Tagblatt Online, 08. September 2010 01:03:45
Feng-Shui für Strausse
Cornel Eberle verabreicht einem acht Tage alten Strauss selbstgezüchtete Bakterien, welche Krankheiten verhindern sollen. (Bild: Bild: Michel Canonica)
Wenig befruchtete Eier, viele tote Jungtiere: 2009 lief es auf Eberles Straussenfarm gar nicht gut. Weil die Schulmedizin nichts half, hat Cornel Eberle umgesattelt. Er setzt jetzt auf positive Energie, Farben und den Rat einer Schamanin.
Corinne Allenspach
Mörschwil. Praktisch ein Totalausfall. Und das nach 15 Jahren Erfahrung in der Straussenzucht. «Ich war im Seich», sagt Cornel Eberle, Besitzer der mit rund 200 Tieren grössten Straussenfarm der Schweiz. Von 100 Jungtieren überlebten anfangs des vergangenen Jahres nur gerade deren 5 die ersten Tage nach dem Schlüpfen.
Eberle schickte die toten Tiere zur Laboruntersuchung an die ETH in Zürich. Ohne Erfolg.
In seiner Verzweiflung kaufte er zudem für viel Geld Medikamente, verbunden mit dem Versprechen einer «100prozentigen Wirksamkeit». Obwohl er damit seiner Einstellung untreu wurde, bei den Straussen keine Medikamente einzusetzen. «Genützt hat's nichts», sagt er. Die Jungtiere starben weiter reihenweise, viele Eier wurden gar nicht erst befruchtet. Für Eberle war klar: «Wenn du mit der Allgemeinmedizin nicht mehr weiterkommst, musst du etwas anderes probieren.»
Vieles bleibt unsichtbar
Und das tut er seit Frühjahr. Herkömmliche Medikamente hat der 43-Jährige aufs neue aus der Straussenzucht verbannt. Stattdessen habe er «einige Anpassungen» vorgenommen. Eberle beobachtet die jüngsten Sprosse seiner Strausse und nimmt die entsprechende Frage vorweg: «Vieles sieht man nicht.»
Elektrosmog und Wasseradern habe er beispielsweise abgeschirmt, erzählt er, während die acht Tage alten Strausse ihre winzigen Flügel spreizen und durchs Gehege tapsen.
Immer darauf bedacht, den Anschluss an die Gspänli nicht zu verlieren. Mehrmals am Tag werden im Stall zudem ätherische Öle versprüht. Und Eberle züchtet sogenannte effektive Mikroorganismen. Eine Art «lieber» Bakterien, die die «bösen» – wie Koli- oder Schimmelpilzbakterien – fressen sollen.
Der Mörschwiler flösst einem Straussenküken nach dem anderen die Mikroorganismen ein. Wie jeden Tag, seit er «die Anpassungen» vorgenommen hat. Eberle weiss, dass viele Bauern ihn belächeln.
«Aber ich gehe meinen Weg.» Zumal die bisherigen Änderungen äusserst erfolgreich seien. «Von hundert Jungtieren starben seither gerade einmal drei.» Genau umgekehrt also als zu Zeiten der konventionellen Tierhaltung.
Wellness im Kuhstall
Offen über seine Erfolge und Misserfolge spricht Eberle auch auf seinen Hofführungen. Bis zu fünf Gruppen verschiedener Berufsgattungen melden sich wöchentlich an. Das Echo der Leute auf seine «Anpassungen» sei sehr gut.
«Viele finden es spannend.» Eberle ist überzeugt, dass sich auch viele andere Landwirte schon mit Homöopathie, Feng- Shui oder Esoterik auseinandergesetzt haben. «Aber sie outen sich nicht.» An Ideen, was er künftig noch umsetzen könnte, mangelt es Eberle nicht. Immer wieder erhält er auch Tips auf den Führungen. «Man darf nicht allen alles glauben, aber abklären lohnt sich allemal», sagt er.
Achtung vor der Natur
So plant Eberle, bei den Straussen eine Wand bordeauxrot zu streichen. Durch Pendeln habe sich gezeigt, dass dies die Befruchtungsrate steigern könnte. Seinen 80 Rindern verabreicht er seit kurzem Kügeli mit Bachblüten, Schüsslersalzen und australischen Buschblüten. Und ihren Stall will er orange malen, um das Wohlgefühl zu steigern. Das sei wie bei den Menschen: «Fühlen wir uns wohl, sind wir viel weniger krank. » Das wiederum komme schliesslich auch ihm zugute.
Etwas umzusetzen, wovon er selber nicht überzeugt ist, kommt für ihn nicht in Frage. Genauso wenig, wie plötzlich «mit dem Hexenbesen durchs Leben zu fliegen», sprich, seine Bodenständigkeit zu verlieren. Dass er Kontakt mit einer Schamanin hatte, habe in erster Linie mit Achtung vor der Natur zu tun. Die Schamanin habe ihm gesagt, die Tiere fühlten sich wohl auf seinem Hof und er mache fast alles richtig. Was nicht gut sei: Dass er zu wenig Zeit für die Tiere habe. «Das beste wäre, ich würde im Stall schlafen», sagt Eberle und lacht. Aber da hört für den dreifachen Familienvater die Tierliebe definitiv auf.
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