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Tagblatt Online, 03. September 2008 01:05:30

Migration hat Tradition

Die Woche der Migrantinnen und Migranten wirbt für mehr Menschlichkeit

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Migration als Bereicherung: Regula Badertscher und Andreas Nufer wollen die Vielfalt der solidarischen Bewegungen sichtbar machen. (Bild: Bild: Hannes Thalmann)

Dem Wort Migration haftet meist eine Problemperspektive an. Während einer Woche zeigen viele Veranstaltungen, dass Migration eine Bereicherung für alle sein kann.

Claudia Schmid

Filmvorführungen im KinoK, Kulturabende, Kindernachmittage, Diskussionen und Gespräche mit Nothilfebezügern, ein Begegnungsfest und ein interreligiöses Gebet: Das Programm der Woche mit Migrantinnen und Migranten, die vom 8. bis 14. September in verschiedenen Quartieren und Lokalitäten der Stadt stattfindet, ist vielfältig und abwechslungsreich.

Alle Veranstaltungen haben das gemeinsame Ziel, den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Reichtum aufzuzeigen, den die Immigration der Schweiz gebracht hat.

Mit Respekt begegnen

Die Woche mit Migrantinnen und Migranten ist eine schweizweite Aktion. In St. Gallen sind es zahlreiche im Migrations- und Asylbereich tätige Organisationen und Personen, die mit einem Anlass zur Aktionswoche beitragen.

Könnten Migranten am gesellschaftlichen Leben teilhaben, gebe es sehr viel weniger Probleme, begründete gestern an einer Presseorientierung Sait Uzun von der Stimme der Migrantenvereine sein Engagement. Migration sei ein Teil unserer Gesellschaft. Ohne die Arbeit vieler Ausländerinnen und Ausländer würden weder Spitäler noch Altersheime oder Restaurantbetriebe funktionieren.

Sie empfinde die Schweiz als friedliches Land, in dem man den Respekt hoch halte, betonte Slavica Juric vom Ausschuss für Integration. Die Aktionswoche wolle dazu beitragen, dass es so bleibe. «Wir können nicht alle gleich sein, uns aber gegenseitig respektieren.» Damit Ausländerinnen und Ausländer partizipieren könnten, müsse ihnen diese Chance auch gegeben werden, ergänzte Gurdeep Singh Kundan von der Stimme der Migrantenvereine.

Menschenwürdig handeln

Die Woche der Migranten wolle die Vielfalt der solidarischen Bewegungen sichtbar machen, erklärten Regula Badertscher und Andreas Nufer vom Solidaritätsnetz Ostschweiz. Dabei gehe es nicht darum, die Probleme zu negieren. Ein anderer Blick auf das Thema Migration zeige aber, dass der aktuelle Friede und Wohlstand in der Schweiz ohne die Zuwanderung nicht möglich gewesen wäre. Man wisse längst, dass Migration Tradition habe. Auch Schweizerinnen und Schweizer seien in der Vergangenheit aufgrund von Hunger und Armut ausgewandert.

Speziell angesprochen wurde an der Presseorientierung die schwierige Situation der Menschen mit einem abgewiesenen Asylgesuch oder einem Nicht-Eintretensentscheid. Arnaud Ngmara aus Burundi, Omar Bakri aus Sudan und Jean-Bosco aus Kongo erzählten, wie sie trotz jahrelangem Aufenthalt in der Schweiz und hängigem Härtefallgesuch ihre Arbeitsstellen und Wohnungen aufgeben mussten und nun von der Nothilfe unter dem Existenzminimum leben.

Arnaud Ngmara habe seine Anlehre mitten in der Ausbildung abbrechen müssen, erzählte Andreas Frank, Leiter der Projektwerkstatt. Weil er viel Unterstützung von der Berufsschule in Buchs erfahre, könne er glücklicherweise bis zum Entscheid des Härtefallgesuches den Schulunterricht besuchen.

Programm auf www.ohneuns.ch




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