Tagblatt Online, 11. November 2010 07:12:00
Einsturz-Analyse geht weiter
Die Turnhallen-Ruine im Riethüsli ist weiterhin nicht zum Abbruch freigegeben. Das Strafverfahren verzögert sich, die Überbleibsel werden allenfalls noch für die Beweisführung gebraucht. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
ST.GALLEN. Die Untersuchung zum Halleneinsturz im Riethüsli verzögert sich weiter. Inzwischen laufen gegen zwei Baubeteiligte Strafverfahren. Einer davon verlangt zusätzliche Analysen der Empa.
Ralf Streule
Im Februar ist es zwei Jahre her, dass die Dreifachturnhalle im Riethüsli eingestürzt ist. Noch immer sind die Überreste nicht weggeräumt, und noch immer dauert das Strafverfahren an. Dieses dürfte sich nun sogar noch weiter verzögern als angenommen.
Gemäss Auskunft der zuständigen Untersuchungsrichterin Jolanda Dörig richtet sich das Strafverfahren inzwischen nicht mehr «gegen Unbekannt», sondern gegen zwei «Baubeteiligte», deren Namen aufgrund des laufenden Verfahrens nicht genannt werden dürfen.
Seitens dieser Baubeteiligten seien weitere Zusatzfragen zum Empa-Gutachten gestellt worden. «Die Empa wird diese voraussichtlich bis Ende November beantworten», erklärt Jolanda Dörig.
Hallenruine nicht freigegeben
Wie lange sich das Strafverfahren nun verzögere, sei schwer zu sagen. Nach Vorliegen der Antworten der Empa seien weitere Untersuchungen vorzunehmen.
Wie und wann das Verfahren abgeschlossen werden könne und ob allenfalls Anklage zu erheben sei, sei derzeit noch offen. Der Schadenplatz dürfe vorläufig aber nicht freigegeben werden, da die Überreste der eingestürzten Turnhalle – unter anderem Wände und Stahlträger – allenfalls noch als Beweis benötigt würden, sagt Jolanda Dörig.
Die Verzögerungen in der Schadenregulierung beschäftigen derweil auch die Politik. Das Kantonsparlament drängt seit längerem auf einen schnellen Wiederaufbau, da die aktuelle Übergangslösung zu hohen Kosten führt: Die Berufsschüler des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums sind zu eigentlichen «Turn-Nomaden» geworden und absolvieren ihren Sportunterricht an verschiedenen Orten der Stadt, unter anderem in den Olma-Hallen oder im Athletik Zentrum.
Vor 2015 wohl keine neue Halle
Auch das Ansinnen der Kantonsregierung, im Riethüsli ein Provisorium für vier Millionen Franken zu errichten, wurde im Kantonsparlament im April 2010 abgelehnt. Ein schneller Wiederaufbau wurde vom Parlament als bessere Lösung angesehen. Eine Einfache Anfrage von Kantonsrat Peter Boppart, Architekt und Berufsschullehrer, zum Thema liegt der Regierung vor (siehe Kasten).
Anfang des laufenden Jahres sprach Regierungsrat und Bauchef Willi Haag davon, dass eine neue Turnhalle im Tal der Demut wohl frühestens 2015 stehen werde. Auch nach einem abgeschlossenen Strafverfahren müsste nämlich eine neue Bauvorlage ausgearbeitet und bewilligt werden. Der Bau schliesslich würde voraussichtlich rund eineinhalb Jahre dauern.
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