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St.Galler Tagblatt

St.Galler Tagblatt Online, 29. Februar 2012 01:07:00

Fasnacht straffen oder ausbauen?

Fasnachtsumzug

Umzug als Schlusspunkt – das wäre der Fall, wenn das Fasnachtsprogramm am Sonntag enden würde. (Bild: Urs Jaudas)

Ginge es nach Bruno Bischof, dem Präsidenten der St. Galler Fasnachtsgesellschaft, könnte das Programm der Fasnacht schon am Sonntagabend enden. Doch diese Idee stösst bei diversen Fasnächtlern auf Widerstand.

FREDI KURTH

Die Basler Fasnacht endet morgen Donnerstag in der Früh nach 72 Stunden. Und die Luzerner Fasnacht verteilt ihre Schwerpunkte ebenfalls auf drei Tage (siehe Kasten). Unter diesem Aspekt ist die Idee von Bruno Bischof, des Präsidenten der St. Galler Fasnachtsgesellschaft, man soll die Höhepunkte der närrischen Zeit auf vier Tage konzentrieren, nicht einmal so abwegig. Für einige eingefleischte Fasnächtler aber mag Bischofs Vorschlag so erscheinen, wie wenn man die gesetzlich vorgeschriebenen Ferien kürzen statt verlängern wollte.

Wie ein Anhängsel

Die St. Galler Fasnacht dauert aufgrund katholischer Tradition jeweils vom Schmutzigen Donnerstag bis Dienstag vor Aschermittwoch. Somit kann niemand, auch nicht Bruno Bischof, jemandem verbieten, auch am Fasnachtsdienstag maskiert unterwegs zu sein. Seit aber der Ehrenföbü-Abend vom Montag im «Ekkehard» ausfällt und an diesem Tag, im Gegensatz zum Rosenmontag und anderen bekannten Anlässen, die St. Galler Fasnacht ihren Ruhetag einschaltet, kommt der letzte Fasnachtstag wie ein Anhängsel daher.

«Nach meiner persönlichen Meinung könnte am Sonntagabend Schluss sein», sagt Bruno Bischof, der neue oberste Fasnächtler, ganz unverblümt. Er fühlt sich bestärkt in seiner Ansicht, weil am Freitag mit dem «Dampf im Kessel» in der Lokremise eine andere Lücke geschlossen werden konnte. Am Donnerstag der grosse Guggenauftritt, am Samstag der Föbü-Verschuss und am Sonntag der Umzug, dazu drei Abende der Schnitzelbänkler in der Kellerbühne von Donnerstag bis Samstag – da sind die Programm-Highlights kompakt schon vorhanden.

Viel los diesen Dienstag

Allerdings, so wenden andere ein, wäre dann die Kinderfasnacht vom Dienstag noch nicht eingebunden. Guggen, Schnitzelbänkler und wohl einige Beizer würden ein gestrafftes Programm ebenfalls als Strafe empfinden. «Die Schnitzelbänkler waren am Dienstag noch bis 24 Uhr in ihrem Element», sagt Karin Bischoff, Vize-Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft. Und in einigen Beizen war Aschermittwoch bereits angebrochen, als um 1 Uhr die Fasnacht endgültig schloss.

Den Umsatz vom Dienstag möchten auch jene Beizen nicht missen, die ihr Lokal mit einigem Aufwand für die närrische Zeit herrichten. «Dieser hält sich bei uns zwar ihm Rahmen», sagt Caroline Vetsch vom «National», aber für sie stimmt die jetzige Verteilung mit Andrang am Donnerstag, Freitag, Samstag und Dienstag. Mühevoller ist anscheinend, nach dem Montag die Beiz im Waaghaus wieder in Schwung zu bringen.

Rolf Bollinger, Sprecher der Schnitzelbänkler, spricht sich vehement gegen die Abschaffung der Dienstagsprogramms aus: «Die Beizen sind voll.» Im Gegensatz dazu kann er die Freude am Lokremise-Abend nicht teilen. «Die Idee, einen Fasnacht-Querschnitt zu bieten, ist gut. Aber für einen wirkungsvollen Auftritt der Schnitzelbänkler ist die Bühne zu gross, fehlt die Intimität.»

Montag reaktivieren?

Nicolas Steiner, Präsident der Vereinigten Guggen, sähe sogar eher eine Entwicklung in die andere Richtung: «Wir sollten den Montag aus dem Dornröschenschlaf wecken und wieder etwas bieten.» Leider habe man am Dienstag die Kinderfasnacht vernachlässigt. Die Guggen wären in der Pflicht, vermehrt mit den Schulen in den Quartieren zusammenzuarbeiten und sie wie einst für die Kinderfasnacht in der Innenstadt zu motivieren.

Für Peter Stössel, Vertreter der Ehren-Föbüs, und andere besteht hingegen für eine Reaktivierung des Montags kaum noch Bedarf. «Was den Dienstag betrifft, sollen die Beteiligten selber entscheiden», sagt Stössel. Denn die Föbü-Anlässe enden ohnehin am Sonntag.

Für Karin Bischoff steht indessen fest: «Wir haben an der nächsten Vorstandssitzung des Komitees wohl einiges zu diskutieren.»

 

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