Zur Mobile-Ansicht wechseln
Tagblatt Online
5. Januar 2016, 06:43 Uhr

Ein närrisches Durcheinander

Gallyriker und Louis de Saint-Gall: Das Fasnachtsplakat 2016 zeigt Stadtsanktgaller Fasnächtler. Zoom

Gallyriker und Louis de Saint-Gall: Das Fasnachtsplakat 2016 zeigt Stadtsanktgaller Fasnächtler. (Bild: Yasmin Knüsel)

ST.GALLEN. Die Thurgauerin Yasmin Knüsel hat das diesjährige Fasnachtsplakat entworfen. Auf den ersten Blick sind darauf bloss verkleidete Leute zu sehen. Bei genauerem Hinschauen entdeckt der Betrachter echte Stadtsanktgaller Bekanntheiten.

RUTH FRISCHKNECHT

Genau einen Monat dauert es noch, bis die Fasnachtswoche mit dem Schmutzigen Donnerstag am 5. Februar beginnt. Gestartet hat die fünfte Jahreszeit aber bereits am 11.11., Punkt 11. 11 Uhr. An jenem Morgen wurde auch das Fasnachtsplakat 2016 enthüllt.

Viele bunte Gestalten tummeln sich darauf. Das Auge weiss am Anfang kaum, wohin zu schauen, so viel gibt es zu sehen: Clowns, Vögel, einen Teufel, einen Bären und Krokodile. Einige Figuren singen oder sprechen, andere bewegen sich. "Für mich ist Fasnacht ein grosses Gewimmel, ein bunter, fröhlicher und lauter Ort", sagt Yasmin Knüsel, Grafikerin und Gestalterin des diesjährigen Plakats. Ein Ort, der überfordern könne, fügt sie an. "Deshalb soll das Plakat den Betrachter mit fasnächtlichen Eindrücken überfluten."

Lauter echte Fasnächtler

Auch auf den zweiten Blick vermag das Plakat zu verblüffen. Die meisten Gestalten auf dem Plakat sind nicht Yasmin Knüsels Phantasie entsprungen, sondern sind St.Galler Fasnächtlerinnen und Fasnächtler. Gezeichnet hat die Grafikerin Ehrenföbüs, Schnitzelbänkler und Guggenmusiker. "Ich wollte echte Fasnächtler zeigen. Sie machen diese verrückte Zeit im Jahr aus", sagt die 22jährige Thurgauerin aus Schönholzerswilen. Das Plakat sei eine Hommage an diese "Fasnachtspersönlichkeiten".

Ebenfalls nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist der Arbeitsaufwand, der hinter der Gestaltung des Plakats steckt. Jede einzelne Figur hat Yasmin Knüsel von Hand gezeichnet, zunächst mit Bleistift, danach mit Fineliner, einem speziellen Filzstift. Die Zeichnungen hat sie kopiert und mit Gouache koloriert. Am Computer hat sie die Zeichnungen und die Schrift arrangiert.

Als Fliege an den Maskenball

Auch wenn das Plakat viel Nähe zur Stadtsanktgaller Fasnacht erahnen lässt, Yasmin Knüsel ist keine Fasnächtlerin. "Zum letzten Mal war ich als Kind an der Fasnacht, und damals hauptsächlich wegen der vielen Süssigkeiten." Wie es der Zufall aber will, hat sie sich entschlossen, nach Jahren der Abstinenz dieses Jahr einen Maskenball zu besuchen. "Zusammen mit ein paar Freundinnen verkleide ich mich als Schmeissfliege." Mit dem Entwerfen von Fasnachtsplakaten kennt sich Yasmin Knüsel besser aus als mit dem bunten Treiben selbst. "Als ich im Abschlussjahr der Fachklasse für Gestaltung war, haben wir am Wettbewerb der Fasnachtsgesellschaft teilgenommen." Ihr Entwurf wurde damals nicht berücksichtigt, dafür war sie auf dem letztjährigen Plakat zu sehen. Sie war der Clown im vielen Konfetti. Dieses Jahr hatte die Fachklasse für den Ideenwettbewerb keine Zeit, weil sie am Wettbewerb zur Gestaltung des Olma-Plakats mitwirkte. Andreas Tschachtli und Martin Schmid, die beiden Verantwortlichen für den Lehrgang an der Schule für Gestaltung, fragten daraufhin Yasmin Knüsel an.

Grafikerin auf dem Bauernhof

Seit dem Abschluss der Ausbildung im Jahr 2014 arbeitet die 22-Jährige nur noch auf Auftrag als Grafikerin. "Deshalb hatte ich Zeit, mich dieser Aufgabe anzunehmen." In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sie auf dem Bauernhof ihrer Eltern mitgeholfen. Wegen einer schweren Krankheit ihres Vaters verschob sie ihre Pläne, nach Abschluss der Fachklasse Illustration zu studieren. "Die Arbeit auf dem Hof tut mir gut. Sie schafft einen Ausgleich zum Kopflastigen. Und zu sehen, dass etwas wächst, was ich lange gepflegt habe, ist ein schönes Gefühl." Trotzdem ist für Yasmin Knüsel nun die Zeit gekommen, sich wieder ihrem erlernten Beruf zuzuwenden. "Zurzeit suche ich ein Praktikum als Grafikerin, und wer weiss, vielleicht beginne ich doch noch ein Studium." Die Fachrichtung hat sich verändert: Produktdesign soll es sein.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

ostjob.ch  STELLENSUCHE

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

FACEBOOK.COM /TAGBLATT