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Tagblatt Online, 21. Dezember 2009 01:03:40

Eifrige Islam-Erneuerer

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Modern, modisch, moslemisch: So präsentieren sich diese jungen Rednerinnen der Ahmadiyya-Bewegung in St. Gallen. (Bild: Bild: Hanspeter Schiess)

Die Ahmadiyya-Bewegung in St. Gallen informiert mit grosser Regelmässigkeit über den Islam. Viele Moslems betrachten die Ahmadis aber als Sektierer, die nur missionieren wollen.

markus Symank

Mittwochabend, Kantonsschule am Burggraben: Drei junge Muslimas halten mit viel Herzblut einen Vortrag über Frauen im Islam. «Der Koran betont die Gleichstellung der Geschlechter», lautet die Kernaussage. Mit ihrem Äusseren (locker sitzende Kopftücher, kombiniert mit westlicher Kleidung) unterstreichen sie ihre Botschaft: Muslimas sind modern, Muslimas sind integriert. «Ich bin beeindruckt», sagt anschliessend eine Zuhörerin. «Gäbe es doch nur mehr solche Veranstaltungen.»

Die Geschichte hat jedoch einen Haken: Die Rednerinnen treten zwar im Namen des «wahren Islam» auf, gehören aber der Ahmadiyya-Bewegung an. Und diese wird vom Grossteil der übrigen Moslems als Sekte betrachtet.

«Wir erleben Anfeindungen»

Die Ende des 19. Jahrhunderts in der damaligen Kolonie Britisch-Indien entstandene pazifistisch- und reformorientierte Glaubensgemeinschaft hat längst auch hierzulande Fuss gefasst.

Viele der 700 in der Schweiz lebenden Ahmadis sind ehemalige Flüchtlinge, denn die Bewegung ist in mehreren islamischen Staaten verboten. «Auch hier erleben wir Anfeindungen», sagt Naeem Ullah, Präsident der St. Galler Ahmadis. «Und die meisten Imame lehnen unsere Überzeugungen ab.»

Freitagsgebet in der Kirche

Während sich die Ahmadiyya als Erneuerungsbewegung versteht, hält der Mainstream-Islam ihre Anhänger für Abweichler.

Besonders sauer stösst vielen auf, dass die Ahmadis den Gründer ihrer Gemeinschaft als Propheten betrachten. Die Situation sei vergleichbar mit dem Verhältnis der Zeugen Jehovas zum Christentum, sagt ein Moslem.

Wie angespannt das gegenseitige Verhältnis ist, zeigt sich am eindrücklichsten an der Tatsache, dass die Ahmadis ihr Freitagsgebet in der Kirche Halden abhalten.

Zwar stehen ihnen gemäss Hisham Maizar, Präsident des Dachverbandes islamischer Gemeinden der Ostschweiz, auch die Türen der St. Galler Moscheen grundsätzlich offen. «Allerdings sollten sie dort nicht in eigener Sache missionieren.»

Information oder Mission?

Missionarischer Übereifer – das ist der häufigste Vorwurf, der im Zusammenhang mit der Ahmadiyya fällt. Tatsächlich finden sich in ihren Reihen zahlreiche Konvertiten. Und die rund 20 St.

Galler Ahmadis veranstalten mehr Informationsanlässe als sämtliche anderen islamischen Vereine zusammen. «Alles freiwillig», betont die 17jährige Misbah Kazmi, eine der Rednerinnen vom Mittwochabend. «Ich liebe meine Religion, nur deshalb will ich darüber informieren.»

In der Kritik steht die Ahmadiyya auch, weil die Mitglieder vertraglich verpflichtet sind, zehn Prozent ihres Einkommens zu spenden. In Deutschland wird von diesem Geld unter anderem der ehrgeizige «100-Moscheen-Plan» vorangetrieben. Ullah steht zu diesem Vorgehen: «Wer will, kann ja jederzeit aus der Gemeinschaft austreten.» Die Ausübung von Druck oder Gewalt lehne man strikt ab. Zudem werde ein Grossteil der Spendengelder für wohltätige Zwecke eingesetzt.

Zaghafte Annäherung

In St. Gallen kommt es trotz allem zu zaghaften Annäherungsversuchen zwischen der Ahmadiyya und den islamischen Gemeinschaften. Am interreligiösen Gebet nehmen Vertreter beider Seiten teil. Und am Vortragsabend vergangene Woche bekamen die Rednerinnen Unterstützung von zwei sunnitischen Muslimas.

Geht es nach Naeem Ullah, lösen sich die Probleme ohnehin irgendwann in Wohlgefallen auf: «Ich bin überzeugt, dass sich eines Tages alle Menschen der Ahmadiyya-Bewegung anschliessen.»





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