Tagblatt Online, 30. März 2009 01:03:22
Einsatz für eine gute Heimreise
Erwin Ledergerber zwischen Fans am Bahnhof Winkeln. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
Lärm brandet auf in der nahen AFG Arena, soeben ist dort das 3:0 oder gar das 4:0 für das Heimteam gefallen. Die Stimmgewalt des Espenblocks reicht bis zum Bahnhof Winkeln. Hier, wo sich in wenigen Minuten siegestrunkene Fans einfinden werden, stehen erst Bier- und Wurstverkäufer – und Erwin Ledergerber.
Ledergerber trägt eine orange Weste mit der Aufschrift «Information». Er ist heute einer der SBB-Mitarbeiter, die nach den Heimspielen jeweils den Strom der Matchbesucher lenken und für Fragen und Auskünfte zur Verfügung stehen. Von einem Menschenstrom kann an diesem regnerischen Sonntag aber keine Rede sein, nur eine Hand voll Zuschauer trudeln Minuten nach dem Schlusspfiff ein.
Lenken und Beraten
Die Frage, ob Erwin Ledergerber und seine zwei anwesenden Kollegen an diesem Tag überflüssig sind, erübrigt sich schnell. Zwar findet sich der Grossteil der Leute selber zurecht, doch die Auskunftserteilung ist nur ein Teilaspekt der Arbeit. «Wir lenken, beraten und sorgen dafür, dass die Züge pünktlich abfahren», sagt Ledergerber. Er spricht von Einsätzen beim Madonna-Konzert in Dübendorf oder beim Schwingfest in Frauenfeld. Aufgaben und Ablauf blieben sich unabhängig von der Grösse des Events gleich, meint Ledergerber, der das Bahnreisezentrum St. Gallen leitet. Von dort werden jeweils die Helfer für die Einsätze beim Bahnhof Winkeln rekrutiert.
«Präsenz ist wichtig»
Inzwischen ist das Perron Richtung St. Gallen gut gefüllt. Grund genug für die SBB-Mitarbeiter, den nahenden Intercity via Zentralstellwerk anzuweisen, den Bahnhof Winkeln mit gedrosselter Geschwindigkeit zu durchfahren. Als wenig später der Extrazug folgt, sorgt Ledergerber dafür, dass sich die Fahrgäste gleichmässig auf die Wagen verteilen. Dazwischen hebt er leere Bierbecher vom Boden auf, «denn auch die Gewährleistung der Sauberkeit gehört zu unseren Aufgaben».
Das Ganze läuft auffällig gesittet und geordnet ab. Erwin Ledergerber ist überzeugt, dass dieser Umstand auch mit der Präsenz der orange gekleideten Männer zusammenhängt. «Wären wir nicht hier, würden wahrscheinlich viele die Abkürzung über die Gleise nehmen.» Sagt's und registriert mit einem Schmunzeln, dass soeben zwei Teenager diese Abkürzung genommen haben, um den wartenden Extrazug Richtung Gossau zu erwischen – vergeblich.
Reibungslos wie immer
Für den Bereich Sicherheit sei in erster Linie die Bahnpolizei zuständig, mit der man in Kontakt stehe, so Ledergerber. «Wir konzentrieren uns darauf, dass der Betrieb reibungslos läuft». Und das tut er an diesem Sonntag, so wie auch die gesamte Saison. Ledergerber zumindest kann sich an keine besonderen Vorkommnisse erinnern.
Nachdem sich der zweite Extrazug Richtung St. Gallen mit gerade einmal sieben Personen an Bord in Bewegung gesetzt hat, kann sich Ledergerber auf den Heimweg machen. Er selber hat erst einmal den Weg in die AFG Arena gefunden, sei dabei aber beinahe erfroren. Das Endergebnis von 4:0 erfährt er von einem Matchbesucher. Tobias Bär
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