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Tagblatt Online, 16. Januar 2012 06:23:00

Die Archäologie darf sich zeigen

Pressekonferenz neue Archäologieabteilung im Historischem und Völkerkundemuseum Zoom

Die Archäologie-Ausstellung kommt ins Untergeschoss des Historischen Museums: Architekt Tristan Kobler im Gespräch mit Jurypräsident Florian Eicher, Stiftungspräsident Arno Noger und Regierungsrätin Kathrin Hilber (von links). (Bild: Stefan Beusch)

ST.GALLEN. Die Kantonsarchäologie hat in den letzten Jahren spektakuläre Funde gemacht. Nun erhält sie im Historischen Museum einen Ort, um diese zu präsentieren. Ein Zürcher Architekturbüro wird die neue archäologische Dauerausstellung gestalten.

CHRISTINA WEDER

Wie ein Vorbote steht der Sarkophag vom Klosterhof im Untergeschoss des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen. Hier soll eine neue archäologische Ausstellung eingerichtet werden. Der Weg dazu war lang. Über zehn Jahre hat Regierungsrätin Kathrin Hilber davon geträumt, wie sie am Freitag sagte, als das Siegerprojekt für die Neugestaltung vorgestellt wurde. Es trägt den Titel «Faszination Archäologie» und stammt vom Zürcher Büro Holzer Kobler Architekturen und dem Archäologen Jonas Kissling.

300 Quadratmeter mehr

Das Publikumsinteresse an der Archäologie sei sehr gross, sagt Kathrin Hilber: «Und dennoch fehlte bis jetzt ein Ort ausserhalb der Fundstellen, an dem sich das Publikum mit der Geschichte des Kantons auseinandersetzen konnte.» Zwar war im Untergeschoss des Museums seit Mitte der 90er-Jahre eine kleine archäologische Sammlung untergebracht. Doch fast 20 Jahre lang standen immer dieselben Exponate in den Vitrinen. Die neuen, zum Teil spektakulären Ausgrabungen – wie jene auf dem Gallusplatz in St. Gallen – wurden nicht berücksichtigt.

Kathrin Hilber sagt denn auch: Der Kanton St. Gallen investiere wenig in die Archäologie – gemessen an den Werten, die diese zutage fördere. Bisher standen der Archäologie im Historischen Museum 80 Quadratmeter zur Verfügung. Neu werden es 380 Quadratmeter sein. «Ein Quantensprung», findet Hilber.

Arno Noger, Präsident der Stiftung Historisches und Völkerkundemuseums St. Gallen, spricht von einem Glücksfall, dass sich der Kanton nun klar für die Archäologie engagiere. Schliesslich sei die Neugestaltung der Ausstellung «nicht ganz billig». Finanziert wird sie mit Geldern aus dem Lotteriefonds des Kantons. 900 000 Franken stehen zur Verfügung.

Römer- und andere Kabinette

Zum Wettbewerb für die Neugestaltung waren fünf Teams eingeladen. Das Siegerprojekt vom Zürcher Büro Holzer Kobler Architekturen überzeugte die Jury vor allem durch den respektvollen Umgang mit den historischen Räumlichkeiten, wie Jurypräsident Florian Eicher vom Amt für Kultur sagt: «Die Räume werden möbliert und nicht zugebaut.»

Eine lange Vitrine wird die Ausstellungsbesucher entlang dem Zeitstrahl durch die Geschichte führen. Kleine Kabinette werden Schwerpunktthemen gewidmet sein, etwa den Ausgrabungen von Kempraten. Zu diesem Thema schwebt den Ausstellungsmachern vor, ein «richtiges Römerkabinett» einzurichten, das in «pompejanischem Rot» gestrichen wird. Im Kabinett zum Schwerpunkt der Stadt St. Gallen wird der Sarkophag stehen, sofern er durch die Türe passt.

Architekt Tristan Kobler will «sowohl Besuchern mit hohen Ansprüchen wie auch solchen mit wenig Vorwissen» etwas bieten und in der Ausstellung ein Labor einrichten. An einem langen Werktisch wird man erfahren, wie und mit welchen Werkzeugen Archäologen arbeiten.

Schaufenster für aktuelle Funde

Das Herzstück der Ausstellung ist schliesslich die sogenannte Monatsvitrine. Mit ihr erhält die Kantonsarchäologie ein Schaufenster, in dem sie von aktuellen Grabungen berichten kann. Ziel ist, wie Martin Schindler, Leiter der Kantonsarchäologie, sagt, immer wieder neue Exponate zu präsentieren. Diese sollen auch in anderen Museen im Kanton ausgestellt werden.

Die Eröffnung ist für Herbst 2013 vorgesehen. Bis dahin bleibt viel zu tun. Noch sind im Untergeschoss des Museums ein Coiffeursalon und eine alte Apotheke eingerichtet, die ins Depot kommen. Gleichzeitig zur Neugestaltung der Archäologie-Ausstellung wird das Historische und Völkerkundemuseum saniert, wofür das Stadtparlament einen Kredit von 6,9 Millionen Franken gesprochen hat.




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