Tagblatt Online, 03. November 2011 07:30:00
Gassenküche im Wandel
«Wir versuchen ständig, uns zu verbessern.» Gassenküche-Leiter Thomas Spahr an der Küchenbar. (Bild: Laura Mäder)
ST.GALLEN. Die Gassenküche ist gut in die neue Saison gestartet. Im vergangenen Jahr wurde das Rauchverbot eingeführt, das gut akzeptiert wird. Die Besucherzahlen sind stabil geblieben.
LAURA MÄDER
Die Gassenküche, die Randständige und Menschen mit Suchtproblemen zu günstigen Preisen verpflegt, startete am 1. September in die neue Saison. An der gestrigen Medienkonferenz informierte Thomas Spahr, Leiter der Gassenküche, zusammen mit Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe, über den aktuellen Stand rund um die Gassenküche. «Eigentlich hatte ich auf Nebel gehofft statt auf Sonnenschein. Das hätte besser zum Anlass gepasst», begrüsste Niggli die Gäste.
Ausgrenzung nimmt zu
Was als Scherz gedacht war, ist in Wahrheit bitterer Ernst. «Die Menschen, die hierher kommen, haben nicht viel Sonnenschein in ihrem Leben», sagte Niggli. «<Komischi Lüt> oder <Fuuli Sieche>, so werden die Gäste der Gassenküche gerne und oft betitelt.» Bezeichnungen, die Niggli wütend machen. «Früher hatten die Menschen die Pest. Da gab es wenigstens noch einen Grund, sich von den Kranken fernzuhalten», wetterte Niggli weiter. Die Ausgrenzung der Randständigen nehme zu. «Es gibt immer wieder Menschen, die meinen, unsere Gäste als asozial bezeichnen zu müssen, nur weil sie Suchtprobleme haben. Dabei werden jedes Wochenende hohe Kosten von gesellschaftlich akzeptierten Menschen verursacht, weil sie sich unter Alkoholeinfluss nicht zu benehmen wissen», sagte Niggli.
Einige Veränderungen
Die Anzahl Gäste sei stabil geblieben. Nur im Frühling habe es einen kleinen Einbruch aufgrund des schönen Wetters gegeben. Trotzdem habe sich in der Saison 2010/11 einiges getan. «2010 haben wir das Rauchverbot eingeführt», informierte Thomas Spahr, Leiter der Gassenküche. Nun müssen die Gäste draussen rauchen, was für einige Nachbarn «etwas unangenehm» sei. «Wir haben in dieser Saison deshalb viele Gespräche mit dem Quartier geführt», sagte Spahr.
Gegenwehr von Nachbarn
Die Skepsis der Nachbarschaft sei aber nichts Neues. Als die Gassenküche vor etwa zehn Jahren an die Linsebühlstrasse gezogen ist, gab es grosse Gegenwehr von einigen Nachbarn. «Wir suchen deshalb immer wieder das Gespräch und versuchen uns zu verbessern», beteuerte Spahr. Die Gassenküche stosse nicht zuletzt deshalb mittlerweile auf grosse Akzeptanz in der Nachbarschaft, ergänzte Jürg Niggli.
Das sieht auch der anwesende Nachbar und «Postposthalter» Martin Amstutz so. Für ihn sei die Gassenküche eine gute Sache. Er verstehe deshalb nicht, weshalb sich soziales Engagement immer rechtfertigen müsse.
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