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Tagblatt Online, 04. September 2010 01:01:25

«Wegbegleiter der Pfarrei»

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Hanspeter Wagner vor der katholischen Kirche Riethüsli. (Bild: Bild: Urs Jaudas)

Katholisch-Riethüsli hat wieder einen Seelsorger. Morgen wird Hanspeter Wagner ins Amt des Pfarreibeauftragten eingesetzt. Er will soziales und seelsorgerisches Engagement verbinden.

«Meine Aufgabe in der Pfarrei Riethüsli? Ich möchte in erster Linie Wegbegleiter sein», sagt Hanspeter Wagner. «Die Pfarrei hat bereits einen längern Weg hinter sich. Als neuer Pfarreibeauftragter geselle ich mich hinzu. Ich freue mich, mit den Menschen hier unterwegs zu sein – auf ihrem Weg.» Allerdings hat auch er selber bereits einen markanten Weg hinter sich. Mit Jahrgang 1954 ist er kein unbeschriebenes Blatt, dafür ein umso spannenderes.

Werkbank, Garde, Katechese

Im Gespräch erzählt er, wie er als Jugendlicher seine Neigung zu einem Beruf in der Kirche entdeckte. Aufgewachsen in Rheineck, hatte er nach den obligatorischen Pflichtjahren zunächst genug von Schulbänken. Er wechselte zur Werkbank, trat in Altenrhein eine Lehre als Flugzeugmechaniker an, hielt auch tapfer durch, als er merkte, dass ihn ein anderer Himmel mehr reizt als jener, den die Flugzeuge durchpflügen.

Umso mehr engagierte er sich in der pfarreilichen Jugendarbeit, bei Jungwacht, Jugendgruppe, Ministranten. Nach der Lehre wusste er jedenfalls, dass er sich neu orientieren müsse.

Das begann zunächst mit einem Zwischenjahr bei der Schweizergarde in Rom. Während einsamen Nachtwachen in den Loggien des Vatikanpalastes hatte er Zeit, über seinen künftigen Weg nachzudenken. Dieser führte an das Katechetische Institut in Luzern, wo er auch seine Frau kennenlernte.

Nach der Ausbildung beschloss das junge Paar, fürs erste einem Ruf nach Kolumbien zu folgen. Dort suchte ein Bischof kirchliche Mitarbeiter, die ein Gespür für die besonderen Nöte der einheimischen Landbevölkerung haben.

Mit zwei Kindern ging es nach Südamerika, zwei weitere wurden der Familie dort geschenkt. Hinzu kam eine Berufserfahrung, wie sie prägender nicht sein konnte.

«Es ging darum, den farbigen Bauern zu zeigen, dass sie genau so viel wert sind wie die weisse, reiche Oberschicht.»

Wie befreiend die biblische Botschaft sein kann, das haben Hanspeter Wagner und seine Frau in Kolumbien auf eindrückliche Weise erlebt. «So verstehe ich auch meine Weihe zum Diakon als einen Auftrag, für die Schwächsten da zu sein.»

Von Buechen ins Nest

Zurückgekehrt in die Schweiz, hat Hanspeter Wagner in den Pfarreien Rheineck-Thal, St. Margrethen und Staad-Altenrhein gewirkt, zuletzt als Pfarreibeauftragter. Jetzt aber, da seine Kinder erwachsen und ausgeflogen sind, nimmt er die Gelegenheit wahr, nochmals eine neue Aufgabe anzupacken. «Bisher war ich vor allem als Einzelkämpfer unterwegs. Jetzt freue ich mich auf die Arbeit im Team.»

Die Ausrichtung der katholischen Kirchgemeinde der Stadt St. Gallen auf Seelsorgeeinheiten und eine lebensraumorientierte Seelsorge findet er einen spannenden Prozess und ist überzeugt, im kirchlichen Dienst nochmals neue, erfüllende Erfahrungen zu machen. (J. O.)

Einsetzungsfeier: Morgen Sonntag, 11 Uhr, katholische Kirche Riethüsli.




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