Tagblatt Online, 12. Mai 2012 09:40:00
Hotelier kauft Kindergarten
Drei Liegenschaften, ein Hotel? Ehemaliges Hotel Ekkehard, Schwalbenstrasse 7 und Florastrasse 5 (von links) vom Innenhof her gesehen. (Bild: Archivbild: Michel Canonica)
ST.GALLEN. Seit fast vier Jahren steht das Hotel Ekkehard leer. Investor Urs Peter Koller hat Mühe, seine Erweiterungspläne umzusetzen. Nun kauft er der Stadt den benachbarten Kindergarten ab.
ODILIA HILLER
Die Spatzen hatten es schon seit einiger Zeit von den Dächern gepfiffen: Investor und Hotelier Urs Peter Koller hegt neue Ausbaupläne für das ehemalige Hotel Ekkehard. Seine Absichten gehen nun in Richtung Südseite des ehrwürdigen Hotels, das seit bald vier Jahren im Tiefschlaf liegt.
Kaufvertrag mit Auflagen
Erstes sichtbares Anzeichen ist ein Hauskauf: Kollers Ekkehard Immobilien AG kauft der Stadt den ehemaligen städtischen Kindergarten an der Florastrasse 5 ab. Der Stadtrat hat dem Kaufvertrag am Dienstag zugestimmt.
Darin sind allerdings einige Auflagen enthalten, wie Stadträtin und Baudirektorin Elisabeth Beéry auf Anfrage bestätigt. Der Käufer verpflichte sich, die erworbene Liegenschaft ausschliesslich zum Zweck eines Hotelbaus zu nutzen. Zudem tritt der Kaufvertrag erst in Kraft, wenn der Käuferschaft eine rechtskräftige Baubewilligung für ein Hotelprojekt vorliegt, das auch die dazwischen liegende Liegenschaft Schwalbenstrasse 7 einbezieht. Hier dürfte momentan der grösste Haken liegen.
Die Schwalbenstrasse 7, ein Mehrfamilienhaus, gehört einem Privateigentümer, der keinerlei Verkaufsabsichten hegt. Schon auf ein früheres Angebot des Hoteliers, das sich vor allem auf den Innenhof bezogen hatte, war er nicht eingegangen und hatte die Verhandlungen abgebrochen.
«Seither haben wir nie mehr etwas von der Ekkehard-Seite gehört», sagt Emil Nisple, Anwalt des Eigentümers, auf Anfrage. Man sei damals nicht zum vornherein abgeneigt gewesen und wollte mit sich reden lassen. Doch die angebotene Entschädigung sei «einfach jenseits» gewesen. Seinem Mandanten sei es jedoch zu keinem Zeitpunkt ums Geld gegangen, sagt der Anwalt. Vielmehr habe er «menschliche und moralische Verpflichtungen» in Bezug auf diese Liegenschaft, denen er «vorbildlich» nachkomme.
Kein Recht auf Enteignung
Er könne sich kaum vorstellen, dass sein Mandant davon abrücke und schätze ihn als «verhältnismässig resistent» gegen Druckversuche, von wem auch immer, ein. «Es ist immer das Risiko des Bauherrn, dass so etwas passiert.» Immerhin gebe es in unserem Land kein Recht auf Enteignung.
Dies bestätigt auch die Baudirektorin: «Wir unterstützen dieses Hotelprojekt ideell, weil wir denken, dass es Sinn macht.» Niemand aber könne einen privaten Eigentümer zum Verkauf einer Liegenschaft zwingen. Sie habe auch nicht vor, hier etwelchen Einfluss auszuüben. «Ich wüsste nicht, was das bringen sollte.»
Investor Koller machte nach dem Kauf des «Ekkehards» im Jahr 2008 schnell klar, dass ein neues Hotelprojekt für ihn nur mit einer Erweiterung Sinn mache. Für einen rentablen Betrieb brauche das neue Hotel mindestens 100 Betten, hiess es damals. Der vermögende ehemalige HRS-Inhaber zieht auch im Hotel Radisson Blu, beim Olma-Hotel-Projekt sowie beim Hotelbetrieb der künftigen Oberwaid die Fäden im Hintergrund. Über die Details der neuen Ekkehard-Pläne hält er sich noch bedeckt.
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