Tagblatt Online, 01. September 2010 01:01:09
Ein Dorf mit langer Leitung
Unterwegs im begehbaren Leitungsnetz des Wärmeverbunds der Engelburger Schnider AG: Reto Schnider (vorne) und Fritz Wüthrich. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
ENGELBURG. Lang sind die Leitungen, mit denen die Schnider AG Transporte und Recycling andere Betriebe mit Nahwärme beliefert. Bald sollen die Leitungen gar bis ins Dorfzentrum reichen. Wie und zu welchem Preis, erfuhren Interessierte am Montag.
Corinne Allenspach
Glücklich, wer an diesem Montagabend zeitig dran ist. Der ergattert sich noch einen der letzten Parkplätze und einen Stuhl in der vorderen Reihe. «Wir haben schon mit Leuten gerechnet», sagt Fritz Wütrich, Gaiserwalder Gemeinderat und Präsident der Energiekommission, mit Blick in die Runde. «Aber dass es gleich so viele sind.» Rund 140 Personen haben in der Mehrzweckhalle Platz genommen – mehr als an mancher Bürgerversammlung.
Vielleicht liege es ja am garstigen Wetter, sagt Wüthrich: «Bei diesen Temperaturen denkt man wieder dran, dass man im Winter heizen muss.»
Für Engelburger statt Deutsche
Und ums Heizen geht es an diesem Abend. Genauer gesagt um einen möglichen Wärmeverbund im Engelburger Dorfzentrum. Bereits seit 1985 betreibt die Firma Schnider AG Transporte und Recycling einen Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung im Industriegebiet Breitschachen. Angeschlossen sind die umliegenden Gewerbebetriebe.
Sie werden über ein begehbares Leitungsnetz (im Bild) mit Nahwärme versorgt. Dadurch können jährlich rund 800 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Menge der bei Schnider produzierten Holzschnitzel ist aber so gross, dass noch viel mehr Liegenschaften mit Wärme beliefert werden könnten. «Heute liefern wir einen grossen Teil der Holzschnitzel in den süddeutschen Raum», sagt Reto Schnider, Mitinhaber der Schnider AG.
Langfristiges Ziel der Energiestadt Gaiserwald ist der Ausstieg aus fossilen Energieträgern, also auch der Ersatz von alten Ölheizungen. Die Energiekommission und die Schnider AG planen darum, den bestehenden Wärmeverbund zu erweitern. Dabei würde die Schnider AG die Wärme erzeugen, die Gemeinde würde sie verteilen. Allerdings nicht mit begehbaren Leitungsnetzen, sondern mit im Boden verlegten.
In der Schöntalstrasse beispielsweise, die derzeit für rund drei Millionen Franken saniert wird, sei die Leitungsführung bereits vorgesehen, sagt Wüthrich. Die Strasse müsste also nicht nachträglich wieder aufgerissen werden.
Vorgesehen ist, in den Leitungen 80 bis 90 Grad warmes Wasser zum Endverbraucher zu transportieren.
Dort würde ein Wärmetauscher statt des bisherigen Heizkessels die Wärme in die Häuser übertragen, wie Urs Jäger von der IG Energietechnik GmbH St. Gallen erklärt. Voraussichtliche Anschlusskosten: für ein Einfamilienhaus 25 000 Franken, für ein kleines Mehrfamilienhaus 36 000 Franken und für einen Gewerbebetrieb 70 000 Franken.
Je mehr Leute, desto günstiger
Die Kosten sind es denn auch, welche an diesem Abend einige Fragen aus dem Publikum provozieren. Gemäss Berechnungen der Energiekommission fiele der Preis pro Kilowattstunde für die Nahwärme eher günstiger aus als beim Ölbetrieb. Festlegen will sich bei den Referenten aber niemand: «Sicher ist, je mehr Leute mitmachen, desto günstiger wird's», sagt Wüthrich. Geplant ist, vorerst Liegenschaften im Chapf und jene oberhalb des Schulhauses anzuschliessen. Der Perimeter sei aber nicht fix.
Bereits im Frühjahr wurden 26 Liegenschaftsbesitzer von der Energiekommission angeschrieben. Darunter auch die Raiffeisenbank oder die Kirche. Das Interesse an einem Anschluss an den Wärmeverbund sei bei einigen vorhanden, sagt Wüthrich.
Im September erhalten nun 260 Liegenschaftsbesitzer Post von der Energiekommission. Mit der Frage, ob, und falls ja, wann sie sich anschliessen wollen. Wüthrich: «Schön wäre es, wenn wir mit 50 Liegenschaften starten könnten.
» Sicher sei: «Vors Volk gehen wir mit der Vorlage nur, wenn wir den Wärmeverbund wirtschaftlich führen können.»
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