Tagblatt Online, 09. Februar 2012 01:05:00
Kampf der Kafimacher
Trainingseinheit: Der St. Galler Barista Bruno Trepp übt an der Maschine, scharf beobachtet von Barista-Lehrer André Kissling. (Bild: Urs Bucher)
Ein Barista ist besessen von der Suche nach dem perfekten Kaffee. Die Besten der Kafimacher messen sich dieses Wochenende in St. Gallen – und trainieren dafür wie Spitzensportler.
URS-PETER ZWINGLI
«Momentan trainiere ich pro Woche 15 Stunden an der Kaffeemaschine», sagt Michel Jüngling. Und jetzt, wenige Tage vor der 13. Schweizer Barista-Meisterschaft, wird Jüngling, Kaffeehändler aus St. Gallen, langsam nervös. «Ich will meinen Titel verteidigen. Aber natürlich stehe ich unter viel höherem Druck als noch im letzten Jahr.» Damals hatte Jüngling mit einem Exploit an seiner ersten Meisterschaftsteilnahme gleich vierfaches Gold geholt.
Es braucht Besessenheit
Das zu wiederholen, dürfte schwierig werden: Topfitte Konkurrenz aus der ganzen Schweiz reist an, um sich dieses Wochenende an der Kaffeemaschine zu messen (siehe Kasten).
Auch in Rorschach trainiert ein Team in der Barista-Schule von Kaffeemaschinenimporteur André Kissling auf den Wettkampf hin. Zweimal pro Woche, oft bis Mitternacht, feilen die Baristas an ihren Programmen. «Man muss schon besessen sein als Barista», sagt Kissling, der den Wettkampf in St. Gallen organisiert.
12 Kafi in 15 Minuten
Denn ein Barista (italienisch für Barkeeper) muss nicht «nur» Kaffee machen: Im Vorfeld sucht er monatelang nach seiner Wettkampf-Mischung, probiert dabei Hunderte Tassen Kaffee.
Am Wettkampftag dann muss er daraus in einer Viertelstunde vier Espressi, vier Cappuccini und vier Eigenkreationen (sogenannte «Signature Drinks») zubereiten. Die Arbeit mit Milchschäumer und Maschine soll zudem in eine Art Choreographie mit Musik eingebettet werden. Und nicht zuletzt muss der Barista die siebenköpfige Jury mit Infos zu seinem Kaffee versorgen und ihnen «ein guter Gastgeber» sein, wie Barista-Lehrer Kissling sagt.
Neben der Barista-Kategorie, die als Königsdisziplin gilt, werden auch die Kategorien Latte-Art und Cup-Tasting ausgetragen. Die Besten in ihrer Kategorie können die Schweiz dann im Juni an der Barista-WM in Wien vertreten.
Kaffee steht über allem
Mit Heimvorteil tritt auch der St. Galler Bruno Trepp an. Er nimmt zum ersten Mal an den Barista-Meisterschaften teil und trainiert wöchentlich bis zu neun Stunden. «Ich hoffe auf einen Finaleinzug», sagt er. Doch er könnte sich auch für einen anderen Gewinner freuen: «Schliesslich ist nur eines wichtig: der perfekte Kaffee.»
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