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Tagblatt Online
15. Februar 2016, 07:12 Uhr

Natur, die Technik beflügelt

Die Boje der Natur: Die Wasserhyazinthe. Zoom

Die Boje der Natur: Die Wasserhyazinthe. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Das Jahresprogramm des Botanischen Gartens steht im Zeichen der Bionik – der Wissenschaft, die Technik und Natur zusammenfasst. Eine Sonderpflanzung zeigt ab April solche Beispiele.

KATHRIN REIMANN

ST.GALLEN. Georges de Mestral, ein Schweizer Ingenieur, ging oft mit seinem Hund in der Natur spazieren. Immer wieder blieben dabei Früchte der Grossen Klette im Fell des Vierbeiners hängen, diese legte de Mestral unters Mikroskop, entdeckte winzige Häkchen und übertrug diese auf Stoff. Der Rest ist Geschichte und unter dem Namen Klettverschluss bekannt.

Auch die Brennnessel inspirierte einen Erfinder, und zwar zur Injektionsspritze. Ohne die Wasserhyazinthe wäre wohl die Wasserboje nicht entstanden, genau so wenig wie der Wäscheständer «Stewi» und zahlreiche weitere Erfindungen.

Eine Spiralfeder in Grün: Die Ranke der Passionsfrucht. Zoom

Eine Spiralfeder in Grün: Die Ranke der Passionsfrucht.
(Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Sonderpflanzung als Zugabe

Bionik nennt sich diese Verbindung aus Biologie und Technik. Ein Thema, welches bereits den Universalgelehrten Leonardo da Vinci beschäftigte und welches das diesjährige Programm des Botanischen Gartens prägt. «Dazu zeigen wir eine Ausstellung, veröffentlichen einen Katalog und legen eine Sonderpflanzung an», erklärt der Leiter des Botanischen Garten, Hanspeter Schumacher. Einige dieser beflügelnden Pflanzen wachsen bereits im Botanischen Garten, insbesondere im Tropenhaus. Dort zeigt Schumacher etwa die faszinierenden, wasserabweisenden Blätter der Lotusblume, welche die Imprägniertechnik prägten, die Ranken der Passionsblume sehen wie Spiralfedern aus und die Blätter der Panamapalme haben die Wellblech-Technik inspiriert.

Hanspeter Schumacher Leiter Botanischer Garten Zoom

Hanspeter Schumacher Leiter Botanischer Garten
(Bild: Peer Füglistaller)

Ausstellung über Knospen

Die Ausstellung «Abgeschaut und nachgebaut. Natur beflügelt Technik» übernimmt der Botanische Garten vom Wildnispark Zürich, reichert sie aber mit eigenen Beiträgen an, wie Schumacher erklärt. Sie wird vom 29. Mai bis zum 9. Oktober täglich von 8 bis 17 Uhr zugänglich sein. «Der Auftakt dazu findet bereits an unserer öffentlichen Hauptversammlung vom 18. Februar statt.» Dort wird der emeritierte Professor Bernd Hill aus Deutschland zum Thema Bionik referieren. «Das kommt einem echten Glücksfall gleich», so Schumacher, der verspricht, dass im Botanischen Garten 2016 «ein bunter Strauss» an weiteren Themen behandelt werde.

Einerseits im Rahmen der Monatsführungen, Kursen, Lesungen, einem Gartenfest, vielen Gästen und Vorträgen, andererseits in Form einer kleinen Ausstellung zum Thema Knospen. «In einer Knospe ist der Ast mit jedem Blatt schon da, er muss nur noch auseinandergezogen werden, quasi wie eine Teleskopstange», sagt Schumacher.

Profitieren vom Naturmuseum

Diese faszinierende Ausstellung werde man bereits früher als angekündigt durchführen, um sie gleichzeitig zur Eröffnung des neuen Naturmuseums am 12. November präsentieren zu können. «Wir freuen uns auf den neuen Nachbarn», sagt Schumacher, der nicht nur überzeugt ist, dass die Nähe beiden mehr Publikum einbringt, sondern auch einen fachlichen Austausch und gute Zusammenarbeit ermöglicht. «Wir werden uns sicher nicht gegenseitig die Schau stehlen», sagt Schumacher.



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