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Tagblatt Online, 03. August 2012 08:07:00

Die Ruine ist verschwunden

Turnhalle Riethüsli Zoom

Ein riesiges Gerippe: Der Blick ins Innere der neuen Dreifachturnhalle lässt bereits erahnen, wie sie in einigen Monaten aussehen wird. (Bild: Bilder: Michel Canonica)

ST.GALLEN. Die vor dreieinhalb Jahren eingestürzte Turnhalle im Riethüsli ist einem Neubau gewichen. Die Aussenarbeiten werden schon bald abgeschlossen. Im Winter folgt der Innenausbau.

DAVID GADZE

Der Wiederaufbau der Turnhalle im Riethüsli ist in vollem Gange. Die Ruine neben dem Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) ist verschwunden, an ihrer Stelle ist stolz und mächtig das neue Bauwerk in die Höhe gewachsen – oder zumindest dessen Hülle. Die vom Baugerüst umhüllten Mauern stehen, nur entlang der Ostseite des Gebäudes klafft noch ein riesiges Loch. Dort werden schon bald Fenster eingebaut. Auch das neue Dach ist bereits grösstenteils fertiggestellt.

Es erinnert fast nichts mehr an den Einsturz vor rund dreieinhalb Jahren. Einzig rund um die Eingangstür ist noch der Rest der alten Fassade zu erkennen. «Wo er spielt», steht da in grossen Buchstaben. Der Anfang des Spruchs ist genauso verschwunden wie die meisten sichtbaren Erinnerungen an das Unglück.

Der heisseste Job des Sommers

Ein Arbeiter bringt mit einem Gasbrenner Isolationsmaterial an der Aussenwand an. Das sei der heisseste Job, den man während des Sommers haben könne, sagt er mit einem Lachen. «Und wenn eines Tages Regenwasser in die Halle eintreten sollte, bin ich schuld.»

Ein Blick ins Innere der Halle lässt erahnen, wie sie in einigen Monaten aussehen könnte. Wo jetzt noch grauer Beton dominiert, sind bereits die zukünftigen Spielfelder der Dreifachhalle zu erkennen. Die massiven Stahlträger der Decke wirken, als könnte ihnen kein Gewicht der Welt etwas anhaben. Mit den Stangen des Baugerüsts wirken sie wie ein grosses Gerippe, dem noch das Fleisch um die Knochen fehlt.

Einblicke von oben

Zuoberst auf dem äusseren Baugerüst öffnet sich der Blick auf das weite Grün des Tals der Demut auf der einen und das riesige Dach auf der anderen Seite. Auf jenem Teil des Dachs, der vom Einsturz verschont wurde, sind drei Arbeiter damit beschäftigt, die begrünte Erdschicht abzutragen. Ein riesiger Schlauch saugt das Material ab und befördert es mehrere Meter in die Tiefe, wo es im Behälter eines Lastwagens verschwindet.

Bald geht's an den Innenausbau

Die Stahlkonstruktion des Dachs habe man bereits vor den Sommerferien aufgerichtet, sagt Patrick Bünter, Leiter Baumanagement beim kantonalen Hochbauamt. Nach den Ferien werde mit den Dachdeckerarbeiten begonnen. Der Garderobentrakt, der beim Einsturz vergleichsweise gering beschädigt wurde, wird zurzeit saniert und in den Neubau integriert. Dort habe man punktuell Stützen ausgetauscht. «Sobald das Dach und die Fenster fertiggestellt sind, können wir mit dem Innenausbau beginnen», sagt Bünter.

Er gehe davon aus, dass die Aussenarbeiten bis im Herbst abgeschlossen sein dürften. Im Winterhalbjahr soll dann der Innenausbau in Angriff genommen werden. «Das Ziel ist es, die Turnhalle auf das Schuljahr 2013/14 hin wieder in Betrieb nehmen zu können», sagt Bünter. Für die GBS geht dann eine lange Zeit von Provisorien für den Turnunterricht zu Ende.

Knapp an Katastrophe vorbei

Die erst knapp drei Jahre alte Turnhalle im Riethüsli war am 24. Februar 2009 gegen sechs Uhr morgens wegen Konstruktionsfehlern und der grossen Schneelast eingestürzt. Die Stadt St.Gallen entging damals ganz knapp einer Katastrophe: Nur eineinhalb Stunden später hätte der Turnunterricht für 60 bis 80 Schülerinnen und Schüler beginnen sollen.

Langwierige juristische und versicherungstechnische Abklärungen zu Haftungsfragen und diverse Gutachten und Gegengutachten hatten den Wiederaufbau der Turnhalle lange hinausgezögert. Das Strafverfahren gegen zwei am Bau beteiligte Personen wurde eingestellt.

Die Kosten für den Wiederaufbau – geschätzte zehn Millionen Franken – übernimmt grösstenteils die Versicherung, einen Teil muss der Kanton selber tragen.




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