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Tagblatt Online
10. März 2016, 06:47 Uhr

Poesie «am Arsch der Welt»

Heute wird in der Militärkantine zum letzten Mal Icon Poet gespielt. Die Veranstaltungsreihe geht verfrüht in die Pause – die Zuschauer blieben aus. Möglicherweise liegt das am Standort St. Gallen.

KATHRIN REIMANN

Fünf gewürfelte Icons, ein vorgegebenes Szenario und 180 Sekunden Zeit, sich eine Kurzgeschichte auszudenken – das ist Icon Poet. Das Spiel der Gebrüder Frei kann man zu Hause spielen, monatlich das entsprechende Rätsel im «NZZ Folio» lösen, oder man kann es live – gespielt von prominenten Gästen – auf der Bühne verfolgen. Im Cabaret Voltaire in Zürich, im «Progr» in Bern oder in der Militärkantine in St. Gallen.

Grosse Namen meiden Provinz

In der Ostschweiz wird es heute, 20 Uhr, zum letzten Mal gespielt. Zumindest vorerst, wie Moderator Etrit Hasler erklärt. «Es ist eine finanzielle Frage, ob es weiterhin stattfinden wird.» Bisher habe es zu wenig Zuschauer angelockt und sich nicht rentiert. «Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen, wir werden über die Bücher gehen.» Ein Grund dafür, dass die Besucherscharen ausblieben, sei der Standort. «St. Gallen hat ein Standortproblem: Die grossen Namen wie Victor Giacobbo, Emil oder Patrick Frey kamen zwar nach Bern und Zürich, nach St. Gallen schafften sie es aber nicht: Es liegt für sie <am Arsch der Welt>.» Und so hätten die Hochkaräter lieber abgesagt, als mehrere Stunden Hin- und Rückfahrt in die Provinz auf sich nehmen zu müssen.

Trotzdem: Seit Icon Poet in St. Gallen durchgeführt wird, kann der Anlass auf eine Anzahl namhafter Gäste zurückblicken: Charles Lewinsky, Hazel Brugger, Steffe la Cheffe, der Rapper Greis oder auch Renato Kaiser.

Heute abend sind die freie Autorin Suzanne Zahnd, Schauspieler Romeo Meyer, Poetry-Slammer Pierre Lippuner und Regisseur Paul Steinmann zu Gast und schauen, wer der beste Icon Poet ist. Wohl auch heute Abend nicht vor ausverkauften Rängen.

Anreiz für Prominente schaffen

«In den anderen Städten funktioniert Icon Poet», sagt Hasler und ist überzeugt, dass es auch machbar wäre, den Anlass hier populär zu machen. «Ich könnte mir vorstellen, dass die Standortförderung der Stadt den Künstlern zusätzlichen Anreiz verschafft.» Er denkt dabei an eine Freikarte für das Theater oder an eine Übernachtung in einem Hotel. Denn alle Künstler, die einmal St. Gallen besuchten, seien wiedergekommen. «Man muss sie nur erst hierhin bekommen.»

Auch für den Icon-Poet-Miterfinder Lukas Frei ist klar: «Wir wollen um jeden Preis, dass der Anlass auch nächstes Jahr stattfindet.» Der heutige Anlass ist von den Veranstaltern selber finanziert, eigentlich hätte es noch bis im April weitergehen sollen. Frei hofft nun, dass die letzte Veranstaltung nochmals viele Besucher anziehen kann.

Icon Poet, heute Donnerstag, 20 Uhr, Militärkantine


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