Tagblatt Online, 28. April 2012 08:44:00
Beiz und Büro in einem
Fanarbeiter im Fanlokal: Alex Hasler (links) und Thomas Weber präsentieren ihr Fanarbeit-Logo mit dem grünen Puzzleteil. Gleich nebenan befindet sich das Büro der beiden. (Bild: Urs Bucher)
ST.GALLEN. Das Lokal der FCSG-Anhänger ist eröffnet, die Fanarbeiter haben im hinteren Teil ihr Büro eingerichtet. Gestern stellten die Barbetreiber ihr Konzept vor, die Fanarbeiter ihr Logo.
RALF STREULE
Eine grüne Theke, Fernsehbildschirme, ein historisches FCSG-Wappen an der Wand: Seit einigen Tagen haben die Fans des FC St.Gallen an der Lämmlisbrunnenstrasse einen offiziellen Treffpunkt. «Das Fanlokal steht aber allen offen, die vorbeikommen wollen», sagte Michael Blatter vom Fan-Dachverband gestern bei der offiziellen Vorstellung des Lokals.
Eingeweiht wurde es bereits am vergangenen Samstag: Vor dem Heimspiel des FC St.Gallen haben sich laut Blatter gut 100 Fans getroffen. Öffnen will man das Lokal immer Donnerstag- und Freitagabend sowie samstags vor Heimspielen. Hin und wieder soll es auch an anderen Abenden betrieben werden, zum Beispiel während wichtiger Spiele der Fussball-EM im Juni.
«Idealer Ort für Fanarbeit»
Im hinteren Teil des Lokals haben die beiden Fanarbeiter Alex Hasler und Thomas Weber ihr Büro bezogen. Die Sozialarbeiter haben den Auftrag, Konflikte in der Fanszene zu erkennen und einzudämmen. Das Lokal sei als Arbeitsort ideal, sagt Hasler: «Es ist ein guter Ort, um mit den Fans in Kontakt zu kommen.» Genau dies sei schliesslich eine der Aufgaben der Fanarbeit: Kontakte knüpfen und Vertrauen aufbauen. In den ersten vier Monaten des dreijährigen Pilotprojekts ist es laut Weber in erster Linie darum gegangen, «Haltungen auszutauschen» und Gespräche mit Polizei, Fans und Clubverantwortlichen zu führen (Kasten). Auch habe man mehrere Beratungsgespräche geführt: Beispielsweise mit Fans, die Stadionverbot haben.
Zum jetzigen Zeitpunkt bereits ein Fazit ihrer Arbeit zu ziehen, sei nicht möglich, sagt Weber. «Fanarbeit ist ein langer Prozess.» Dafür präsentierten die beiden das offizielle Logo der St.Galler Fanarbeit. Es wurde aus Fan-Vorschlägen ausgewählt und zeigt einen Fussball mit einem grünen Puzzlestück, das die Prävention als wichtigen Teil im Bemühen um gewaltfreien Sport darstellen soll.
Regeln wie in jeder anderen Bar
Was dem Lokal noch fehlt, ist ein Name. «Im Mai werden wir Fan-Vorschläge auswerten», sagt Blatter. Betrieben wird die Beiz von der 2010 gegründeten «Genossenschaft zur Förderung der Fankultur». Das Ziel ist laut Blatter, dass das Lokal finanziell selbsttragend wird. Geführt wird es von einem Kollektiv aus etwa 15 Personen, unter anderem Mitglieder des Dachverbands. Alle werden ohne Entlöhnung arbeiten. Sicherheitsleute werden keine eingesetzt. «Dazu verpflichtet sind wir nicht, da gelten für uns die gleichen Gesetze wie für andere Bars», erklärt Blatter.
Mit dem Standort an der Lämmlisbrunnenstrasse sei die Genossenschaft sehr zufrieden, sagte Blatter gestern weiter. Die Suche nach einem geeigneten, zentrumsnahen Lokal hatte Monate in Anspruch genommen. Nachdem die Fans fündig geworden waren, gab es gegen die Umnutzung mehrere Einsprachen aus der Nachbarschaft. Blatter hofft jetzt auf gutes Einvernehmen. Darum habe man Nachbarn am Mittwoch vor der Eröffnung ins Lokal eingeladen.
Anhörungsrechte für Stadionverbötler verbessern
Vor dem Start in die Rückrunde kam es zu Misstönen zwischen dem FC St.Gallen und Teilen seiner Anhängerschaft. Der Club verschärfte die Tonart gegenüber missliebigen Fans und kündigte unter anderem Stadionverbote für Anhänger an, die das Abbrennen von Pyros aktiv unterstützen. Die Folge waren Fanproteste beim ersten Heimspiel gegen Delémont. Fanarbeiter Alex Hasler: «Die Situation hat sich mittlerweile wieder beruhigt.» Hintergrund: Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, in die auch die Fanarbeiter einbezogen wurden.
Unter anderem wurde laut Alex Hasler analysiert, was bei der Kommunikation der verschärften Regelungen schief lief. Die Fanarbeiter konnten zudem auch Vorschläge einbringen. «Im Rahmen der Gespräche regten wir an, das Anhörungsrecht für von einem Stadionverbot betroffene Fans zu verbessern», sagt Alex Hasler. Laut ihm steht die Fixierung eines entsprechenden neuen Ablaufs kurz bevor. (dwa)
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