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Tagblatt Online
20. Januar 2016, 21:37 Uhr

Düstere Zeiten für die Gaslaterne

ST.GALLEN. Im Lukaspärkli im Heiligkreuz brennt die letzte Gaslaterne der Stadt. Für das nostalgische Stück gibt es kaum mehr Ersatzteile. Im Moment ist ihr Licht sogar ganz aus. Das letzte Stündlein hat ihr aber noch nicht geschlagen.

ELISABETH REISP

Welche Stadt es sich auf die Flagge schreiben darf, als erste eine gasbetriebene Strassenlaterne in Betrieb genommen zu haben, geben die Geschichtsbücher nicht preis. Als Datum der ersten öffentlichen Gaslaterne gilt der 1. April 1814, damals wurden bei der St. Margaret's Church in London alte Öllampen durch die modernen Gaslampen ersetzt. Nur, jene Gaslampen vor der St. Margaret's Church waren nicht einmal in London die ersten. In St.Gallen hingegen kamen die Gaslaternen erst ein halbes Jahrhundert später auf: Sie leuchteten erstmals am 1. November 1857, 212 an der Zahl.

Um Licht ins dunkle Tablat zu bringen, wurde 1878 die Strassenbeleuchtungsgesellschaft ins Leben gerufen. Aus dieser entstand später als Nachfolgegesellschaft der Quartierverein Langgass-Heiligkreuz. Der Quartierverein hat mittlerweile mit dem Nachbarn fusioniert, heisst heute Nordost-Heiligkreuz, und die Gaslampen sind längst verschwunden. Bis auf eine.

Im Lukaspärkli brennt die letzte Gaslaterne auf öffentlichem Grund. Bald könnte ihr Flämmlein allerdings ausgehen. Es gibt keine Glühstrümpfe mehr für die nostalgische Lampe.

Glühstrümpfe gesucht

Vor neun Jahren gingen dem Quartierverein die Glühstrümpfe aus. Otto Zanotta, der sich im Auftrag des Quartiervereins seit etwa 15 Jahren um die Laterne kümmert, hat seither alte Militärbestände durchforstet und ist immer wieder fündig geworden. Jetzt gebe es aber wirklich keine mehr. «Wir haben noch zwei Stück», sagt Zanotta. Ein Glühstrumpf brenne etwa zwei bis drei Monate, bei sorgfältiger Handhabe und je älter die Strümpfe sind, sogar noch etwas länger. Und dann? «Dann müssen wir mit Gaslampenmuseen schauen, die könnten uns sicherlich welche herstellen.»

Einmal wöchentlich aufziehen

Die Gaslaterne ist das Wahrzeichen des Quartiers. Tagtäglich brennt sie rund um die Uhr. Tagsüber einfach auf «Sparflamme». Im Dunkeln verströmt sie ein warmes Licht. «Im Winter brennt sie ungefähr von 18 bis 8 Uhr», sagt Zanotta. Damit das so bleibt, schaut Zanotta einmal in der Woche nach dem Rechten und zieht das Uhrwerk auf, das die Flamme abends höher und morgens wieder tiefer schaltet. Ist er in den Ferien, schaut sein Stellvertreter nach der Lampe. Etwa einmal im Jahr komme auch ein Mitarbeiter der Stadtwerke vorbei und kontrolliere die Laterne. Schliesslich hängt die Laterne am städtischen Gasnetz. «Wobei, eine Gasrechnung haben wir dafür noch nie bekommen.» Für den Unterhalt der Lampe ist jedoch der Quartierverein zuständig.

Derzeit leuchtet die alte Dame aber gar nicht mehr. Und nicht etwa wegen unbezahlter Rechnungen: Eine Spannfeder im Uhrwerk ist kaputt. Auch dafür werde nun ein Ersatzteil gesucht. Ein Uhrmacher sei bereits am Werk. Zanotta ist guten Mutes, dass die Laterne trotz ihrer Makel noch lange brennen wird.

In ganz Europa gesucht

Die Laterne ist ein englisches Modell. Gesponsert wurde sie anno dazumal von der Mittwochsgesellschaft. Zanottas Vorgänger seien durch halb Europa gereist, um Ersatzteile für die alte Laterne zu finden. «Vor allem das Glas musste etliche Male ersetzt werden. Immer wieder wurde es Ziel von Lausbuben, die Steine nach oben warfen.» Mittlerweile ist das Glas der Einfachheit und der Kosten wegen durch Plexiglas ersetzt worden – «das merkt kein Mensch».



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