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Tagblatt Online
12. Januar 2016, 02:40 Uhr

Heini Seger übernimmt

Nach elf Jahren im Stadtparlament wird Heini Seger (SVP) heute zum Ratspräsidenten 2016 gewählt. Zoom

Nach elf Jahren im Stadtparlament wird Heini Seger (SVP) heute zum Ratspräsidenten 2016 gewählt. (Bild: Urs Bucher)

Heute wählt das Stadtparlament einen neuen Präsidenten: Höchster Stadtsanktgaller 2016 soll Heini Seger werden. Der Bauingenieur bezeichnet das Amt als Ehre. Unter seiner Ägide soll im Rat keine Wahlpropaganda betrieben werden.

DAVID GADZE

Heini Seger ist ein «alter Hase» in der Stadtpolitik. Seit elf Jahren sitzt er für die SVP im Stadtparlament und ebenso lange in dessen Baukommission. Die heutige Parlamentssitzung wird für ihn jedoch eine besondere: Er übernimmt von Thomas Meyer (CVP) das Präsidium des Stadtparlaments. Die Aufgabe sei «eine Herausforderung und Ehre, der ich mit Freude und Respekt begegne».

Chancenlos bei Stadtratswahlen

Seger stiess Ende der 1990er-Jahre zur städtischen SVP. Er war mehrere Jahre Vorstandsmitglied und Präsident der Stadtpartei, kandierte zweimal erfolglos für den Kantonsrat sowie im Jahr 2006 bei Ersatzwahlen für den Stadtrat, blieb gegen Thomas Scheitlin und Nino Cozzio damals aber chancenlos.

Bei den Stadtparlamentswahlen im Herbst 2004 kam der Bauingenieur auf den ersten Ersatzplatz seiner Partei, rückte aber bereits auf den Beginn der folgenden Legislatur nach.

Wegen des EWR zur SVP

Nach dem Studium war Seger der FDP beigetreten, aber nicht politisch aktiv. Auslöser für den Übertritt zur SVP war deren Opposition gegen den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), der 1992 an der Urne abgelehnt wurde. Dennoch betont er, dass ein gutes Verhältnis zur EU nach Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative vor knapp zwei Jahren ebenso wichtig sei wie der Erhalt der bilateralen Verträge. «Die Abstimmung hat aber gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann.» Damit meint Seger nicht nur die ungebremste Zuwanderung von Arbeitskräften, sondern auch von Flüchtlingen. «Die Forderung, in St. Gallen und in der Schweiz mehr Flüchtlinge aufzunehmen, trägt nicht zur Lösung der Probleme in deren Herkunftsländern bei.» Dafür sei «die Weltpolitik» zuständig.

Christoph Blocher, der den EWR-Abstimmungskampf der SVP leitete, will Heini Seger jedoch nicht als politischen Ziehvater verstanden wissen. «Als ich Präsident der Stadtpartei war und Toni Brunner der Kantonalpartei vorstand, habe ich immer betont, dass wir eine konstruktive Politik betreiben und konsensfähig sein müssen.» Gerade in der kommunalen Politik gelte es, über das Parteibüchlein hinaus zu denken. Berührungsängste kenne er keine. «Ich diskutiere mit jedem, egal, welchen Standpunkt er vertritt.» Dieses Denken vermisse er bei vielen Parlamentskollegen.

Dass die städtische SVP als vergleichsweise moderat gilt, sei aber auch den Sachzwängen geschuldet: Um Mehrheiten zu finden, müsse man zu Kompromissen bereit sein. «Ein Parlament ist auch zum Reden da. Wenn jeder auf seinem Standpunkt beharrt, können wir es abschaffen.» Viel zu reden wird es auch in seinem Präsidialjahr geben, schliesslich ist Wahljahr und «das Geplänkel im Parlament beginnt». Deshalb will Seger dafür sorgen, dass weiterhin Sachpolitik betrieben wird. «Die Parlamentssitzungen sind keine Propagandaveranstaltungen.»

In der Lachen verwurzelt

Seger ist ein «Original-Sanktgaller». Er wurde in der Gallusstadt geboren und wuchs in der Lachen auf, im ersten Hochhaus der Stadt bei der Post. Später zog er mit seinen Eltern in den Westen und an die St. Jakob-Strasse. Nachdem er zu Hause ausgezogen war, kehrte er in die Lachen zurück. Heute wohnt Seger mit seiner Familie im Feldli.

Seger bezeichnet sich als «treue Seele». Im Ingenieurbüro, in dem er seit der Lehre arbeitete, blieb er 18 Jahre – damals die Hälfte seines Lebens. Weil er sich bezüglich der Nachfolge hintergangen fühlte, verliess er den Betrieb und gründete für einen Freund, der in Jona ein Ingenieurbüro hatte, eine St. Galler Niederlassung. Diese übernahm er 1999. Aus dem Zweimannbetrieb ist ein Unternehmen mit zehn Vollzeit- und drei Teilzeitangestellten geworden. Einer seiner beiden erwachsenen Söhne, der in Winterthur das Studium als Ingenieur abschliesst, soll eines Tages das Geschäft des Vaters übernehmen.

Letztes Jahr als Krönung?

Ob Segers zwölftes Jahr im Stadtparlament auch sein letztes sein wird – mit dem Amt als «höchster Stadtsanktgaller» als Krönung – oder ob der 58-Jährige im Herbst nochmals zu den Wahlen antritt, will er noch nicht verraten: «Kein Kommentar.»



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