Tagblatt Online, 28. Juni 2010 01:03:29
Das Kugl ist mehr als ein Club
Kultur am Gleis soll geschlossen werden. Viele Leute, darunter auch ich persönlich, waren sehr schockiert über diese Schlagzeile. Ich glaube, dass viele Bewohner der Stadt St. Gallen sich denken, dass dies nicht einschneidend oder schlimm wäre, weil es ja noch diverse andere Clubs hat.
Doch für die vielen Kugl-Besucher wäre es das. Warum? Weil das Kugl viel mehr als nur ein Club ist. Es ist eine Gemeinschaft, ein Ort, wo man immer Leute trifft, die man kennt. Es sind mehrere Generationen vertreten, was ich sehr speziell und auch positiv finde. Es besteht jeweils eine gegenseitige Akzeptanz, die man im Alltag nicht unbedingt findet. Ich spreche für mich, aber ich weiss, dass ich diese Meinung mit vielen teile. Das Kugl bietet während der ganzen Woche Programm.
Unter anderem «Dä Ziischtig mit», «LeSchwu» – ein Abend nur für Lesben und Schwule, Filmabende und das Wochenendprogramm.
Dass es am Wochenende auch mal ein bisschen lauter werden kann, ist klar. Die jungen Leute wollen feiern, tanzen, die ausgelassene Stimmung geniessen. Vor allem geht es darum, vom Alltag abzuschalten, die Sorgen der Woche zu vergessen. Und genau das kann man im Kugl. Da wirst du nicht nach Kleidern, Aussehen oder Tanzstil verurteilt. Da musst du nicht draussen bleiben, weil du die falschen Schuhe trägst.
Du kannst einfach so sein, wie du bist.
Ich verstehe ja, wenn es jemand etwas ruhiger haben will. Aber in einer Stadt, egal wie gross sie ist, muss jeder damit rechnen, das es vielleicht mal ein bisschen lauter wird. Vor allem war sich der Herr seiner Wohnlage durchaus bewusst, denn er zog ein, als das Kugl bereits zwei Jahre bestand. Und das Kugl war bereit, einiges zu ändern, dass es ein wenig stiller wird am Wochenende. Sie haben die Parkplätze gestrichen und eine zweite Tür eingebaut.
Ausserdem sorgen die Securitas immer für Ruhe. Und ich kann bestätigen, dass draussen vor dem Eingang absolut keine Musik zu hören ist. Erst wenn man die zweite Tür passiert hat, vernimmt man sie gedämpft.
Warum also soll das Kugl schliessen, obwohl es all diese Massnahmen ergriffen hat? Warum nimmt man so vielen Menschen einen Ort, an dem sie sich fallen lassen können? Für mich bedeutet das Kugl: die Alltagssorgen vergessen, tanzen, gute Gespräche führen und unbeschwert die Nacht zum Tag machen.
Überlegen Sie mal: Wenn das Kugl nicht mehr besteht, wo gehen dann diese Leute hin? Klar es gibt noch mehr Clubs, aber keiner in dieser Art. Ich kann nicht sagen, wo ich meine Wochenenden in Zukunft verbringen würde. Und genau so geht es vielen anderen auch. Es wird Frust, Enttäuschung und Wut entstehen. Frust, weil man uns erneut etwas wegnimmt was uns am Herzen liegt.
Enttäuschung, über die Art und Weise, wie es dazu gekommen ist. Und Wut, weil man immer mehr eingegrenzt wird. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass man bereit ist, auf Konfrontation zu gehen. Das soll keine Drohung sein. Aber es ist eine Tatsache, dass es zu erheblich mehr Lärm kommen wird. Ich hoffe, wir finden eine Lösung, die für beide Seiten annehmbar ist. Denn gegenseitige Akzeptanz liegt uns am Herzen.
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Kommentar lesen
cse (28. Juni 2010, 11:08)
Kugl nach Wolfhalden
Mal sehen wie schön Wolfhalden noch ist, wenn hunderte dorhin pilgern, Lärm, Abfall, Abgase etc. verursachen.
Beitrag kommentierenEs kommen sogar noch Auswärtige und wollen uns Bürgern der Stadt vorschreiben, was wir zu erdulden haben.
Erst mal Steuern in der Stadt mitbezahlen bevor man die Klappe aufreisst.
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