Tagblatt Online, 16. Oktober 2008 01:05:29
Truthähne als Rasenmäher
Die Mörschwiler Strausse haben Gesellschaft bekommen. Ihre Weiden teilen sie seit kurzem mit zwei Dutzend Truten. Diese sollen Farmbesitzer Cornel Eberle das Rasenmähen ersparen.
Ein tierisches Gespann: Truten und Strausse weiden in Zukunft gemeinsam auf Eberle's Straussenfarm in Mörschwil. (Bild: Bild: Sam Thomas)
Corinne Allenspach
Mörschwil. Es ist ein ungewohntes Bild. Anmutig stolzieren die grössten Laufvögel der Welt mit ihrem imposanten Federkleid und dem Gehirn, das kleiner ist als ein menschliches Auge, über die grosszügigen Weiden der Mörschwiler Straussenfarm. Zwischen ihren Beinen hindurch stapfen zwei Dutzend Truten und sind friedlich am Grasen. Die Strausse stört's kaum, hat es doch genügend saftiges Gras für alle.
Langsam anfangen
Genau dies ist mit ein Grund, warum Landwirt Cornel Eberle sich entschieden hat, neu auch Truten zu züchten. «Ich habe Tiere gesucht, die Gras fressen und die zur Philosophie unseres Betriebs passen», sagt er. Anders ausgedrückt: Cornel Eberle suchte ein passendes Tier, das wie die Strausse das ganze Jahr über im Freiland gehalten werden kann.
Schafe wären in Frage gekommen, aber die brauchen zu viel Pflege. Oder Gänse, aber die machen zu viel Lärm. Mutterkühe würden den Straussen das Futter wegfressen, und Damhirsche wären zu gross. Bleiben Truten, die, wenn man sich Zeit nimmt, sie einmal richtig anzusehen, eigentlich prächtige Tiere sind. Zumindest die Hähne, die sich an diesem Morgen alle Mühe geben, ihr Gefieder anzupreisen.
Noch steckt die Trutenzucht in den Kinderschuhen. «Wir wollen zuerst Erfahrungen sammeln und fangen darum langsam an», sagt Cornel Eberle. Seine Truten bezieht er von der Mörschwiler Geflügelzucht Geisser. Diese betreibt seit 20 Jahren die einzige Truthahn-Brüterei der Schweiz – in Wolfhalden.
Tierhaltung muss stimmen
Die ersten Truthennen werden auf der Straussenfarm in etwa zwei Wochen – dann sind sie 14 Wochen alt und rund 10 Kilogramm schwer – direkt auf dem Hof geschlachtet und verarbeitet. Die Hähne dürfen noch sechs Wochen länger weiden und an Gewicht zulegen. «Normale» Trutenzuchten zählen rund 2000 Tiere. So viele werden es auf der Straussenfarm nie sein. «Wir halten nur so viele Tiere, wie wir selber vermarkten können.» Zudem müsse die Tierhaltung stimmen.
Natur akzeptieren
Dank der Trutenzucht kann Eberle auch Ertragsschwankungen ausgleichen. Er und seine Frau Regula begannen 1994 Straussen zu züchten und können heute mit 150 Straussen die grösste Farm der Schweiz ihr Eigen nennen. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich weniger Mörschwiler Straussenfleisch geben, da die Tiere heuer weniger Eier legten und die Schlupfrate geringer war als gewöhnlich. Den Grund kennt Cornel Eberle nicht. «Wir hatten keine Krankheiten oder sonstige Zwischenfälle», sagt er. Tierhaltung sei halt immer eine Herausforderung. Und man müsse die Natur akzeptieren.
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