zentrum geschwächt. (Bild: David Gadze)

ST.GALLEN. Schon länger ist bekannt, dass die «Sonne» in Rotmonten abgerissen werden soll. Jetzt läuft das Auflageverfahren. Der Quartierverein hat gegen die geplante Überbauung Einsprache erhoben. Er wünscht sich ein stärkeres Quartierzentrum.

DAVID GADZE

Seit über 100 Jahren prägt das Restaurant Sonne das Bild des Zentrums von Rotmonten. Nun künden Visiere den Abbruch des Traditionslokals an. Das 1904 errichtete Haus soll einer Überbauung weichen. Auch die Minigolfanlage dahinter wird verschwinden.

Anstelle der «Sonne» sollen vier Häuser mit Eigentumswohnungen entstehen. Geplant ist, dass eines der Häuser vom Altersheim Rotmonten für begleitetes Wohnen gemietet wird. Ältere Menschen sollen dort grösstenteils selbständig wohnen, aber gewisse Dienstleistungen vom Altersheim nutzen können.

Der Quartierverein wehrt sich

Der Quartierverein Rotmonten, der sich bereits an der Jahresversammlung Mitte Mai kritisch zu den Plänen äusserte, hat nun gegen die geplante Überbauung Einsprache erhoben. «Unseres Erachtens verstösst das Projekt gegen die Bauzonenordnung», sagt Quartiervereinspräsident Bernhard Reeb. Dort seien nur zwei- oder dreigeschossige Gebäude erlaubt. Der Überbauungsplan sieht dreigeschossige Häuser mit Attikawohnungen vor.

«Zum laufenden Verfahren können wir nichts sagen», sagt Ernst Michel, Leiter des Amtes für Baubewilligungen. Man werde das Thema in der Baubewilligungskommission behandeln.

Das Quartierzentrum stärken

Neben der Bauzonenkonformität geht es dem Quartierverein auch um die Entwicklung des Quartiers. «Wir wollen nicht in erster Linie die <Sonne> erhalten, sondern streben eine sinnvolle künftige Nutzung des Areals an», sagt Reeb. Das Quartierzentrum müsse gestärkt werden.

Das könne durchaus auch mit einem Neubauprojekt erreicht werden. «Schon jetzt ist nicht alles optimal, aber immerhin hat sich dort über all die Jahre ein Treffpunkt entwickelt.» Die Überbauung genüge jedoch weder aus städtebaulicher noch aus architektonischer Sicht.

Den Gedanken weiterverfolgen

Auch der städtische Richtplan sehe vor, die Quartierzentren zu stärken, sagt Reeb. Mit der neugestalteten Kreuzung bei der «Sonne» habe man dem Platz eine Zentrumsfunktion gegeben. Diesen Gedanken müsse man jetzt weiterverfolgen, statt ihn bei nächster Gelegenheit wieder fallenzulassen. «Statt auf dem eingeschlagenen Weg, geht man jetzt in die falsche Richtung. Denn die Überbauung führt zu einer Schwächung des Quartiers.»

Sowohl die Eigentumswohnungen, die sich laut Reeb «an vermögende, eher ältere Leute richten», als auch das «Alterswohnhaus» würden nicht dazu beitragen, das Quartier zu beleben. «Wenn die Stadt ihren Job gut macht, muss sie sich noch gewisse Überlegungen machen», sagt Reeb.

Auch die Stadt will ein Zentrum

Auch die Stadt sähe es lieber, wenn sich bei der «Sonne» ein belebtes Zentrum entwickeln würde, sagt der städtische Bausekretär Alfred Kömme. «Aber wir können das nicht erzwingen.» Im Zonenplan sei die «Sonne» nicht als Kernzone, sondern als Wohnzone eingetragen. «Und wenn dort ein rechtskonformes Baugesuch eingereicht wird, kann die Stadt nicht vorschreiben, was dieses zu beinhalten hat, sondern muss es bewilligen», sagt der Bausekretär.

Der Richtplan sage zwar auch, dass die jetzige Kernzone beim Schulhaus falsch liege. Dereinst solle sie zur «Sonne» verlegt werden, sagt Kömme. «Wir können in den Quartieren nur gute Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch neugestaltete Plätze oder ein funktionierendes ÖV-Angebot. Aber der Quartierkern muss sich selber entwickeln.»




Leser-Kommentare:
1 Beitrag

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parthenon (22. Juli 2012, 13:14)
Jammerschade!

Rotmonten (alt: Rothmonten) stammt aus dem mittel-lateinischen "rotundus mons" = rundlicher, runder Berg.

Auf jedem Berg, den Menschen gerne besteigen, soll ein Berggasthaus sein als Ort der Begegnung, der Geselligkeit, der "Vernetzung". Die "Sonne" war ein solcher Ort, wo auf verblüffende Weise schichtenunabhängig sich Menschen trafen, um ihr Rotmonten zu leben, um sich zu begegnen.

Wenn ihr "Rotmöntler" auf einen valablen Ersatz für die alte "Sonne" verzichtet, so reisst ihr Euch selbst das Herz aus der Brust.

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