Tagblatt Online, 27. Januar 2009 01:03:38
Mit High-Tech ins Mittelalter
Mittelalterliche Handschriften der St. Galler Stiftsbibliothek werden digitalisiert und im Internet kostenlos zur Verfügung gestellt. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
250 mittelalterliche Handschriften werden digitalisiert und damit online zugänglich. Die Stiftsbibliothek St. Gallen wird zum Schweizer Digitalisierungszentrum.
St. Gallen. Interessierte Leser können zurzeit über 250 mittelalterliche Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen online lesen. Bis Ende 2009 sollen zudem alle 355 Handschriften, die vor dem Jahr 1000 geschrieben wurden, in die virtuelle Bibliothek aufgenommen werden. Die die Stiftsbibliothek und die Universität Freiburg stellten das Projekt gestern vor.
Die Universität Freiburg hatte in einem Pilotprojekt von Januar 2005 bis Dezember 2006 bereits 130 mittelalterliche Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen digitalisiert. Das Nachfolgeprojekt E-Codices hat zum Ziel, die mittelalterlichen Handschriften der Schweiz durch eine virtuelle Bibliothek zu erschliessen. Teil des Projektes ist die weitere Erfassung der Handschriften der Stiftsbibliothek, die mit ihren 2100 Handschriften zu den ältesten und bedeutendsten Handschriftenbibliotheken der Welt gehört.
Aus der Zeit vor dem Jahr 1000
Die Hälfte der Codices stammt aus dem Mittelalter, und davon wurden rund 400 Bände in der Zeit vor dem Jahr 1000 geschrieben. Bisher wurden 250 Handschriften vollständig digital reproduziert, mit aktuellen wissenschaftlichen Beschreibungen verknüpft und in einer neuen Webanwendung der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt. Dank der Unterstützung der Andrew W. Mellon Foundation in New York sollen bis Ende 2009 weiter jene Handschriften erfasst werden, die vor dem Jahr 1000 geschrieben wurden.
Ebenfalls digital verfügbar sind die im Rahmen der Kompromisslösung im «Kulturgüterstreit» mit Zürich als Dauerleihgaben an die Stiftsbibliothek zurückgegebenen Handschriften.
Keine Massendigitalisierung
Die schonende Digitalisierung von Handschriften ist keine Massendigitalisierung. Die Belastungen der Kulturgüter müssten auf ein Mass begrenzt bleiben, das unter einer durchschnittlichen Benützung liege. Das Digitalisierungsatelier verfügt über zwei Spezialkameratische und ein geschultes Fotografenteam. Bibliotheken aus der gesamten Schweiz nutzten dieses Kompetenzzentrum. (ap) thema 3
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