Tagblatt Online, 19. März 2010 01:04:03
Ängste im Volk ernst nehmen
Ein Zug der Appenzeller Bahnen in der Ruckhaldekurve. Mit dem Projekt der Durchmesserlinie soll ein Tunnel sie und damit auch die Zahnradstrecke zwischen Güterbahnhof und Riethüsli ersetzen. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
Das Projekt der Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen ist eine technisch optimale Lösung. Bei vielen Städtern stösst sie aber auf Skepsis. Stadtrat Fredy Brunner warnt davor, deswegen die Eisenbahn-Zukunft der Region aufs Spiel zu setzen.
reto voneschen
Über das Projekt der Durchmesserlinie von Appenzell über Gais und St. Gallen nach Trogen wurde in den letzten Monaten viel geschrieben. Im Zentrum stand dabei der Riethüsli-Tunnel, der die Zahnradstrecke über die Ruckhalde ersetzen soll, im betroffenen Quartier aber viel Kritik ausgelöst hat. «Zur Versachlichung» der Diskussion haben die Umweltfreisinnigen am Mittwoch zu einem Vortragsabend eingeladen. Stadtrat Fredy Brunner präsentierte dort das Projekt der Appenzeller Bahnen (AB).
Dabei, so hiess es in der Einladung, solle nicht der kritisierte Tunnel, sondern vor allem der ganze, unspektakulärere Rest des Vorhabens diskutiert werden.
Tunnel als zentrales Teilprojekt
Im Seminarraum des «News» wurden am Mittwochabend tatsächlich alle, auch die kleineren Ausbauvorhaben für die Durchmesserlinie besprochen. Am Schluss stand der Riethüsli-Tunnel aber doch wieder im Zentrum des Interesses.
Nicht ganz überraschend: Es ist das grösste Teilprojekt des Ausbauvorhabens und mit Abstand auch das umstrittenste.
Stadtrat Fredy Brunner löste seine Aufgabe mit Bravour und viel Herzblut. Die Durchmesserlinie der AB sei das richtige Projekt zur richtigen Zeit zur Förderung des öffentlichen Verkehrs in der Region St. Gallen. Die Investition von 90 Millionen Franken löse beträchtliche Spareffekte beim Betrieb der Bahn aus.
Weiter werde das Angebot so verbessert, dass man sich Umsteigeeffekte von der Strasse auf die Schiene von Teufen und von Trogen Richtung Stadt erhoffen dürfe. Davon, aber auch von der durchgehenden Bahnverbindung zwischen Riethüsli und Schülerhaus werde die Stadt selber profitieren können.
Drittens eröffnet die Durchmesserlinie für Fredy Brunner langfristige Perspektiven: Wenn man sich in der Stadt tatsächlich für die Einführung des Trams oder für eine Stadtbahn entscheide,
ergäben sich mit der Durchmesserlinie neue Möglichkeiten für Kooperationen zwischen den städtischen Verkehrsbetrieben und den Appenzeller Bahnen. Solche Partnerschaften seien für die Zukunft des regionalen öffentlichen Verkehrs zentral. Die heutige Tendenz, dass jedes Unternehmen das eigene Angebot im Auge habe und optimiere, führe nicht zu Gesamtlösungen, die Stadt und Region künftig brauchten.
Bevölkerung überzeugen
Stadtrat Fredy Brunner brach vor den Umweltfreisinnigen allerdings nicht nur eine Lanze für die Durchmesserlinie. Er zeigte auch Verständnis für die Verunsicherung weiter Kreise der Bevölkerung etwa im Riethüsli. Da seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, räumte er ein. Die Bahnverantwortlichen seien wohl zu wenig auf die Kritik aus dem Quartier eingegangen. Als neuer Verwaltungsrat der Appenzeller Bahnen versprach Fredy Brunner, dass sich das ändern werde. Das Projekt der Durchmesserlinie sei eine technisch optimale Lösung, die Gefahr laufe, dass sie grosse Teile der betroffenen Bevölkerung nicht wolle. Das dürfe keinesfalls passieren: Das Vorhaben sei wichtig für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in Stadt und Region St. Gallen. Die Bevölkerung müsse davon überzeugt sein und sich dahinter stellen können. Um das zu erreichen, müsse man im Rahmen des vorliegenden Projektes für strittige Punkte Verbesserungen suchen, erklärte Fredy Brunner.
«Götti» für Stadtquartiere
Im Mai werden jetzt unter Federführung des Bundesamtes für Verkehr Gespräche mit den Einsprechern gegen das Projekt aufgenommen. Dabei wird versucht, einvernehmliche Lösungen zu finden. Die Stadt ist dabei gleich dreifach gefordert: Einmal als Einsprecherin, die selber in Details Verbesserungen am Projekt erwartet. Zweitens als «Götti» der betroffenen Stadtquartiere, wie Fredy Brunner sich ausdrückte. Und drittens als Verantwortliche für städtebauliche Aufwertungen, die das Tunnelprojekt im Riethüsli ermöglicht. Er hoffe, dass die Ideen dafür vom Stadtplanungsamt rasch vorgelegt würden, sagte Fredy Brunner am Mittwoch vor den Umweltfreisinnigen.
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