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Tagblatt Online, 28. August 2010 01:03:13

Die Kirche ins Quartier geholt

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Katholische Kirche Riethüsli; ins Quartier geholt durch die Katholische Arbeiterbewegung (KAB). (Bild: Bild: Reto Martin)

Die KAB Riethüsli feiert ihren 50. Geburtstag. Und das ganze Quartier ist zum Fest geladen. Es findet heute abend in der Aula des GBS statt, dort, wo die Nest-Katholiken einst ihre Gottesdienste gefeiert haben.

Die Gruppierung heisst zwar «Katholische Arbeiterbewegung» (KAB), doch im Riethüsli könnte sie auch «Gruppe aktiver Quartierbewohner» heissen. Denn die KAB Riethüsli verstand sich nie als Vereinigung beschaulicher Seelenpolierer; im Vordergrund stand stets der aktive Einsatz für die andern, auch der Dienst am Quartier.

Im Boom der Nachkriegszeit

Gegründet wurde die KAB-Sektion 1960, mitten im grossen Nachkriegsboom. Damals erreichte die Bautätigkeit auch das Nest.

Wohnblöcke, Reihen- und Einfamilienhäuser entstanden von der Teufener Strasse bis hinauf nach Oberhofstetten.

Unter den «Neusiedlern» gab es manche, die bisher bei der KAB-Sektion der Pfarrei St. Otmar mitmachten. Bald schon erwachte bei ihnen der Wunsch, sich zu einer eigenen Gruppe zusammenzuschliessen. Denn oben, im Neubaugebiet des Nest, meldeten sich ja auch ganz neue Aufgaben und Anliegen.

Das erste war der Wunsch, eine eigene Kirche zu haben. Man wollte in den neuen Siedlungen nicht nur wohnen, sondern gleichenorts auch Gottesdienst feiern. Nachbarliches Neben- sollte zum kirchlichen Miteinander werden.

Beginn im Konsum-Lokal

All das war Grund genug, 1960 im Restaurant Nest die Gründungsversammlung zusammenzurufen, ein Bildungsprogramm zusammenzustellen und eine Strategie zu entwickeln, wie man möglichst rasch zu einer eigenen Kirche kommt.

Dies brauchte es, denn von der Notwendigkeit eines Gotteshauses waren die Nest-Bewohner mehr überzeugt als der Pfarrer von St. Otmar. Es musste einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, bis 1972 Viktor Staub als Seelsorger im Riethüsli eingesetzt wurde. Erste Gottesdienste fanden im Riethüslitreff, dem ehemaligen Konsumlokal an der Teufener Strasse statt, ab 1975 in der Aula des GBS.

1987 wurde schliesslich die aus Elementen zusammengesetzte frühere Haldenkirche ins Quartier transportiert.

Auf das Jubiläum hin hat Erich Gmünder eine informative Festschrift zusammengestellt, in der die fünfzigjährige Geschichte der KAB-Sektion in Wort und Bild nachgezeichnet wird. Sie ist ein Dokument für ein spezielles Kapitel der Stadtentwicklung, die für einmal nicht auf dem Reissbrett der Planer entstand.

Sie wurde von Männern und Frauen in Gang gesetzt, die nicht nur eine Wohnbaugenossenschaft gründen, sondern im Quartier auch kirchlich verankert sein wollten.

«Richtschnur im Alltag»

Ergänzt wird die Festschrift mit Überlegungen zur heutigen Aufgabe der KAB. Nach dem Kantonalpräsidenten Norbert Ackermann besteht sie darin, mit ihren Angeboten «Männer und Frauen, Alleinstehende und Familien in ihren Lebenssituationen persönlich abzuholen».

Aufschlussreich auch der Aufsatz des Sozialethikers Claudius Luterbacher. Er zeigt, dass die Soziallehre der Kirche auch heute noch wichtige Gedanken zur gesellschaftlichen Entwicklung beisteuern kann. Die KAB verstehe es, sie umzusetzen, als «Richtschnur für den Alltag». (J.O.)





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