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Tagblatt Online
22. Februar 2016, 08:45 Uhr

Ein St.Galler Schild geht auf Reisen

Bei afrikanischen Stämmen, indischen Sadhus und tief unter dem Meer – das Schild des Pic-o-Pello-Platzes hat schon viele Ecken der Welt bereist. Die Bilder davon findet man im «Splügen», im Internet, und manche bleiben unter Verschluss.

KATHRIN REIMANN

ST.GALLEN. Schuld an der Schild-Tradition trägt eigentlich die Stadt. Denn als der Pic-o-Pello-Platz in der südlichen Altstadt im Jahr 2005 nach langem Hin und Her endlich offiziell seinen Namen erhielt, kam ein Vertreter der Stadt mit dem neuen Schild zu «Splügen»-Wirt Sam Owadia und fragte, wo denn dieses hin solle. Eine Gelegenheit, die Owadia beim Schopf packte: Er lieh sich das Schild kurz aus, hielt es mit einer Hand in die Höhe und liess sich so fotografieren.

Volle Wand im Restaurant

Eine Pose, die für den Wirt und seine Stammgäste zum Kult wurde. «Und daran wollte ich die ganze Welt teilhaben lassen.» Daher lässt der Chef des Restaurants Splügen Pic-o-Pello-Platz-Banner drucken und gibt diese seinen Stammgästen mit in die Ferien oder auf Reisen. «Nepal, Russland, Türkei, Amerika, Asien – ich weiss gar nicht, wie viele Bilder ich aus welchen Erdteilen überhaupt und insgesamt habe. Aber das Banner war schon auf der ganzen Welt», sagt Owadia.

Sam Owadia Zoom
Sam Owadia

Die Bilder sammelt er. Ganz spezielle hängt er in seinem Lokal auf. «Wenn ich das mit allen machen würde, hätte ich längst keinen Platz mehr.» Deshalb postet er manche auf Facebook. Erst vor kurzem landete ein solches Bild – es zeigt fünf junge Frauen in Nigeria, in den Händen halten sie natürlich das Pic-o-Pello-Schild – auf der Social-Media-Plattform. «Das Bild hat mir Walter Eggenberger geschickt», erklärt Owadia. Der ehemalige Fernseh- und Radiomoderator sei ihm ein treuer Lieferant solcher Aufnahmen. «Manchmal stellt er mir auch solche zu, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind.» Dazu gehören etwa Schnappschüsse aus Nordkorea.

Zehn Flaschen Bier für ein Bild

Owadia, der sich zwar über jedes Bild freut, hat dennoch einige Lieblinge: «Ein Bild stammt aus dem Bunker von Stalin, das ist schon sehr speziell.» Aber auch das Pic-o-Pello-Logo vor der Berliner East Side Gallery oder sein Schild in Nepal gefallen ihm besonders. «Früher habe ich meine Gäste immer dazu gedrängt, ein Schild mit in die Ferien zu nehmen und mir ein Bild zu schicken.» Sogar Wettbewerbe hat er aus diesem Grund veranstaltet und dem Gewinner einmal zehn Flaschen Bier in Aussicht gestellt.

«Heute nehme ich es easy und freue mich einfach darüber, wenn ich plötzlich wieder ein Bild im Briefkasten oder auf meinem Facebook-Konto finde», sagt Owadia, der jedes Bild schön findet. «Auch wenn ich die Menschen auf den Bildern gar nicht immer kenne.» Viele würden nämlich Gruppenbilder schicken, gerne auch maskiert. «Und dann habe ich noch dieses eine Bild, es zeigt nur junge Bräute in weissen Hochzeitskleidern… Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wer diese Frauen sind und woher sie mein Pic-o-Pello-Banner haben», sagt Owadia und lacht.



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