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Tagblatt Online, 21. Oktober 2010 08:13:00

Das Riethüsli atmet auf

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Durchmesserlinie Appenzeller Bahnen: Haltestelle bleibt, wo sie ist, und der Verkehr auf der Teufener Strasse, ohne Umweg übers Quartier. (Bild: Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen Appenzeller Bahnen, Stadt und Quartierverein: Der Bau der Durchmesserlinie ist offenbar ohne Umleitung des Verkehrs durchs Riethüsli möglich.

Andreas Nagel

«Hurra! Der Einsatz des Quartiervereins und der zahlreichen Einsprecher aus dem Riethüsli hat sich gelohnt», heisst es seit gestern mittag auf der Website des Quartiervereins. Wie vergangene Woche im Gotthardmassiv herrscht nun auch im Riethüsli grosse Freude. Zwar ist kein Durchstich geschafft, aber immerhin ein Durchbruch. Gegen den teils erbitterten Widerstand des Quartiers hätte der Verkehr während der Bauarbeiten für die Durchmesserlinie Appenzell–St. Gallen–Trogen durch zwei Quartierstrassen umgeleitet werden sollen.

Es wird nicht so weit kommen: Die Appenzeller Bahnen haben eingelenkt, wie gestern ziemlich überraschend bekannt wurde.

Der Gotthard für die AB

Das ausführliche Communiqué zum Verhandlungserfolg wurde auf der Homepage des Quartiervereins bereits aufgeschaltet, bevor es die Appenzeller Bahnen (AB) überhaupt versenden konnten.

Mediensprecher Alexander Liniger trägt's mit Fassung, freut sich seinerseits über die gefundene Lösung und wagt tatsächlich den Vergleich mit der Neat: «Der künftige Ruckhaldetunnel ist mit seinen 700 Metern zwar nicht so lang wie der Gotthard, für die Appenzeller Bahnen aber genauso wichtig.»

Im letzten halben Jahr seien die Bauvorgänge und die davon abhängigen Verkehrsführungen vertieft worden, sagt Liniger.

Dank dem inzwischen beschlossenen Verzicht der Appenzeller Bahnen auf den Bahnbetrieb während der Bauarbeiten im Riethüsli hätten sich neue Ideen ergeben. Auf den Umleitungsverkehr durch die Riethüsli- und Im-Grund-Strasse kann entsprechend verzichtet werden. Grösstenteils wenigstens: Bei besonders heiklen Arbeiten soll aus Sicherheitsgründen die Option für vorübergehende Umleitungen des Verkehrs Richtung Stadt über die Riethüslistrasse offenbleiben.

Woher dieser plötzliche Gesinnungswandel? «Wir haben immer versprochen, den zweifellos berechtigten Anliegen der Quartierbewohner Rechnung zu tragen», antwortet Liniger. Er verhehlt aber auch nicht, dass der Widerstand der Bevölkerung, anfänglich zumindest, unterschätzt wurde.

Bus statt Bahn

Der längere Busersatz – es ist von eineinhalb Jahren auszugehen – hat letztlich nun den Ausschlag für die quartierverträgliche Lösung gegeben.

Hinzu kam der Entscheid, die Kreuzung Teufener Strasse/Demutstrasse nicht im Tagbau, sondern im «bergmännischen Tunnelvortrieb» zu queren, wie es in der fraglichen Medienmitteilung heisst. Etwas weniger bergmännisch ausgedrückt bedeutet dies, dass während der Bauarbeiten der Tunnel einen «Deckel» verpasst bekommt, auf welchem der Verkehr ungehindert fliessen kann.

Kein Entgegenkommen signalisiert der Stadtrat bei der geforderten Tunnelportalverschiebung um 200 Meter Richtung Teufen, wie ebenfalls aus dem Communiqué hervorgeht. Die Gründe sind nicht zuletzt finanzieller Natur. Die Mehrkosten gegenüber dem Auflageprojekt werden mit 13,5 Millionen Franken angegeben. Geprüft wurde schliesslich auch die angeregte Variante einer unterirdischen Haltestelle Riethüsli. Sie käme auf schätzungsweise 10 Millionen Franken zu stehen und wird ebenfalls verworfen.

Das Riethüsli darf trotzdem aufatmen. Informationen über den aktuellen Projektstand und das weitere Vorgehen folgen am 10. November, 20 Uhr, im GBS.





Leser-Kommentare:
1 Beitrag

Kommentar lesen

dave (26. Oktober 2010, 10:41)
Am falschen Ort gespart

In jeder anderen (selbsterklärten) "Metropole" hätte man von Anfang an nicht die günstigste, sondern die vernünftigste Lösung ins Auge gefasst und entsprechend budgetiert: eine unteriridische Haltestelle im Riethüsli, die das Quartier auch weiterhin mit der Innenstadt verbindet. Jetzt lässt man die Züge irgendwo im Gjätt halten. Wenn die Appenzeller Bahnen schon so ein "Jahrhundertprojekt" realisieren, das der S-Bahn St. Gallen einen weiteren Schub verleihen soll, dann kann es doch auf 10 Millionen für einen unterirdischen Bahnhof nicht ankommen!

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