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Tagblatt Online
17. März 2016, 07:09 Uhr

Lena hat einen guten Riecher

Labrador Retriever Lena sitzt inmitten der vielen Spielsachen, die sie auf ihren Spaziergängen bei den Drei Weieren findet. Zoom

Labrador Retriever Lena sitzt inmitten der vielen Spielsachen, die sie auf ihren Spaziergängen bei den Drei Weieren findet. (Bild: Benjamin Manser)

Jeden Morgen geht Helén Bosshard-Ryder mit ihrem Labrador Retriever Lena bei den Drei Weieren spazieren. Dort findet der ausgebildete Suchhund Bälle, Ringe und Schnüre – und darf das Spielzeug nach Hause mitnehmen.

KATHARINA BRENNER

ST.GALLEN. Lenas aktuellste Trophäe ist ein Nuggi. Der Labrador Retriever – schwarz mit kurzem glänzendem Fell, um die Schnauze schon etwas ergraut – hat ihn bei den Drei Weieren gefunden. Auf den einstündigen Spaziergängen am Morgen darf Lena nach Hause mitnehmen, was sie auf dem Weg, auf der Wiese oder im Wasser findet. Sie bringt es in die Altbauwohnung in St. Georgen, wo sie mit ihrer Mutter Flicka und dem Ehepaar Helén und Werner Bosshard-Ryder lebt. Flicka heisst auf Schwedisch «Mädchen». Helén Bosshard-Ryder kommt ursprünglich aus Schweden, seit über 50 Jahren lebt sie in der Schweiz.

Zwei Tage lang interessant

Das Ehepaar sammelt Lenas Fundstücke in einer lilafarbenen Kiste. Einige Bälle drohen herauszupurzeln, so viel ist in den vergangenen zwei Jahren zusammengekommen. «Das neue Spielzeug interessiert Lena in der Regel zwei Tage lang», sagt Helén Bosshard-Ryder. Dann kommt es in die Kiste zu den anderen Bällen, Ringen und Schnüren. Schon als sie klein war, habe Lena alles Mögliche herbeigetragen. Heute ist sie siebeneinhalb Jahre alt, ihre Mutter Flicka, die sich für das Sammeln von Liegengelassenem nicht so sehr begeistern kann, ist 13,5.

Ausgebildete Such- und Sanitätshunde sind aber beide. Das dürfte der Grund sein, weshalb Lena findet, was andere Hunde verlieren, sagt Helén Bosshard-Ryder. Sie hat Lena und Flicka ausgebildet. Und seit mehreren Jahrzehnten bringt die 75-Jährige anderen Hundehaltern bei, wie das geht. Lena nimmt auch an Wettbewerben teil. Im vergangenen Jahr ist sie Fünfte geworden bei der Schweizer Meisterschaft für Sanitätshunde. Unterwerfung – Befehle wie «Sitz!», «Platz!» und «Halten!» – ist dabei zentral. Sie arbeite gerne mit Labrador Retrievern, sagt Helén Bosshard-Ryder. «Es sind die besten Hunde – mittelgross, kurzhaarig, nie aggressiv und sehr sanft.»

Die Hunde sammeln Golfbälle

Lena sucht nicht nur Spielzeug, sie sammelt auch Golfbälle ein. Flicka hilft ihr dabei. Wenn Werner Bosshard-Ryder golfen geht, nimmt er die Hunde mit. Auf den Platz dürfen sie nicht – sollen sie auch gar nicht. Ihre Aufgabe ist es, in der Gegend um den Golfplatz nach Bällen zu suchen. «Es ist unglaublich, was für eine Nase sie haben», sagt der 84-Jährige. Mittlerweile würden Flicka und Lena alle Golfplätze in der Ostschweiz kennen. Sie wüssten genau, in welchem Gestrüpp Bälle liegen, die zu weit geflogen sind. Nachdem die Hunde sie zusammengetragen haben, säubert Werner Bosshard-Ryder die Bälle und schenkt sie anderen Spielern.

Viele würden ihn fragen, wie er die Hunde dazu bringe. «Das ist ganz einfach», antwortet er dann. Er habe vor einigen Jahren ein paar Golfbälle in einer Wiese versteckt und die Hunde aufgefordert, sie zurückzubringen. Sie seien erst zurückgewichen, hätten dann aber gehorcht und zur Belohnung ein Leckerli bekommen. «Das Suchtraining hat keine fünf Minuten gedauert.»

Fotografieren mit Leckerli

Mit dem Fotografieren sei es dasselbe gewesen. Wenn er am Nachmittag mit den Hunden spazieren geht, hat Werner Bosshard-Ryder oft seine Kamera dabei. Anfangs seien Flicka und Lena jedesmal unruhig geworden, wenn sie für ein Foto anhielten. Heute, mit der Aufsicht auf Leckerli, würden sie artig Sitz machen. Die fordern sie auch ein, sobald Bosshard-Ryder seine Kamera wieder einpackt.

«Um gezielt etwas zu machen, brauchen Hunde eine Belohnung», sagt seine Frau Helén. Für die Spielsachen, die Lena bei den Drei Weieren findet, bekommt sie indes nichts. Eine weitere Trophäe für ihre Sammlung scheint Lena Motivation und Belohnung genug zu sein.



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