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Tagblatt Online
8. Januar 2016, 06:31 Uhr

Hühnerdieb aus der Lachen

ST.GALLEN. Im Lachen-Quartier lebt ein besonderer Fuchs. Er scheint sich nicht vor den Menschen zu fürchten. Dies ermöglicht spannende Beobachtungen, ist für den Fuchs aber gefährlich.

RUTH FRISCHKNECHT

Ein Fuchs mit dickem Winterfell und schwarzem buschigen Schwanz geht in der Lachen um. Er streift am Tag und in der Nacht durch das Quartier, lässt sich mal am Isenringweg, mal auf der Sömmerliwiese blicken. Der Lachner Meister Reinecke ist im Quartier bekannt und ein Gesprächsthema: «Obwohl ich ihm selbst noch nie begegnet bin, habe ich schon einige Geschichten über ihn gehört», sagt eine Frau aus der Lachen. Eine andere Bewohnerin fügt an: «Der Fuchs gehört schon fast zum Quartier. Seine fehlende Scheu vor den Menschen ermöglicht faszinierende Begegnungen.» Manchmal legt sich der Fuchs gar mitten in der Wohnsiedlung auf die Lauer.

Ein spannendes Tier

«Im Dezember hat uns der Fuchs die letzten zwei Hühner aus dem Stall gestohlen. Wir haben ihn auf frischer Tat ertappt», sagt eine Quartierbewohnerin. Er sei oft im Garten zu Besuch gewesen und habe den Stall beobachtet. Auf die Versuche, ihn mit Lärm und Licht zu vertreiben, habe er nicht reagiert. «Dass der Fuchs uns die Hühner gestohlen hat, gehört zum Lauf der Natur. Aber wir sind traurig, dass die Hühner nun nicht mehr da sind.» Zum Unbehagen über den frechen Fuchs habe sich Neugier gesellt. «Es ist spannend, ein wildes Tier aus der Nähe und sogar auf der Jagd beobachten zu können», sagt die Frau aus dem Lachen-Quartier.

Keine Gefahr für den Menschen

Nicht nur im Quartier, sondern sogar bei der Polizei kennt man den Fuchs: «Wir beobachten ihn seit einiger Zeit. Er sieht gesund aus und ist gut genährt», sagt Peter Baumann, Leiter Tierschutz und Wildtiere bei der Stadtpolizei. Dass Füchse kleinere Tiere stehlen, gehöre zu ihrem normalen Verhalten. Katzen oder Hunde kommen als Beute aber nicht in Frage. «Der Fuchs greift nur Tiere an, von denen er wenig Gegenwehr erwartet.» Auch dem Menschen wird der Fuchs nicht gefährlich, «ausser jemand versucht ihn zu füttern. Dann kann er nach der Hand schnappen.» Krankheiten wie die Tollwut übertrage der Fuchs nicht mehr. Vorsicht ist jedoch vor dem Fuchsbandwurm geboten. «Wir raten, Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten gut zu waschen», sagt Baumann.

Vorsicht mit Abfall und Kompost

Der Fuchs hat die Stadt längst als Lebensraum erobert. «In den meisten St. Galler Quartieren streifen heutzutage Füchse umher, allerdings meist nachts. So bleiben sie vom Menschen oft unbemerkt», sagt der Polizist. Die Stadt bietet den Füchsen ein grosses Nahrungsangebot. Sie bedienen sich an Abfallsäcken, Komposthaufen, herumliegenden Essensresten, Früchten oder Katzenfutter. «Wir empfehlen deshalb, die Kehrichtsäcke erst am Abfuhrtag vor das Haus zu stellen, die Haustiere im Haus zu füttern und den Kompost immer abzudecken», sagt Baumann.

Den Fuchs verscheuchen

Wenn sich trotz dieser Massnahmen ein Fuchs wiederholt im Garten aufhalte, könne man ihn vergrämen. «Das funktioniert meist mit lauten Geräuschen und Wasser. Den Fuchs mit Steinen zu bewerfen ist hingegen keine gute Methode, weil sich das Tier verletzen könnte.»

Hie und da komme es aber vor, dass Füchse – wie etwa jener in der Lachen – die Scheu vor dem Menschen verlieren, sich bis auf wenige Meter nähern und auch tagsüber unterwegs sind. «Das entspricht nicht mehr dem normalen Verhaltensmuster des Tieres», sagt Baumann.

Der für die Wildtiere zuständige Stadtpolizist vermutet, dass der Fuchs gefüttert wurde oder gar noch wird. «Wenn Füchse Futter von Menschen erhalten, verlieren sie die Scheu. Deshalb gilt: Wildtiere niemals füttern.» Denn falls sich ein Fuchs wiederholt nicht vergrämen lasse, müsse er erlegt werden.



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