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Tagblatt Online, 11. Februar 2012 01:03:00

Forum fälscht Mitteilungsblatt

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Die Eggersrieter und Gruber mussten zweimal hinschauen, als sie diese Woche das Mitteilungsblatt in den Händen hielten. Obwohl es aussieht wie echt, werden auf acht Seiten «Fehlleistungen» der Behörden angeprangert.

CORINNE ALLENSPACH

EGGERSRIET. Gemeindepräsident Markus Peter war ebenso ahnungslos wie die anderen Dorfbewohner. Ein Mitteilungsblatt, das dem offiziellen der Gemeinde täuschend ähnlich sieht, war am Dienstag auch in seinen Briefkasten geflattert. Wie in alle Haushaltungen in Eggersriet und Grub SG. Doch der Inhalt unterscheidet sich massgeblich von dem, was üblicherweise im Mitteilungsblatt der Gemeinde steht. «Während fortschrittliche Gemeinwesen in unserem Kanton versuchen, die Einwohner aktiv ins öffentliche Leben einzubinden, schläft man bei uns den Schlaf der Gerechten», heisst es etwa auf der Aufschlagseite. Oder «der Gemeinderat hat mehrmals verpasst, mit innovativen Beschlüssen das Standortmarketing der Gemeinde zu verbessern» auf der Seite 2.

Gegen Schläfrigkeit kämpfen

Verfasserin des «neuen Mitteilungsblatts» ist die links-grüne Stimme im Dorf, das Forum Eggersriet-Grub SG, das im Juni 2003 gegründet wurde. Das Forum versteht sich laut eigenen Aussagen als Alternative zu den bürgerlichen Parteien und orientiert sich an sozial-ökologischen Zielsetzungen. In den vergangenen Jahren habe man mit verschiedenen Veranstaltungen wie ökologischen Abendspaziergängen, dem Politstamm oder der Guerilla-Gärtneraktion «gegen die Schläfrigkeit» im Dorf angekämpft und Möglichkeiten aufgezeigt, «wie Eggersriet sich aus dem Gemeinde-Einheitsbrei abheben könnte», schreibt das Forum. Man habe auch immer wieder Vorstösse gemacht bei der Gemeinde, damit das Mitteilungsblatt geöffnet werde. So dass Einwohner, Parteien und Politische Vereine ihre Anliegen, Sorgen und Freuden kundtun könnten. «Aber unsere Anregung wurde nie aufgenommen», sagt Michael Higi, Vorstandsmitglied des Forums.

Zum Denken anregen

An der letzten Mitgliederversammlung des Forums habe man dann entschieden, selber ein Mitteilungsblatt zu machen, so wie das Forum sich das vorstelle – mit Meinungen und Leserbriefen. «Das ist eine humorvolle Idee, tut niemandem weh und soll zum Denken anregen», sagt Higi.

Der Eggersrieter Gemeindepräsident Markus Peter findet die Idee allerdings alles andere als lustig. «Ich finde es nicht in Ordnung, dass man für eine solche Aktion das offizielle Logo der Gemeinde verwendet», sagt er. Ebenso wenig finde er es in Ordnung, dass das Forum an seiner Guerilla-Gärtneraktion im Mai 2011 Sonnenblumen in Verkehrsinseln gepflanzt habe. Weiter möchte sich Peter zum gefälschten Mitteilungsblatt nicht äussern. «Weil ich nicht will, dass solche Aktionen eine Plattform erhalten.» Wird die Gemeinde rechtliche Schritte gegen das Forum ergreifen? «Auch dazu will ich mich nicht äussern.»

Rubrik Leserbriefe aufnehmen

«Witzigerweise», so Peter aber, habe sich der Gemeinderat an seiner letzten Sitzung – just einen Tag vor Erscheinen des Forum-Blatts – nach «längerer, kontroverser Diskussion» dafür ausgesprochen, künftig eine Leserbrief-Rubrik ins Mitteilungsblatt aufzunehmen. Peter betont: «Dies hat nichts mit der Aktion des Forums zu tun.» Bevor die Leserbrief-Rubrik eingeführt werden könne, müssten aber noch die Rahmenbedingungen festgelegt werden. «Und dann wären wir ziemlich die einzige Gemeinde der Region, die Leserbriefe druckt», so Peter.

Dringend Vorstand gesucht

Dass künftig Leserbriefe im Mitteilungsblatt veröffentlicht werden können, ist nicht der einzige Wunsch des 28 Mitglieder zählenden Forums Eggersriet-Grub SG. Nach dem angekündigten Rücktritt von Michael Higi aus dem Vorstand brauche man dringend einen Nachfolger. Ziel sei es, dank der «Aktion Mitteilungsblatt» neue Mitglieder zu rekrutieren und vor allem ein Vorstandsmitglied zu finden, das sich an der Hauptversammlung des Forums am 2. März wählen lässt. «Und falls wir niemanden finden, dann war dies der abschliessende Auftritt des Forums.» Sollte es wirklich das Ende des Forums sein, so werde man der Tatsache mit einem lachenden Auge entgegensehen, so Higi. «Wir haben immerhin neun Jahre <duräghebet>.»





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