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Tagblatt Online, 15. Februar 2012, 01:11 Uhr

Der Obergugger von der UBS

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Nicolas Steiner im neuen Gwändli der Brogge-Gugge. (Bild: Urs Jaudas)

Zuweilen sorgen Banken für positive Schlagzeilen. Die UBS verdankt dies auch ihrem Angestellten Nicolas Steiner. Als Chef der Vereinigten Guggen St. Gallen hilft er, Krisenstimmung zu vertreiben.

FREDI KURTH

Wie wird jemand Obergugger? Er muss einer Guggenmusik angehören. Und: Er sollte gut vernetzt sein, wie ein ambitionierter Politiker. «Als Teamleiter KMU bei der UBS in St. Gallen habe ich die entsprechenden Voraussetzungen», sagt Nicolas Steiner, der Präsident der Vereinigten St. Galler Guggen. Dennoch fühlt er sich bloss als «Primus inter pares», wie er sagt.

Moderne Bühnen

Der 38jährige Steiner leitet bereits seit 2009 die Geschicke der St. Galler Fasnachtsmusikanten. Einst war es Aufgabe des Amtsinhabers, die Auftritte der Guggen zu koordinieren. Heute ist die Dachorganisation immer mehr Ansprechpartner, zum Beispiel wenn Guggen bei ihrem Jubiläum einen besonderen Auftritt benötigen. Sie bemühte sich auch um neue, grössere Bühnen, die früher aus gestapelten Paletten bestand, heute aber Suva-konform bewilligt sind. Und die Guggen engagieren sich fest für den Anlass «Dampf im Kessel» in der Lokremise.

Steiners fasnächtliche Heimat ist die Brogge-Gugge. Dort hat er als Jugendlicher angefangen, liess sich dann zu einer Herisauer Gruppe transferieren, ehe er von den Brögglern zurückberufen und zu deren musikalischem Leiter ernannt wurde.

Fast schon profimässig

Die vornehme Ausdrucksweise ist angemessen. Das Niveau bei den Guggen habe sich extrem verbessert, sagt der Obergugger. So wird jedes Stück ab Noten einstudiert. Für jede Art von Blasinstrumenten besteht eine spezielle Noten-Abstimmung. Und fast jeder Musiker spielt auch das Jahr hindurch in einem Ensemble. Steiner hatte einst als Trompeter bei der Knabenmusik angefangen. Somit besteht die Gefahr, dass die närrische Musik fast zu schön erklingt. «Die Dissonanz gilt es natürlich zu bewahren», sagt Steiner.»

Die Zeiten, da der Einsatz eines Guggenmusikers als Vorwand für übermässigen Alkoholkonsum interpretiert werden konnte, gehören der Vergangenheit an. Der Pegel bewegt sich heutzutage in einem Bereich, bei dem nach alter Limite noch Auto gefahren werden durfte.

Als musikalischer Leiter nimmt Steiner die Trompete nicht mehr zur Hand. Vielmehr ist er um präzisen Einsatz und richtige Programmabfolge der Brogge-Musik bemüht. Schon früh im Jahr werden jeweils die neuen Stücke eingeübt. Steiners Schützlinge wollen nicht zu oft typische Gassenhauser der Hitparade intonieren, sondern vielmehr Songs wie «Fairytale gone bad» von Sunrise Avenue oder «Bring me to life» von Evanescence. Dennoch hat es im Repertoire auch Platz für die «Biene Maya», bei der die Musikanten sogar zum Gesang anheben.

Die Zahlen der Fasnacht

Mit all den Guggen etwas zu schaffen, das Menschen während der Fasnacht Freude bereitet, ist einer der besonderen Anreize für Nicolas Steiner. Diesen kreativen Zugang findet er im Kontakt mit seiner Gugge, während er als städtischer Obergugger primär organisatorisch gefordert ist. Dieser Gegensatz lässt sich gradlinig übertragen auf Beruf und Hobby. «Die Fasnacht bietet mir einen Ausgleich zum Alltag in der Bank», sagt Steiner. Aber Musik habe auch mit Zahlen zu tun. Er erwähnt den 3/4- und 4/4-Takt…

Ab morgen hat Steiner Ferien. Die Fasnacht erlaubt kein Doppelleben. Die Nächte werden lang und länger. Dennoch möchte er auch ausschlafen, weil er als Guggenleiter wieder fit sein muss. Auf stärkende Mahlzeiten daheim in Teufen gilt es allerdings zu verzichten. Seine Lebenspartnerin Monica Schär spielt ebenfalls in einer Guggenmusik, bei den «Gallägäng». Die beiden sind sich an der Fasnacht erstmals begegnet.



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