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Tagblatt Online
16. Januar 2016, 09:06 Uhr

Ein Treffen der Kulturen

An der Vernissage der Ausstellung von Svetlana Tvrdik (in der Mitte mit blonden Haaren) waren auch verschiedene Trachten zu sehen. Zoom

An der Vernissage der Ausstellung von Svetlana Tvrdik (in der Mitte mit blonden Haaren) waren auch verschiedene Trachten zu sehen. (Bild: pd/Augustin Saleem)

Unter dem Titel «Treffpunkt Schweiz» stellt Svetlana Tvrdik derzeit Bilder im Waaghaus aus. An der Vernissage präsentierte der ehemalige Stadtparlamentarier Marcel Kolongo sein Buch.

MARGRITH WIDMER

Der von Kulturvermittler Vica Mitrovic moderierte Anlass im Waaghaus vom Donnerstagabend war hinreissend multikulturell: Die russische Künstlerin Svetlana Tvrdik aus Rorschacherberg zeigt eine Werkschau. Der ehemalige Stadtparlamentarier Marcel Kolongo stellt sein Buch «Le parcours du combattant» vor. Werner Alder am Hackbrett und Maya Stieger an der Geige spielen Appenzellermusik. Afrikaner mischen den Anlass rhythmisch auf, dazu tanzt eine afrikanische Trachtengruppe, St. Gallerinnen zeigen Trachten und prächtige Hauben, der serbische Tanzverein Homolje singt. Die Stimmung ist grossartig, das Publikum begeistert.

«So sauber, so tolerant»

«Ich traf Marcel Kolongo vor fünf Jahren im Waaghaus bei einem Rachmaninow-Konzert. Wir wurden Freunde», erzählt Svetlana Tvrdik. Sie liebe die Schweiz: «So sauber, so grün, so tolerant», schwärmt sie und weist auf ihre Bilder vom Säntis und einer Toggenburger Tracht hin. Die Malerin erklärt den Unterschied zum Appenzeller Pendant: Der Toggenburger trägt bunte Fransen und eine Kette.

Eine Frau mit fliegendem Haar auf einer Schaukel ist Tvrdiks Allegorie der Schweiz: «Für mich ist die Schweiz eine Frau.» «Heidi», sagt Marcel Kolongo und lacht. Tvrdik liebt Pferde und Berge, die Churfirsten, Eiskunstlaufen, phantastische Landschaften. Sie malt naturalistische Bilder, denen sie atemberaubende surreale Details hinzufügt, beispielsweise eine Frau mit Muschelhorn-Haaren auf einer überdimensionalen Schokoladetafel.

Prag, Berlin, St. Gallen

Marcel Kolongo ist gekommen, um sein neues Buch vorzustellen. «30. Juni 1960» steht gestickt auf seinem buntem Wams. Es ist der Tag der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo von der Kolonialmacht Belgien. Kolongo, 1945 geboren, wurde von der sozialistischen Regierung zum Studium in die damalige Tschechoslowakei geschickt. Er studierte an der Militärakademie Betriebswirtschaft und später an der ETH Lausanne Informatik. Als 1968 die Russen in Prag einmarschierten, floh er nach Berlin. Dort lernte er seine Frau kennen, eine St. Gallerin. 1981 zog das Paar nach St. Gallen. 2005 wurde Kolongo für die Grünliberalen, die er mitbegründet hatte, als erster Schwarzafrikaner ins Stadtparlament gewählt. Ende 2010, inzwischen bei den Grünen, trat er zurück. Dennoch sagt er: «St. Gallen ist meine Stadt.»

«Pour l'Afrique!»

«Le parcours du combattant» habe er geschrieben, weil es in Afrika heisse: «Wenn ein alter Mann stirbt, stirbt eine Bibliothek.» Die jungen Kongolesen müssten wissen, was damals im Kongo geschehen sei. Einige wissen es bereits: Ein junger Schwarzafrikaner stürzt auf Marcel Kolongo zu, umarmt ihn und ruft: «Pour l'Afrique!»

Die Ausstellung im Waaghaus ist bis 21. Januar täglich zu sehen.


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