Tagblatt Online, 26. Juli 2012 06:51:00
Neue Chauffeure für die VBSG
Dank neuem Fahrpersonal wollen die St. Galler Verkehrsbetriebe die in den vergangenen Jahren angehäuften Zeitsaldi wieder abbauen. (Bild: Archivbild: Hannes Thalmann)
Bei den St. Galler Verkehrsbetrieben hat sich in den letzten Jahren ein grosser Zeitsaldo angehäuft. Um diesen abzubauen, werden 42,5 neue Stellen geschaffen, 17 davon temporär. Hauptgrund sind zu optimistische Berechnungen.
DAVID GADZE
Die Chauffeure der VBSG haben gemäss Mitteilung in den letzten Jahren einen Zeitsaldo von rund 53 000 Arbeitsstunden eingefahren. Um diesen abzubauen, müssen insgesamt 42,5 neue Stellen geschaffen werden. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eine davon ist das Wachstum der VBSG in den vergangenen Jahren. Neue Linien, Taktverdichtungen und der damit verbundene Ausbau der Busflotte brachten die Verkehrsbetriebe insbesondere personell an den Rand der Kapazitäten.
Überholte Erfahrungswerte
In den letzten fünf Jahren habe man die Leistungen «massiv ausgebaut», sei bei der Anstellung neuer Mitarbeiter jedoch hinterhergehinkt, sagt Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. «Doch das Hauptproblem war, dass die Annahmen über die Verfügbarkeit des Fahrpersonals zu optimistisch beziehungsweise veraltet waren.» Diese Annahmen würden auf verschiedenen Grundlagen beruhen, so auch auf Berechnungsvorgaben des Bundesamtes für Verkehr. Aus dem Fahrplan lasse sich ableiten, wie viele Personalstunden insgesamt benötigt werden. Anhand der Anzahl Stunden, an denen Mitarbeitende durchschnittlich für den Fahrdienst verfügbar sind, könne dann der Personalbedarf ermittelt werden. Diese Verfügbarkeitszeit könne man jedoch nur schätzen.
Die ungenauen Annahmen allein wären jedoch nicht so schlimm gewesen, hätte man genügend Personal einplanen können, um die Lücken wieder zu schliessen, sagt Eigenmann. Die personelle Aufstockung sei deshalb dringend nötig gewesen: «Wir hatten teilweise zu wenig Chauffeure, um spontane Sondereinsätze zu leisten oder Extrafahrten zu übernehmen. Bei ungeplanten Personalausfällen konnten wir den Fahrplan nur noch knapp einhalten.»
Ein weiterer Grund dafür sei, dass im Laufe der Jahre durch die Technisierung der Fahrzeuge neue Aufgaben entstanden sind, beispielsweise bei der Betreuung von Bordrechnern oder der dynamischen Fahrgastinformation, aber auch beim Kontrollpersonal oder in der Ausbildung neuer Chauffeure. «Durch diese Funktionsverschiebungen in der Belegschaft standen dem Fahrdienst rund zehn Stellen nicht zur Verfügung», sagt Eigenmann.
Diskrepanz zwischen Wünschen
Auch die Umläufe der Busse – also die Zeit, die ein Bus braucht, um von A nach B und zurück zu gelangen – seien sehr knapp berechnet gewesen, was oft zu Verspätungen geführt habe. «Dort spüren wir den Druck jedoch unabhängig vom Personalbestand. Denn die Umläufe so zu planen, dass sie für die Mitarbeiter erträglich und für den Besteller noch zahlbar sind, ist immer ein schmaler Grat», sagt Eigenmann. Man könne nur das planen und fahren, was der Besteller, also die Stadt, der Kanton und der Bund, auch zu zahlen bereit sei.
Hinzu komme, dass die Chauffeurzulassungsverordnung seit einigen Jahren vorschreibe, jeder Mitarbeiter des Fahrdienstes müsse sich innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren während 35 Stunden weiterbilden lassen. «Diese Zeit stellen wir unserem Personal zur Verfügung.»
25,5 neue, 17 temporäre Stellen
Obwohl sich die Zahl der Vollzeitstellen im Fahrdienst seit 2006 von rund 140 auf 202 erhöht hat, haben die VBSG zu wenig Personal. Deshalb muss die Zahl der Stellen um 25,5 auf insgesamt 265,5 erhöht werden. Um die Zeitsaldi möglichst bald abzubauen, kommt zudem eine temporäre Aufstockung um 17 Stellen hinzu. Diese sollen nach zwei bis drei Jahren über die natürliche Fluktuation wieder abgebaut werden.
Finanziert werden sie über die Auflösung von Rückstellungen. «Die Überstunden auszuzahlen wäre wegen des Zuschlags von 25 Prozent teurer, als neue Stellen zu schaffen», sagt Eigenmann. Für den Abbau durch Zeitkompensationen brauche man genügend Personal. Die Kosten für die 25,5 neuen Stellen sind in den Betriebsbudgets der kommenden Jahre bereits vorgesehen.
Neue Rampe als Teil der Lösung
Neben Verbesserungen bei den Betriebsabläufen, etwa bei der Wasch- oder der Tankanlage, erwartet Ralf Eigenmann auch von der neuen Rampe zum Depot, die seit gut einer Woche in Betrieb ist, eine Entspannung. Dank der dreispurigen Zufahrt kann die Abfertigung der Busse beschleunigt werden, was Rückstaus und somit weitere Zeitsaldi verhindern soll.
- Artikel empfehlen:










Kommentar lesen
adolfk31 (26. Juli 2012, 07:49)
Wird die ...
Halbe Stelle an einen geschlechtlich nicht einfach erkennbaren Menschen delegiert ?
Beitrag kommentierenKommentar schreiben