Tagblatt Online, 01. Mai 2012 10:15:00
«Es gibt kein emotionaleres Fest»
Sven Reinecke auf der Kinderfestwiese: Mit seiner Spendenaktion will er Kinder zum Lachen bringen, denen es nicht so gut geht. (Bild: Urs Bucher)
Noch steht in den Sternen, wann das St. Galler Kinderfest dieses Jahr stattfinden wird. Marketing-Professor Sven Reinecke ruft in einer Spendenaktion dazu auf, das Datum zu erraten. Der Erlös kommt Kindern im Spital zugute.
CHRISTINA WEDER
Schon unzählige Male hat Sven Reinecke, Marketing-Professor an der HSG, erklärt, was es mit dem St. Galler Kinderfest auf sich hat. Denn seine Studenten kommen und gehen.
Etwas fasziniert ihn am Kinderfest besonders: Niemand weiss im Voraus so genau, wann es wirklich stattfindet. Irgendwann zwischen dem 23. Mai und dem 3. Juli wird es dieses Jahr so weit sein. Reinecke sagt: «Einen Feiertag, der sich terminlich verschiebt, kenne ich nur in St. Gallen.» Genau diese Besonderheit macht er zum Thema einer Charity-Aktion. Er lässt die St. Gallerinnen und St. Galler das Datum des diesjährigen Kinderfests tippen.
Den Tip kann man mit einer Spende verbinden. Der Erlös kommt Kindern im Spital zugute. Er geht zu gleichen Teilen an die Spitalclowns der Stiftung Theodora und ans Ostschweizer Kinderspital St. Gallen. Mitmachen kann man per SMS oder mit den Einzahlungsscheinen, die heute dem Tagblatt beiliegen oder am Samstag in den Migros-Filialen Neumarkt, St. Fiden und Säntispark verteilt werden.
Tippen bis zum Festbeginn
Dahinter steckt die Idee, an einem Festtag, an dem Kinder im Mittelpunkt stehen, auch an jene Kinder zu denken, denen es nicht so gut geht. Reinecke bringt es auf die Kurzformel: «Man kann mit einem SMS ein Lachen stiften.» Das Tip-Spiel läuft, bis der Festtermin endgültig feststeht.
Allerdings hofft Reinecke, dass nicht alle Tip-Willigen erst in der letzten Minute mitmachen, weil sie den Wetterbericht abwarten. Er hat vorgesorgt und verlost wöchentlich unter allen Teilnehmenden einen Preis. «Wer früher tippt, hat also höhere Gewinnchancen», sagt er. Die Hauptpreise sind Zeppelin-Flüge über St. Gallen und Besuche des Rega-Centers in Zürich.
Es ist nicht das erste Mal, dass Reinecke mit einer wohltätigen Aktion an die Öffentlichkeit tritt. Vor drei Jahren, als die Stadt die 50-Franken-Einkaufsgutscheine verschenkte, schlug er vor, diese an wohltätige Organisationen zu spenden und gründete das Komitee «Gute Scheine für gute Zwecke». Über 30 000 Franken kamen zusammen.
«Wetten, dass …?» war prägend
Damals nutzte er die einmalige Gutschein-Aktion für wohltätige Zwecke. Diesmal einen besonderen Festtag. Hinter dem Vorgehen stecke ein Grundsatz des Marketings: «Alles dreht sich um Einzigartigkeit», sagt Reinecke. Der Marketing-Professor betont, dass sein caritatives Engagement mit der HSG nichts zu tun habe. Schon gar nicht will er deren Ruf als neoliberale Kaderschmiede korrigieren, was sie seiner Ansicht nach auch nicht nötig hat. Sein Engagement ist persönlich, es wurzelt in seiner Jugend. In den 80er-Jahren sah er den Schauspieler Karlheinz Böhm in der Sendung «Wetten, dass…?» Böhm wettete, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark für notleidende Menschen in der Sahelzone spenden würde. Reinecke sagt: «Ich war total beeindruckt, wie er die Fernsehbühne als Marketing-Plattform für sein caritatives Engagement nutzte.»
Auch er will sein Wissen aus dem Marketing für wohltätige Zwecke verfügbar machen. Als Altenpfleger oder freiwilliger Mitarbeiter wäre er dagegen eher ungeeignet, sagt er: «Jeder soll das tun, was er am besten kann.» Mit dem Marketing sei es so eine Sache: Es werde von nichtprofit-orientierten Unternehmen oft stiefmütterlich behandelt, obwohl sie es im Kampf um Aufmerksamkeit dringend nötig, aber meist kein Geld zur Verfügung hätten. Zudem hafte dem Marketing oft ein negativer Beigeschmack an. «Das muss nicht sein», findet er.
Gleichzeitig geliebt und gehasst
Reinecke hofft, dass möglichst viele Leute spenden. Er unterhält für seine Aktion eine Internetseite, ist auf Twitter und Facebook präsent. Dort ruft er dazu auf, die «schönsten und grausamsten Kinderfest-Erinnerungen» mit anderen zu teilen. Denn in den 25 Jahren, die er schon in St. Gallen weilt, ist ihm vor allem eines klar geworden: Es gibt kaum ein emotionaleres Fest. «Die einen hassen es, die anderen lieben es». Und jeder hat Erinnerungen daran. Auch Reinecke selbst. Am letzten Kinderfest hat sein damals vierjähriger Sohn zwei ganze Bratwürste verdrückt. «Genau diese Dinge bleiben in Erinnerung.»
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